Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Für den öffentlichen Unterricht bestehen in Constanz mehrere Anstal-ten. Das Lyzeum mit einem Direktor und lZ Lehrern, zählte im Jahre>8"/,, >24 Schüler, worunter >1 evang., aber keine Ausländer. ImI. >838 war die Schülerzahl >54. Die höhere Bürgerschule, erst inneuerer Zeit errichtet, hat 4 Kurse und zählte in obigem Schuljahre 8lZöglinge, worunter >3 evangelische und >l Ausländer. Die Gewerb-schule ist für Handwerker bestimmt und hat einen Hanptlehrer und zweiZeichnenlehrer. Die Elementarschule zählt durchschnittlich 28» Schüler.Für die Mädchen wird der Unterricht im weiblichen Lehrinstitute Zofingenertheilt, das eine Vorsteherin und 7 Lehrfrauen enthält. Seit >822 istauch eine weibliche Arbeitsschule damit verbunden, welche der verstorbeneDomherr Freiherr von Roll stiftete. Zur Unterhaltung und Lektüre be-steht bei der Domkirche in einem neu eingerichteten Gebäude ein Mu-seum, worin Zeitungen und Zeitschriften aufgelegt sind und Bälle gege-ben werden. Auch ist in Constanz ein Stadttheater, worin von Zeitzu Zeit entweder von Dilettanten oder von wandernden Truppen gespieltwird. Das Lpzcum befitzt die Bibliothek des ehemaligen Jesuirenklo-sters mit mehreren Pergament- und Papierhandschriften, unter welcheneinige Klassiker und eine Libliaillec» puupeium ans dem >3. Jahrhundertzu erwähnen sind. Der ehemalige Visthumsverweser von Wessenberg hateine schöne Privatbibliothek und auch die Stadt besitzt mehrere schätzbareHandschriften, besonders von Ulrich von Reichenthal über das ConstanzerConcilium, von Bürgermeister Christoph Schultheiß acht Folianten Collec-taneen zur Geschichte, aus dem lk. Jahrhunderte; die handschriftlicheChronik von Bürgermeister Zündeli und Gregor Mangold, und eine altedeutsche Gesetzsammlung vom Bischosszeller Stadtschreibcr Andreas Frauen-lob, ein großer Pergamcnt-Folioband aus dem >5. Jahrhundert. Öf-fentliche Kunstsammlungen kann man in einer kleinen Provinzialstadt nichterwarten; dagegen besitzen einige Privatmänner bemerkcnswcrthe Kunst-schätze. Goldarbeiter und Antiquar Castel hat verschiedene Alterthümerund Gemälde; der Freiherr von Wessenberg mehrere ausgezeichnete Ge-mälde und Kupferstiche, darunter zwei Gemälde aus dem Pallast Barbe-rini: eine Modestia, die Correggio zugeschrieben wird, und ein Christusam Oclberge, aus der Bologneser Schule. Eine Schmerierlingssammlungvon 25»» Stücken und >»»» Gattungen besitzt der Stadtrath Lciner. AusConstanz sind schon verschiedene Künstler hervorgegangen, von welchen sichMaria Ellenrieder, Hug. Moosbrugger und Biedermann als Maler, undKnorr und Ahorn als Bildhauer besonders ausgezeichnet haben.

An Vereinen fast eine Mode unserer Zeit und Privatunterneh-mungen ist Constanz nicht arm. Des Museums mit 20» Mitgliedernhaben wir schon oben gedacht; außer diesem ist noch ein Bürgermuseumvorhanden, ferner ei» Gesangverein, landwirthschaftlicher Verein, Kleinkin-derschule, 2 Privaterziehungsanstalten, eine Sparkasse, Schützengesellschaft,Verein zur Beförderung des Klavicrspiels, Badegesellschaft, ein Auskunfts-bürcan und eine DampfschifffahrtsgesrUschast.

Für Arme und Kranke ist mehrfach durch Stiftungen gesorgt. Dasgroße Armenspital, 97V von Bischof Konrad gestiftet, jetzt in das ehema-lige Angustinerkloster verlegt, verpflegt gegen hundert Arme und vertheiltjährlich 625» Gulden an dürftige Familien. Die Magdalenenstiftung oderdas kleine Spital wurde >299 durch Bischof Heinrich von Klingenberg be-gründet, die Chorherr-Stürmische Stiftung rief der im I. >813 verstor-bene geistliche Rath Sturm ins Leben, und am Tage Mariä Lichtmeßwerden die Stiftungsgelder ausgetheilt. Sonst bestehen noch mehreremilde Stiftungen für Studierende, für Handwerker und die sogenannteErische für Mädchen, welche in das Kloster Zofingen treten wollen. EineArmenkasse, seit >792 vorhanden, wird alle Sonntage herumgetragen unddie dadurch erhaltenen Gaben werben an reisende Hanvwerksburschc undarme Lehrjungen vertheilt.

