Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Männer der Welt den Tod für die Wahrheit, und zur Schmach der ganzenChristenheit, welche sich nicht schämte, ihm bald darauf auch seinen SchülerHteronymns von Prag als Opfer nachzusenden. Nicht weniger standhaft,als sein Lehrer, erlitt dieser Edle den Flammentod 1416, nachdem er in-zwischen einmal widerrufen, aber bald seines Widerrufes sich geschämt unddarauf die Wahrheit um so unerschütterlicher bekannt hatte. Um das Ver-fahren, das die Synode hier beobachtete, genauer zu würdige», dientnoch Folgendes: Damit man mit mehr Schein ein Verdammungsurthcilüber Huß und seine Anhänger sprechen könne, verdammte man zuerst dieLehren des englischen, 1384 gestorbenen Reformators Wikllffe, dessen Ge-beine auf Befehl der Synode ausgegraben und verbrannt wurden. Wäh-rend Huß gefangen saß, wurde Wikliffs Lehre noch mehr in Böhmen be-kannt, denn Huß selbst hatte dessen Schriften zum Theil in das Böhmischeübersetzt. Großes Aufsehen erregte die Behauptung, daß man bei dem h.Abendmal den Kelch auch den Laien geben müsse. Ein Geistlicher zu Prag,Jakob von Misa, theilte das Abendmal sogleich unter beiderlei Gestaltaus und fand großen Anhang. Huß wurde in seinem Kerker von Böhmenaus gefragt, was davon zu halten sei, und er erklärte sich, wie manwohl begreift, gegen den Kelchraub. Diese Erklärung gab der KostnitzerSynode einen neuen gar willkommenen Vorwand zur eisernen Strengegegen ihn. Sie ließ daher dem Verdammungsurtheil noch den Beschlußvorausgehen, daß den Laien kein geweihter Wein gereicht werden dürfte,worüber bisher noch keine Verordnung vorhanden war. Um so eher konnteman Hußens Widerspruch für todeswürdige Ketzerei erachten. Im Volks-munde hat sich noch bis neuerdings ein Reim auf Huß erhalten, der da-mals in Constanz zuerst gesungen wurde, und die mitleidige Stimmungdes Volkes bekundes:

O Johannes Huß!

Armer Dominus!

Seufzest Ach und Weh!

Armer Domine!

Wärst du doch daheim geblieben!

Dein Geleit war falsch geschrieben.

Ob's der Kaiser selbst verspricht,

Hält man's doch dem Ketzer nicht.

Man kann übrigens nicht von Jvh. Huß und seiner Geschichte sprechen,ohne dabei das große Meisterbild des noch lebenden Malers Lessing zuerwähnen, welches ein Verhör des Huß vor einer engern Versammlungder Synode vorstellt und den Geist jener Zeit mit vollendeten Zügendem Beschauer vorführt. Dies unsterbliche Gemälde, vielleicht das Beste,was die moderne deutsche Malerei aufzuweisen hat, befindet sich unter denKunstschätzen der Stadt Frankfurt am Main.

Nach solchen Thaten wird man nicht erwarten, daß wir beschreiben,mit welchem Glänze Prozessionen gehalten, der zurückkehrende Kaiser em-pfangen und Herzog Friedrich von Oesterreich zum zweitenmal in die Achterklärt wurde, oder wie der Baiernhcrzog und der Markgraf von Meistenihren Einzug hielten; das Gemüth ist zu sehr bewegt, als daß es an solchemFlitterglanze Behagen finden könnte. Nur ist noch zu erzählen, daß nachlangen Verhandlungen über die Reform der Kirche beschlossen wurde, zuersteinen Papst zu erwählen. Solches geschah auch. Das Kaufhaus wurdezum Konklave eingerichtet, dasselbe am 8. November 1417 geschlossen undam 11. November Otto von Cvlonna zum Papst erwählt, der den NamenMartin V. annahm und am 21. November gekrönt wurde. Die beabsich-tigte Reform der Kirche unterblieb, am Ist. Mai 1418 reiste der Papstund am 21. der Kaiser von Constanz ab, und in wenigen Tagen wardie Stadt, welche vom Winter 1414 bis Pfingsten 1418 eine so unge-heuere Menschenmenge in sich versammelt sah, wieder so öde und leer wiezuvor, und behielt von der Versammlung kein anderes Denkmal als dieBrandstätte zweier Märtyrer. Die Christenheit selbst hatte außer demUmstände, daß die Kirchenspaltung wieder gehoben wurde, keinen Vortheilvon dieser Versammlung, denn selbst die guten Beschlüsse derselben, daßdie Kirchenvelssammlung über dem Papste stehe, und alle zehn Jahre einesolche gehalten werden solle, hatten keine Folgen.

Was einmal mit der Zeit sich als nothwendig erweist, geht in Erfül-lung, ob die Menschen wollen, oder nicht. Die Kirche versäumte es, die

Reform von oben zu betreiben und sich an die Spitze der Bewegung zustellen. Ja es war, als wollte man das dringende Verlangen der christ-liche» Welt nach Verbesserung verhöhnen, indem wirklich einige Verände-rungen an der Kleidertracht der Geistlichen vorgenommen wurden.Die Folge war, daß jetzt die Reformation von unten herauf begann,und der päpstliche Stuhl in seinen Grundfesten erschüttert wurde.

