stellungen, römischen Kaisern und personificirten Tugenden.Schön aber sind die dabei angebrachten Arabesken. Die herr-liche Aussicht vom Schloßhügel lockt in der schönen Jahreszeitbeständig zahlreiche Spaziergänger hierher. Unter dem Schloß-Hügel breiten sich im Thale die Botzncr Wiesen und Maisfel-der aus.
Höchst interessant und des Besuches würdig ist auch dasunfern von Botzen befindliche Grödnerthal mit seinen kunst-reichen Einwohnern. Es erstreckt sich in einer Länge von sechsStunden, an manchen Stellen über eine halbe Stunde breit ander Gebirgsgränze von Enneberg, Buchenstein und Hassa amlinken Eisackufcr. Es ist vom reichsten Grün fruchtbarer Fel-der und Wiesen geziert und von zahlreichen Bächen durchschnit-ten und gewässert. Zierliche Häuser, weit umher zerstreut, ra-gen aus demselben hervor, groß und klein, hoch und niedrig,schön geweißt, die Fenster blank, die Thüren gelb oder grün,die Dächer roth. Die Einwohner des Thales, 3500 an derZahl, bearbeiten ihre Felder mit rastlosem Fleiße, da jedochihr Boden ziemlich karg ist, so mußten sie auf andere Erwerbs-mittel denken und da bot sich ihnen, jedoch erst in neuerer Zeit,die Bilderschnitzerei dar, die gegenwärtig zu einem solchen Um-fange gediehen ist, daß ihre Waaren sehr weit, selbst nach Ame-rika, versendet werden. Besonders günstig war der Umstand,daß ihre Wälder mit Zirbelnußkiefern bedeckt waren, deren Holzsich wegen seiner Weichheit und Vildsamkeit sehr zur Verarbei-tung eignet. Johann de Metz aus Schraut bei St. Ulrich fingzuerst l703 Vilderrahmcn zu schnitzen an; Anfangs ungczierte,später laubartig und muschelförmig geschnörkelte, die ihrer Neu-heit und Wohlfeilheit wegen bald sehr beliebt wurden. MehreThaleinwohner widmeten sich nach und nach dem nämlichen Ge-schäfte und es bildeten sich die Mannspersonen allmälig zumHandwerke heran, die den Grödnern eigene Regsamkeit undGeschicklichkeit that sich überall kund. Nun machten sie sich andie Schnitzung von Figuren zu Weihnachtkrippen, Crucifiren,Heiligenbildern, Spielwerkzeugen für Kinder, besonders Thierenaller Art. Der gute Absatz belebte die Thätigkeit des Volkes,die Vildschnitzcrci verbreitete sich rasch in alle Ortschaften desGrödnerthales und im Jahre 1750 stand bereits ein ganzesbildhaucndes Volk da. 1821 bewilligte Kaiser Franz, daß zuSt. Ulrich in Grödcn eine Zeichnungsschule errichtet und da-durch die zeitgemäße Fortbildung in der Kunst angeregt wurde.Zur Zeit der Entstehung kamen Kaufleute aus dem Ammergaunach Gröden, die Schnitzwaaren aufzukaufen und neue zu be-stellen. Bald aber eigneten sich die klugen Grödner den Han-del selbst zu. Junge Leute zogen damit in alle Welt, selbstnach Nußland und Nordamerika und machten bedeutende Ge-schäfte. Dadurch entstanden in Madrid, Barcellona, Lissabon,
Neapel, Palermo, Rom, Florenz, Genua, Modena, Verona, Vene-dig, Trieft, Gratz, Nürnberg, Brüssel, Petersburg und Philadelphiain Nordamerika und unzähligen anderen Orten Handlungshäuserdurch ausgewanderte Grödner. Ein anderer Zweig der Betrieb-samkeit ist die Spitzenklöppelei, womit die Weiber ausschließendbeschäftigt sind, winzige Mädchen von sieben und alte Mütter-chen von achtzig Jahren. Auch mit diesem Artikel wird einbedeutender Handel getrieben. Der in unglaublich kurzer Zeitso hoch gestiegene Wohlstand der Grödner und das Glück ihrerHandelschaft blieb indessen durch die wechselnde Zeit nicht unge-trübt. Die Bevölkerung mehrte sich zusehends, der Grundbesitzstieg im Werthe ungeheuer, auch waren die von weiten ReisenHeimkehrenden an bessere Lebensweise gewöhnt. Bald ent-wichen die reicheren Thalbcwohner in die Städte, in das Aus-land; der äußere Geldzufluß versiegte, nur armes Volk bliebim Thale auf schmalem Erdreiche zurück. Der Zirbelbaum, ge-dankenlos und ohne Vorsicht benutzt, fing an zn mangeln undging endlich fast ganz aus. Die neue Aussaat gehört einemanderen Jahrhunderte an und das Gedeihen derselben ist über-haupt zweifelhaft. Der Baum wächst schwer und langsam undfordert zu seiner Reife fast 180 Jahre. Man muß jetzt dasZirbelholz aus den benachbarten Thälern mit großen Kosten desAnkaufs und Transportes herbeischaffen. Man spart es dahermit der ängstlichsten Sorgfalt, nur das Allcrnöthigste wird dar-aus geschnitzt, für das Uebrige minder kostbares verwendet. In-dessen werden doch noch immer die Arbeiten rüstig fortgetriebenund auch der Gyps des Thales wird zur Verarbeitung gebraucht.Er ist von besonderer Güte und nimmt eine glänzende Polituran. Wöchentlich gehen noch immer im Durchschnitte fünf Kistenmit Schnitzwaaren aus dem Thale ab, jede im Werthe vonungefähr 150 Gulden, wodurch also die jährliche Versendungan 40,000 Gulden beträgt. In geschichtlicher Beziehung ist nochanzumerken, daß Grödcn einst in drei Gerichte vertheilt war.Der vordere Theil am rechten Ufer des Thalbaches, St. Ulrich,St. Jakob und St. Christian, zusammen 253 Häuser, gehörtenzum Gerichte Gufidaun; der vordere Theil am linken Ufer, näm-lich Pufcls, Nunggaditsch und Uebcrwasser mit 96 Häusern zumGerichte Kastclrutt und der Hintere Theil des Thales bildete dasGericht Wolkenstein, ein Lehen der Grafen Wollenstem-Trost-burg von der Grafschaft Tprol, bestehend aus 107 dieß- undjenseits des Thalbaches zerstreuten Häusern. In der neuerenZeit sind alle drei Gerichte an die Landesregierung übergegangenund somit Grödcn ganz und ungetheilt dem Landgerichte Kastcl-rutt zugewiesen worden. Zum Schlüsse die Bemerkung, daß inder Kirche zu St. Ulrich eine herrliche Madonna von Canovazu sehen ist.