Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Constanz und der BKodenlee.

»:

Ä8>as wir bei den bisher beschriebenen badischen Städten hervor-gehoben habe» »nd unsere Aufmerksamkeit auf sich zog, das findet manin noch höherem Grade in Constanz vereinigt, nämlich : schöne Gegend,bemerkenswerthe Bauten und historische Erinnerungen, welche hier welt-geschichtliche Bedeutung haben, während sie in den früher genannten Or-ten blos der Provinzialgeschichte angehörten, und das Conftanzer Con-cilium von 1414 bis 1418 würde allein schon den Namen der Stadt un-sterblich machen, wenn auch sonst nichts Anderes von ihr zu berichte» wäre.

Da, wo im Nordwesten sich der See in zwei Theile scheidet, derNcberlinger See gegen Norden zieht und der Rhein auf einer kurze»Strecke aus dem See tritt, um in den Unterste zu eilen, liegt an der lin-ken Seite des Rheins »nd dem rechten User des Bodensee's und 26°50' t8" ö. L. und 47° 39' 45" nördl. Br. die Stadt Constanz, auchfälschlich Kostnitz genannt. An und für sich bietet die Stadt keinen schö-nen Anblick dar, da sie keinen Hintergrund hat, die Umgebung flach istund der See selbst charakterlos erscheint; aber groß und herrlich ist dieAusficht aus der Stadt selbst, wenn man auf dem Münsterthurme steht,und das Auge hinausschweifen läßt auf den Untersee mit der Insel Rei-chenau, hinter welcher die Burgen des Hegaus hervorragen, nach demUederlingersee milden alten Thürmen von Meersburg, und weiter hinaufüber das schwäbische Ufer und den großen Wasserspiegel des Bodeusees,an dessen südlichem Rande man Lindau und Bregrenz zu erkenne» vermagund über die nächsten Berge die höheren Schweizergebirge mit dem Sän-tis hervorragen.

Die Stadt Constanz besteht aus der eigentlichen Stadt und den dreiVorstädten Kreuzlingen, Paradies und Petershause», nimmt einen Flä-chenraum von 4000 Quadrat-Ruthen ein, ist in vier Quartiere eingetheilt,und hat noch aus früherer Zeit Stadtgräben und Ueberreste von Wällen.Sie enthält 936 Häuser, 1090 Familien und 6500 Einwohner, wornnteretwa 930 Protestanten; doch sind dabei auch die zu Constanz gehörigenHöfe und Gebäude Schneckcnburg, Weierhof, Sattlershäusle, Büttle, Frie-den und Hinterhausen mitgerechnet, welche nahe bei der Stadt liegen undetwa 90 Einwohner enthalten, während in der Vorstadt Paradies über300, und in Petershausen über 200 Menschen wohnen. Fast immer wohntauch eine größere Anzahl Fremder hier, der Gesundheit und des Vergnü-gens wegen, und früher befand sich in der Stadt auch eine Garnison, be-stehend aus dem dritten Infanterieregimente.

Die Stadt ist in vier Quartiere getheilt, hat 3 katholische »nd eineevangelische Pfarrei, und enthält viele alterthümliche und merkwürdigeGebäude. Ein schönes Denkmal altdeutscher Baukunst ist die Dom- odererste Stadtpfarrkirche, welche 1052 von Bischof Rumold erbautwurde, der das Geld dazu durch Ablaßgelder zusammen brachte. Sie istin Form eines Kreuzes erbaut; das hohe Gewölbe wird von 16 Säulengetragen, die 18 Fuß hoch und 3 Fuß dick find und nur aus einem Steinebestehen; dieselben stammen aus dem dreizehnten Jahrhunderte. Der ältesteTheil ist die Crppta unter dem Chor, jetzt in einen Weinkeller verwan-delt, welche auf 4 kurzen Säulen mit verschiedenartigen Kapitalem ruht.Auf der Westseite stehen zwei hohe, viereckige Thürme, die oben durch eineMauer und ein kleines Thürmchen für den Feuerwächter mit einander ver-bunden und mit eisernen Geländern eingefaßt sind. Der Altan gewährtdie oben erwähnte herrliche Aussicht. Diese Thürme waren einst viel hö-her, wurden aber, als sie am 21. Oktober 1511 bis zur Kuppel abge-brannt waren, wobei zehn Glocken zerschmolzen, nicht mehr so hoch er-baut. Zwischen den zwei Thürmen befindet sich der Haupteingang, wel-cher aus einem Borgewölbc und Portale besteht. Auf den eichenen Thor-flügeln des letztern ist die Leidensgeschichte Christi in schöner erhabenerArbeit, 1470 von Simon Bainder verfertigt. Außerdem enthält die Dom-kirche noch verschiedenes Sehenswerthe und mehrere Kapellen: die Kon-radskapelle, worin der heil. Konrad begraben lag, dessen Leib im Jahre1530 bei der Klosterstürmerei zu Constanz in den See rersenkt wurde, die

