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7 (1848)
Entstehung
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ter welchen Umständen sie sich durch den Lauf der Zeiten bis zu ihremjetzigen Zustande herausgebildet hat.

Wer den ersten Fuß in das obere Rheinthal und an den Bodenseegesetzt, wer möchte dies erkunden, bei gänzlichem Mangel von Nachrichtenaus so früher Zeit? Erst nachdem schon Jahrhunderte hindurch die Völkerin Europa sich herumgetrieben hatten, fällt ein mattes Licht in diese Ge-gend; wir finden, daß Kelten an den Usern des Bodensces gehaust, unddes Verfassers Untersuchungen machen es wahrscheinlich, daß vor CäsarsZeiten die Latobriger Anwohner des Bodensec's waren. Wann aber diesehierher gekommen, und wie lange sie schon da gewesen, vermelden unsweder Bücher, noch andere Denkmale. Als später die Römer hierherdrangen und Tiberius am Bodensce einen Sieg über die Rhätier undVindelizier erfocht, gehörte die Gegend zu Rhätien und rhätische Volks-stämme bewohnten dieselbe. Constanz war aber damals noch nicht, undscheint erst durch ein römisches Kastell entstanden zu sein, das Kaiser Con-stantius I. im Zahre 304 gründete, und dessen Ueberreste im Jahre 1632entdeckt wurden, als der schwedische General Horn die Stadt belagerte undMinen graben lies. Urkundlich wird dieses Orts erst vom Geographen vonRavenna, sowie 553 gedacht, wo der Bischofsstuhl von Windisch in diesealemannische Stadt verlegt und das Christenthum schnell hier verbreitetwurde. Der h. Gallus war selbst in Constanz, als man den Johanneshier zum Bischöfe weihte.

Dadurch, daß die Bischöfe hier wohnten, in der Nähe die Gotteshäu-ser St. Gallen und Reichenau entstanden und die alemannischen Herzogehäufig am Bodensee verweilten, hob sich der kleine Ort bald; denn er warja Mittelpunkt eines Bischofssitzes, dessen Sprengel den weiren Kreis vonUlm bis zum Kniebis, vom Rheinufer bis hinauf nach Winterthur undüber Appenzell bis an den Bodensee umfaßte. Im achten Jahrhundertemußte die Stadt schon einige Bedeutung gehabt haben, denn Karl derGroße und leine Gemahlin Hildegarde, welche aus dieser Gegend stamm-te, verweilte daselbst, als er nach Rom ging, um daselbst die Kaiserkronezu erhalten, und er gewährte den Mönchen der Stadt verschiedene Frei-heiten. Sein Sohn, Ludwig der Fromme, liebte die Gegend am Bovcn-sec ganz besonders, verweilte oft auf seiner Burg zu Bodmann, vergnügtesich auf der Jagd und feierte 833 in Bodmann Ostern. Karl der Dickewar 831 ebenfalls daselbst und als die Fürsten ihn des Thrones entsetzt,zog er in die Nähe des Bodcnsees, nach Neidingen, wo er am 13. Ja-nuar 888 starb. Sein Leichnam wurde auf der Reichenau begraben. Zudieser Zeit gelangten die Bischöfe von Constanz zu hohem Ansehen »ndwaren im Besitze großer weltlicher Güter. Sie hatten aber auch ihrerkühnen, hcrrschsüchtigen Bestrebungen wegen viele Angriffe zu leiden undmannichfache Fehden zu bestehen, ja Bischof Salomon III. wurde im Jahre914 von den Kammerboten Erchangen und Berthold auf einem Spazier-ritte ergriffen und nach der Dieboldsburg als Gefangener gebracht undverdankte nur Erchangcrs Gemahlin, Bertha, seine Freilassung.

Constanz gelangte nach und nach unter die Hoheit der Bischöfe, undSalomo III. war es, der nicht nur die Stadt mit Mauern umgab, sondernauch die ihm lehenspflichtigen Adeligen in die Stadt zog. So vermochteConstanz schon in der ersten Hälfte des zehnte» Jahrhunderts, den Einfäl-len der Ungarn erfolgreichen Widerstand zu leisten. Diese kamen nur nocheinmal nach der Bodenscegegcnd, wurden.aber 955 ans dem Lechfelde ge-schlagen und verhielten fortan sich ruhig. König Otto besuchte im I. 973mit seinem Sohne den Oberrhein, und kam auf seiner Fahrt auch nachConstanz, wo er seine» ehemaligen römischen Reifegefährten, den BischofKonrad von Welsen, besuchte. Auch König Konrad kam im Jahr 1924auf seiner Reise durch Schwaben hierher und bestätigte die Rechte derKlöster, und als der edle aber unglückliche Herzog Ernst von Schwabenim Kampfe wider seine Gegner gefallen, ward sein Leichnam in derMünster-Kirche beerdigt. Im Leben >vard ihm der Bischof feind, demTodten aber gewährte er eine friedliche Ruhestätte und nahm sogar denBann von seinem Haupte.