Hauptnahrungsquellcn für Constanz sind Handel und Schifffahrt,Künste, Gewerbe und Handwerke, sowie der Verdienst, welcher durch dievorhandenen Behörden und anwesenden Fremden entsteht. Es ist eineBuchhandlung mit Leihbibliothek, eine Kunsthandlung und lithographischeAnstalt, 3 Buchdruckercien und ein Antiquar vorhanden; ferner zählt man4l Handelsleute und Krämer, 2» Fabriken, einen Banquier, 5 musikali-sche Jnstrumentenmacher, tv Uhrmacher, 3 Apotheken, 5 Goldarbeiter,

2 Graveure, 3 Steindrucker, 2 Steinschneider, > Weinhändler, 4 Gärtner,l Gewehrfabrikant, 3 Bildhauer, > Büchsenmacher, 2 Kunstdrechsler,t Kupferhammerschmied, l Mechanikus, l> Lohnkutscher, 2 Regenschirm-macher, 2 Schiffbauer, 2 Schiffer, > Scidenfärber, 2 Spediteure und einZeugschmied, die vielen anderen Gewerbetreibenden nicht gerechnet. GroßeZitz- und Jndiennefabriken haben Gabriel Heroze, sowie David Macaireund Kompagnie. Früher war die Fabriksthätigkeit bedeutend größer. DenGrund dazu legte Kaiser Joseph II., nachdem er bei seiner Durchreise vonParis im I. >777 die Entvölkerung der Stadt sah, worin damals vieleGebäude leer standen. Als in jener Zeit in Genf Unruhen entstanden,zog eine Anzahl Manufakturisten und Fabrikanten nach Constanz, wo ihnenReligionsfreiheit gewährt und die Dominikanerinsel geschenkt, sowie Nach-laß der Personalsteuer auf 2» Jahre, zollfreie Einfuhr ihrer Effekten,Werkzeuge und fertigen Waaren und zollfreie Hin- und Herführung ihrerWaaren in den österreichischen Vorländern gewährt wurde. Es kamenUhrenmacher, Kleinodienfabrikanten und Manufakturisten, von welchen dieletzteren auf der Dominikanerinsel eine Jndienne-Druckerei unter Macairede Lor und Teissier errichteten. Die Uhren- und Bijouteriefabrik: RamanMelli, Nour u. Komp. erhielt die Erlaubniß, >6,»»» Uhren in acht Jah-ren nach Jnner-Oesterreich zu führen. Diese Fabrikation gedieh jedochnicht recht und wollte nicht aufblühen, woran die französischen Kriege unddie politischen Gestaltungen zu Anfang dieses Jahrhunderts hauptsächlichUrsache waren. Erst seit neuerer Zeit hat sich der Handel wieder gehoben,und sein Aufblühen datirt sich besonders seit dem Anschlüsse Badens anden Zollverein, der Errichtung einer Dampfschifffahrt und der Anlegungdes schönen Hafens. Die Regierung hat, um den Handel noch mehr zufördern, die Kreuzlinger und Paradies-Borstadt nebst dem Hafen von derZottlinie ausgeschlossen, unv dadurch dem Handel nicht unbedeutende Vor-theile gewährt.

Die hiesigen Wochenmärkte und vier Jahrmärkte sind sehr besucht undführen stets viele Schiffe aus den verschiedenen Uferorten des Bodensceshierher. Noch mehr Leben bringt jedoch die Dampfschifffahrt in die Stadt.Die bisherige Gesellschaft läßt gegenwärtig drei Dampfschiffe auf demBodensee und Rheine gehe», die Linoauer Gesellschaft hat zwei Schiffeund die Würtembergische Gesellschaft ebenfalls zwei, deren Fahrten sichüber den ganzen See erstrecken unv auch Schaffhausen mit Constanz ver-binden. Leider ist in den letztern eine Art Seekrieg auf dem friedlichenBodensee entstanden, indem die verschiedenen Gränzstaaten den fremdenSchiffen viele Schwierigkeiten in den Weg legten.

Es befinden sich gegenwärtig zehn Wirthshäuser, acht Schenk- undSpeisewirthschaften und fünf Bierhäuser in der Stadt. Von den ersterensind das Hotel Delisle von G. Raab in der Nähe der Post und des Lan-dungsplatzes der Dampfschiffe, der Gasthof zum Hecht mit schöner Aussichtund der Badische Hof an der Straße nach der Schweiz die besten; mitdem Adler ist die Post verbunden.

Die nächsten Vergnügungsorte und Spaziergänge von Constanz sinddas Gut des verstorbenen Grafen von Thurn, der Lorettoberg mit schönerAussicht, der Fürstenbcrg, der Gütle, Schäpfli unv die Promenade umeinen Theil des Stadtgrabens. Früher war es auch die Vorstadt Para-dies, wo die Turnierspiele geHallen wurden. Das Paradies ist eigent-lich ein Dörfchen mit 45 Häusern, 63 Familien und 3»» Einwohnern,welche von Gartenbau, Viehzucht und Fischerei leben. Bemerkenswerth ist,daß hier der Kretinismus gleichsam endemisch herrscht, was zum Theil vonden früher reichlich hier bestandenen stehenden Wassern und Sümpfen her-kommt. Von Petershauscn wird später noch gesprochen werden.

Schließlich sind noch die Behörden, welche in Constanz ihren Sitz ha-ben, zu nennen. Es sind dies folgende: Hofgericht, Kreisrcgierung desSeekreises, Katasterrevisorat, Wasser- und Straßenbauinspection, Bamn-spection, Obereinnehmerei, Domaineverwaltung, Bezirksamt mit Amts-revisorat, kathol. Dekanat, Phpsikat und Amtskasse, erzbischöfliches Deka-nat, Bezirksschulvisitation, Hauptzollamt, Bezirksforstei. Divisionskommandoder Gensdarmerie, katholische Stiftungsverwaltung und Postamt.

Nachdem wir also die Stadt in ihrer Gegenwart betrachtet, wendenwir unsere Blicke rückwärts, um zu sehen, wie dieselbe entstanden und un-