heil. Grabkapelle hinter dem Chor, mit einem römischen Steine, der zuWinterthur gefunden wurde, ein Saal hinter der oberen Sakristei miteinem großen, vom Astronomen I. Stöffler von Justingen verfertigtenHimmelsglobus und der Alterthumssammlung des Herrn I. N. Vincent,eine Kapelle mit Wandgemälden aus Martin Schön's Schule, ein Kaminund Lavatorium von künstlicher Arbeit und ein Altargcmälde aus derZeit Albrecht Dürer's in der unteren Sakristei; ein Altargemälde, dieKreuzigung Christi vorstellend, in der oberen Sakristei, die Schatzkammermit 2 Kirchenbüchern, die vortreffliche Miniaturgemälde enthalten; diekunstreiche ^ Wendeltreppe, die Welsersche Kapelle mit schönem Fries uuddas Seitenportal auf dem Münsterhof. Die Kirche enthält mehrereGrabmäler mit kunstvollen Bildhauerarbeiten; es sind davon zu erwähnen:das von Rob. Hallme, Erzbischof von Salisbury, der während des Con-ciliums starb, der Bischöfe Burkbard und Heinrich von Höwen im Krcnz-gang, Burkhard von Mandegg auf der rechten Chorseite, Otto III. vonHochberg in der Margarethenkapelle und Otto IV. von Sonnenberg inder Seitenkapelle. Die Kanzel wird von einem hölzernen Bilve getragen,das man früher für Huß hielt. Noch zeigt man mitte» in der Kirche dieSteinplatte, auf welcher dieser edle Mann degradirt wurde. In der Dom-kirche ist auch der unglückliche Herzog Ernst von Schwaben begraben.Die Sstephanskirche war früher die Kirche eines 831 von Bischof Sa-lomo III. gestifteten und >051 von Bischof Theoderich reformirten Kolle«giatstifts, und enthält gute Arbeiten des hiesigen Bildhauers Hans Mo-ring, aus der Zeit zwischen 1580 bis 1612. Die dritte Stadtpfarr-kirche heißt auch Spitalkirchc und gehörte früher zu dem im Jahr 1268von Bischof Eberhard II., Truchseß zu Walvburg, gestifteten Augustiner-kloster. Das Rathhaus ist von Wasser umgeben und stammt ausdem fünfzehnten Jahrhundert, wurde aber 1733 erneuert. Das Kauf-haus wurde 1383 erbaut, und diente während des hiesigen Conciliumszum Kardinalskonklave, worauf die über dem Portal in Stein gehauenelateinische und deutsche Inschrift sich bezieht, deren letztere also lautet:Dis ist das Hus des Frids unv Vergnügung, die mit der heiligen ka-tholische» Kirchen, in dem die unraine Arung dreier Baebsten usgerüt,und ainigkeit christlicher Gaistlichkeit durch die hailige» Erwehlung BabstMartinis des fünften befestiget ist. Vnn» i>j. »(.'(X'LXVII." DasHans, worin Huß ergriffen wurde, liegt in der Paulsstraße beim Schnctz-thore »nd enchält sein steinernes Bild. Die übrigen Gebäude, welche nä-here Betrachtung verdienen sind; das Malhaus, so genannt weil es von .außen gemalt war; das hohe Haus, 1293 von''Albrecht von Klingen er-baut; das Haus zur Katze, später adelige Zunft genannt, ist Wohnungdes Kunsthändlers Pecht, das ehemalige Dominikanerkloster auf der Gcnfer-insel, jetzt Jndienncfabrik von Macaire, mit schöner alter Kirche und demGrabmale des am >5. April 1415 hier gestorbenen byzantinischen Philo-logen Emanuel Chrvsoloras. Hier war auch das Gefängniß des JohannHuß, nur 3 Fuß lang, 4 Fuß breit und 6 Fuß hoch, mit Sitzblock nebstKettenring und einem einzigen engen Lichtloche. Die alte Pfalz ist großund merkwürdig, und bietet eine schöne Aussicht dar; sie,'enthält im oberstenStockwerke meisterhafte Wandgemälde, grau in grau. Das Hoffnerschc Ka-feehans am oberen Markt, mit der steinernen Inschrift: Giri» pocls Cu»--wiiiinc Xnnn 5I0I.XXXIII und vas Bommersche Haus mit der Aufschrift:Der Friedenshof des Jahres 1183 bildeten früher nur ei» Gebäuve; undist merkwürdig, weil Friedrich Barbarossa in demselben den bekannten Frie-de» mit den lombardischen Städten schloß. Die Brücke über den Rhein,welche Constanz mit seiner Vorstadt Petershausen verbindet, wurde im 12.Jahrh, zuerst erbant, später aber mehrmals zerstört, 1549 durch die Spa-nier, 1675 durch Fener und 1800 durch den französischen General Zlan-trailles; die jetzige wurde 1802 aus Holz erbaut, ruht aber auf steinernenPfeilern und ist in der Mitte mit der 1792 vom Mechanikus Balteschweilererbauten Mahl- und Sägmühle, Schleife, Lohestampse und Weißwalkeverbunden.