Durch die Bemühungen der Bischöfe, welche selbst prachtliebend warenund einen zahlreichen Hof hatten, blühend geworden, konnte Constanzhäufig zum Sitze von Reichstagen und geistlichen Verhandlungen dienen,welche zahlreiche Fremde hierher führten und das Aufblühen des Ortes

sehr beförderten. Kaiser Heinrich II. schrieb im Jahre 1043 einen solchenReichstag nach Constanz aus, und sprach hier selbst von der Redncrbühneaus zu Fürsten und Volk; auch kam derselbe Kaiser auf der Reise nachRom im Jahr 1046 wiederholt nach Constanz, und kehrte im April 1043wieder daselbst ein. Im folgenden Jahre wurde die Stadt auch vomPapst Leo IX. besucht.

Im zwölften Jahrhundert sah Constanz und die Bodenseegegend we-nig Neichshändel, obschon Kaiser Heinrich V. im I. 1112 einen Reichs-tag daselbst hielt. Dagegen erregte» die Kämpfe der Welsen und Gibel-linen auch in dieser Gegend Zwietracht und Haß unter den Geschlechter»und Städten. Friedrich Barbarossa zog im März 1153 an den See undhielt in Constanz einen Fürstentag, wo zwei italienische Bürger aus Lodivor dem Kaiser erschienen und Klagen erhoben wider die Tyrannei derMailänder. Darauf zog Friedrich nach Italien, auf seiner Rückkehr imNovember 1155 besuchte er aber Constanz wieder, und hielt im November1162 einen zweiten Zürstcntag in dieser Stadt. Lange noch dauerte derKampf i» Italien, und erst im Januar 1183 ward er geendet, als dergroße Kaiser in seiner treuen Stadt Constanz Gericht hielt, die italienischenStädte sich unterwarfen und der merkwürdige Friede» von Constanz ge-schlossen wurde, am 25. Tage des Junius im erwähnten Jahre 1183.

Als die Stadt wohlhabender geworden war, wurde ihr die Herrschaftder Bischöfe drückend und die Bürger bemühten sich, derselben ledig zuwerden. Kaiser Heinrich VI. sprach die Stadt sodann im Jahr 1192 vonallen Abgaben an den Bischof frei und Friedrich II. hielt hier 1215 einenReichstag. Das Jahr 1243 brachte ein großes Unglück über Constanz,das fast ganz ein Raub der Flammen wurde, was sich im Jahre 1250wiederholte, lim diese Zeit, es war im I. 1249 wurde ConstanzReichsstadt und König Wilhelm gab ihr 1249 eine Urkunde, worin erversprach, sie nie vom Reiche zu veräußern. Dadurch konnte die Stadterstarken, ihr Gemeinwesen kräftig ausbilden und eine freiere Stellungeinnehmen, so daß Handel und Gewerbe sich hoben u»d der Wohlstandsich zusehends mehrte.

Kaiser Albrecht besuchte Constanz nach dem Reichstage zu Nürnberg;bald darauf brachen daselbst heftige Verfolgungen der Juden aus. EinChrist sollte eine Hostie an einen Juden verkauft haben, und eine fanatischeMagd lief durch die Stadt und schrie: der Leib Christi wird von denJuden entsetzlich gemartert. Da fiel man von allen Seiten über dieseUnglücklichen her, schlug sie mit Beilen nieder, verbrannte zwölf, und er-säufte ebensoviele im Rheiue. Nur wenige edle Männer der Stadt nah-men sich der unglücklichen Leute an, und suchten sie zu retten; man schalt siedaher von den Juden bestochen, und ein Geschichtschreiber erzählt, sie hättenfortan kein Glück mehr gehabt, sondern seien frühe gestorben. Späterwiederholten sich diese Gräuelscenen noch mehrmals, aber groß und edelbenahmen sich die meisten dieser Juden, größer denn die Christen, welchedas Hauptgesctz ihres Glaubens, die Liebe und Duldsamkeit, so schmählichmit Füßen traten und am meisten sich selbst schändeten. Ein Jude, derwährend des Zudensturms zur Taufe genöthigt war, zündete hier im I.1349 sein eigenes Haus an, »ahm seine Kinder in den Arm, und zoges vor, als frommer Jude in einem Glauben zu sterben, der älter ist,als das Christenthum; ein Anderer fiel im Jahre 1390 vor dem Bürger-meister nieder und flehte ihn an, man möchte ihn verbrennen, weil erdas Judenthum verlassen und sich an Gott versündigt habe. Zur Schandeder Menschheit wurde ihm die Bitte gewährt und er am 20. Septemberöffentlich verbrannt!

Um diese Zeit begannen innere Währungen zu entstehe», zumeist we-gen des Uebermuths der edlen Geschlechter, welche die ersten Aemter derStadt inne hatten und den übrigen Bürgerstand bedrückten. MehrereFamilien wurden ausgctriebcn, sie suchten aber Schutz und Rache bei denbenachbarten Edlen, wodurch viele Verwirrung entstand, bis der Kaisersich tn's Mittel legte. Als Karl IV. .von Luxemburg zum Kaiser erwähltwurde, huldigte Constanz nicht eher, als bis er ihr zu Ulm ihre Freiheitenbestätigt hatte. Gleich darauf drang auch die Pest nach Constanz, und.als man die Juden für Urheber dieser Krankheit hielt, wurden wiederviele derselben lebendig verbrannt. Kaiser Karl erschien 1352 in derStadt, worin er sich sehr gefiel, und die zwei Jahre später Zeuge der