Den Anfang machten die Kriege der Schweizer um ihre Freiheit, unddie Städte am Oberrhcine schauten mit Staunen auf die Schweizerstädte,die so bald erstarkten und aus den Kämpfen gegen ihre Widersacher stetssiegreich hervorgingen. Kaiser Friedrich III. besuchte »m diese Zeit, alser eben den Kaiserthron bestiegen hatte, die Stadt Constanz, zeigte sichhier aber nicht sehr gnädig, vielleicht aus Aergerniß über den immer wach-senden Anhang, den die Schweizer gewannen. Diese blieben siegreichgegen die Oesterreicher, die im Jahr 1446 sich ebenfalls nach Ruhe sehnten,und am 9. Juni unter Vermittlung des Pfalzgrafen am Rhein zu Con-stanz einen Frieden mit den Eidgenosse» eingingen.

Das Gefühl der Freiheit und der Stärke hob den Muth mid Stolzder Eidgenossen, die sich jetzt als ein freies Volk fühlten. Als daherauf einem Constanzer Jahrmarkte ein Bürger dieser Stadt sich weigertedie neue Schweizermünze Plappart anzunehmen und sie Kuhplap-part nannte, entstand eine allgemeine Entrüstung darüber. Ein Plappart,wofür auch sonst Blasiert, Plappharter u. s. w. gesagt wurde, war eineursprünglich ausländische dicke und platte Münze, welche kein hervorstehen-des Gepräge hatte, mithin schlecht aussah und verschieden, von 13 kr.galt, wegen ihrer Gestalt konnte sie der derbe Volkswitz leicht mit einemKuhfladen (Kuhplappart) vergleichen. Diese Blapparts kommen übrigensnoch in folgenden Zeiten z. B. bei dem Meistcrsänger Hans Sachs vor.Der Spott darüber hatte damals unvorhergesehene Folgen. Die Bannervon Luzcrn, Nri, Schwyz, Glarus, Zug, Zürich, Bern und Solo-thurn zogen viertausend Mann stark vor Constanz. Doch der Plappartkriegdauerte nicht lange, Bischof Heinrich Albrecht von Hewen und Albrechtvon Sar vermittelten ihn 1458 und Constanz zahlte 3999 Gulden an dieEidgenossen. Bald darauf, im I. 1469, wurde durch Churfürst Ludwigvon der Pfalz wegen des Rappcrschwiler Kriegs in Constanz wieder eineFürstenversammlung gehalten und den geschlossenen Frieden bestätigte Kai-ser Friedrich III., als er im nächsten Jahre hierher kam.

Im Jahre 1499 nahm die Stadt wieder Antheil an den öffentlichenBewegungen; Kaiser Maximilian hielt hier einen feierlichen Reichstag ge-gen die Eidgenossen und es begann der Schwabenkrieg, so genannt, weilihn der schwäbische Bund eröffnete. Kaiser und Reich gewannen aber da-durch weder Vortheil noch Ruhm. An drei Tagen siegten die Schweizerbei Hardt, beim Schwaderloch und bei Frastenz: die Kaiserlichen floheneiligst gen Constanz. Aber die Eidgenossen wurden kühner, zogen überden Rhein und rückten bis vor Stockach, kehrten aber bald wieder nachStein am Rhein zurück. Der Kaiser zog nun nach Constanz mit seinemHeere und bald darauf nach Lindau, als er aber vernahm, wie die Schwei-zer abermals bei Dornach gesiegt, und der Graf von Fürstenberg mitvielen edlen Mannen und viertausend Kriegern erschlagen worden, schiffteer wieder gen Constanz, und gedachte Rache zu üben. Aber das Heer,welches am 13. Juli mit aller Pracht aus den Thoren von Constanz ge-zogen war, kehrte schon nach einer Stunde wieder dahin zurück, weil derKriegsrath uneinig wurde, und unmuthig zog der Kaiser nach Freiburg,worauf nun die Schweizer vor Constanz rückten. Doch wurde am 22. Sep-tember 1499 zu Basel ein Frieden geschlossen, worin Constanz den Blut-bann und das Landgericht im Thurgau an die Eidgenossen abtrat.

Von dieser Zeit an begann Constanz wieder zu sinken; die Stadtversäumte es im I. 1463 sich dem Schweizerbunde anzuschließen, undwährend dieser nach innen und außen erstarkte und das Gemeinwesen auf-blühte, verbleichte der Glanz unserer Stadt, die mit raschen Schrittendem Verluste ihrer Reichsfreiheit entgegenging.

Das Reformationsjahrhundert begann; die allgemeine Gährung fingvon unten an und die hartgedrückten Bauern erhoben sich, wie am Rhein.Neckar und an der Tauber, so auch im Hegau und am Bodensee. Einharter Kampf entstand, der bis vor die Thore von Constanz drang, dieFürsten und Herren blieben aber Sieger, und übten eine niederträchtige