Theologie, auch ist ihnen das städtische Gymnasium anver-traut.
Unter den weltlichen Gebäuden der Stadt ist zuerst dasMcrkantilamthaus zu erwähnen. Es liegt mitten unter denLauben, ist ein äußerst fester und geschmackvoller Bau und derSitz des städtischen Merkantilgcrichtcs. DaS Amthaus desStadtmagistratcs ist gut gebaut und enthält ein äußerst reich-haltiges Archiv aus der ältesten bis auf die neueste Zeit. Auchgibt es in Botzen ausgezeichnet schöne Privathäuser und Ge-mälde- und andere Kunstsammlungen.
Zu den Bildungsaustalteii der Stadt gehört vor Allem dieNormalhauvt- und Mustcrschule, bestehend aus vier Classenund einer Zeichnungsschule. Die Schul- oder sogenanntenFleckelschwcstcrn besorgen den Unterricht der Mädchen in allenLehrgegcnständen und der weiblichen Arbeit. Diese Ordens-schwestern leben seit ihrer Einführung 1712 nach der drittenRegel des heil. FranziscuS und nähren sich größtenihcils vonfrommen Beiträgen und der Arbeit ihrer Hände, welche letz-tere fast ausschließlich der Verfertigung des Kirchenschmuckesgewidmet ist. 1816 brannte ihr altes Wohngebäude ab; dieStadt kaufte das ebenfalls abgebrannte Nachbargcbäude dazuund stellte ihnen eine neue geräumige Wohnung her. Für ge-lehrte Bildung besteht seit 1767 ein städtisches Gymnasium miteiner gewählten Bibliothek und Mineraliensammlung. Für dieArmen der Stadt sorgt eine eigene Anstalt, auf eigenen er-worbenen Fond und auf jährliche Beiträge gegründet, mit ei-nem musterhaft eingerichteten ArbeitShause, in welchem jederArbeitslose, von den kleinsten Kindern bis zu den ältestenGreisen, beiderlei Geschlechts, in der großen, damit verbunde-nen Wollendcckcnfabrik seinen Kräften angemessene Arbeit fin-det. Dem geistigen Verkehre dienen zwei Buchhandlunge»;den Mangel einer öffentlichen Bibliothek ersetzen die zahlreichenBüchcrsammlungen einzelner Privaten, worunter einige sehrkostbare und vollständige zu finden sind. Im Gasthause zurKaiserkrone besteht auch ein reichausgcstattetes Lesekasino, wo-zu jeder gebildete Fremde ungehinderten Zutritt hat. Im Hin-teren Theile dieses Gasthauses befindet sich das städtische Thea-ter, nicht sehr groß, aber geschmackvoll erbaut und eingerichtet.Ein besonderes Interesse haben in Botzen sowohl für den Leib-haber und Naturfreund, als auch für den Botaniker, die schö-nen und zahlreichen Gärten, wovon einige mit Kunstanlagenund großen Gewächshäusern versehen sind. Mit den mannig-faltigen Erzeugnissen des einheimischen und ausländischen Pflan-zen- und Blumenwcsens wird auch ein lebhafter Handel ge-trieben, der sich jedoch größtcnthcils nur auf Tyrol beschränkt.Auch besitzen einige Privaten reichhaltige Mineralien- und Mün-zensammlungen. Der Handel ist durchaus blühend in Botzenund alle Gewerbe sind in vorzüglicher Thätigkeit, am wichtig-sten sind die Gerberei, Schönfärberei, Wachsbleiche, Kotzen-und Wollcndeckcnfabrikation.
Behörden bestehen in Botzen: Das Kreisamt an der Etsch,zugleich Direktorat der Gymnasien Botzen und Meran; dasCollegialgericht für die Kreise Botzen und Brunecken, zugleichCriminal-Uniersuchungsbehörde für den Etschkreis und C'ivilge-richt der Stadt Botzen; ein Landgericht zweiter Classe; derMcrkantilinagistrat, bestehend aus einem rechtskundigen Kanz-ler, einem alljährlich von der Kaufmannschaft aus ihrer Mittegewählten Consul mit zwei Rathen als Collcgium erster In-stanz, aus Consul und Räthen des abgelaufenen Jahres inzweiter und der Entscheidung der obersten Gcrichtsstelle in drit-ter Instanz; endlich der politisch-ökonomische Stadtmagistrat,zugleich als nächste Polizei-Behörde des Platzes; ein Post-,Rent-, Forst- und Mauthoberamt. Die geistlichen Angelegen-heiten verwaltet ein infulirtcr Propst, zugleich Vorsteher desDekanates Botzen im Vereine mit fünf ihm untcrgeordi ewnCoopcratorcn. Die Einwohner sind, wenige Ansiedler abge-rechnet, durchaus Deutsche. Das Elima ist im Ganzen sehrgesund, die Hitze im Sommer wohl bedeutend, aber keines-wegs unerträglich, wie einige auswärtige Schriftsteller behaup-le» wollen, nur ist die Stadt von allen Seiten dem Wind-zuge ausgesetzt. Daher plötzliche Abkühlungen und Erkältungenwohl gefährlich werden können. Unter dem Schutze einigerWimerbedeckungen gedeihen an der Morgenscite der Berge be-reits die edleren Früchte Italiens und eine vorzügliche Sorterothen Weines; in den Thälern der Maulbecrbaum, weshalb sichhier die beste Seidcnzucht in den deutschen Erbländcrn deS öster-reichischen Kaiscrthumes findet.
Die Umgebung von Botzen ist äußerst romantisch und mannigfach, manche Punkte derselben wurden bereits in früherenAufsätzen beschrieben. Einer der schönsten Spazicrgängc Botzensist der Weg nach dem Schlosse Haselburg oder Küebach.Man gelangt über Haölach dahin, welches mehre zierliche Häuser mit reichem Weingelände enthält. Von hier steigt mangemach den Wald empor zur Haselburg am Rande einer hoch-aufragendcn Felsenwand. Die wenigen noch vorhandenen Räumedieser Ruine dienen einer Pachtcrfamilie zur Wohnung und alsBewahrungsort von Futtervorräthen. Einst ein Eigenthum dermächtigen Eppane und mit den Schlössern jenseits der Etschzur Sperrung des Durchznges benützt, kam es nach dem Sturzedieses Geschlechtes au die Grafen von Tyrol, die es als Lehenan verschiedene adelige Familien verliehen, wovon die Erstensich von Hasclburg nannten. Nach ihrem Ansstcrben erhieltenes die Greifenstein, dann die Slarkcnbergcr, nach ihnen dieGrafen von Liechtenstein. Von diesen ging es an die Edlenvon Küebach über, die cö neu herstellten und verschönerten,weshalb es heut zu Tage gewöhnlich das Schloß Küebach ge-nannt wird. Gegenwärtig ist es Eigenthum der gräfl. FamilieSarnthein in Botzen. Für den Kunstfreund sind die Fresko-gemälde in den öden Räumen merkwürdig, alle aus der ver-derbten Gcschmacksperiode von 1666, mit mythologischen Vor