Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Der Standpunkt, auf welchem die Stadt gebaut ist, ist uneben,daher sind die Straßen und Gassen ziemlich enge zusammen ge-drängt, aber doch regelmäßiger als in den meisten andernStädten Tprols. Die Häuser sind sämmtlich aus Stein, größ-tcntheils von vier Stockwerken, sehr fest, aber etwas altmo-disch, nach Innen und Außen im italienischen Geschmacke auf-geführt. Von diesem rühren die häufigen Balcone, die sparsamangebrachten Fenster, die flachen Dächer und die Altane aufden meisten derselben her. Man zählt vier Plätze von Bedeu-tung, den Obstplatz, den Kornplatz, den Pfarrplay und denDrcifaltigkeitsplatz. Der erste, von geringer Breite, aber destolänger, ist dein Verkaufe der Küchcnbedürfnisse gewidmet. Ersteht vermittelst der sogenannten Lauben oder der schönen Arca-dcn zu beiden Seiten der Häuser an der Hanptgasse der Stadtmit dem Drcisaltigkeitsplatze in Verbindung. Unter diesen Lau-ben wimmelt besonders während der vier Jahrmärkte das regsteund mannigfaltigste Leben, die bunteste Fülle unermeßlichenWaarcnreichthums. Der Dreifaltigkeitsplatz, von einer einstdaselbst bestandenen Kirche der Dreieinigkeit also genannt, dientvorzüglich zu Ladungen und Fuhrwcrksgeschäften aller Art. DerKornplatz ist klein und unansehnlich, desto größer und schöneraber der Pfarrplatz. Er wurde in neuerer Zeit mit schönenGebäuden geziert. Der Musterplatz vor dem Wirthshausc zurKaiserkrone und der Domiuikancrplatz vor dem ehemaligen Klo-ster dieser Mönche endlich sprechen zwar nicht durch ihre Größe,wohl aber durch ihre Zierlichkeit an. Die Zahl der Gassenbeläuft sich auf 16; fast alle sind ziemlich geräumig, bis aufdie Fleischgassc, welche enge und unerfreulich ist. Alle Plätzeund Gassen der Stadt aber sind ncn und schön gepflastert,überall ist großer Wasscrrcichthum und die sogenannte Nitsche,das Rinnwasscr für den Wasch- und Löschgebrauch, strömt insteinernen Kanälen, die, ein Werk der ncnestcn Zeit, sich durchFestigkeit und Geschmack auszeichnen. Alle Wege um und ander Stadt umgrünt lachender Baumwuchs, zierlich gepflegt undunterhalten.

Zu den vorzüglichsten Merkwürdigkeiten der Stadt gehörtdie Pfarrkirche zu unserer lieben Frauen, die ihre Entstehungeinem wundcrihäligcn Madonncnbilde verdankt. Schon 1187wurde sie vom Bischof Salomo von Tricnt eingeweiht, im14. Jahrhunderte jedoch bedeutend vergrößert. Der ausgebauteThurm, ein Meisterstück gothischer Bankunst, wurde 1525 vol-lendet. Ein zweiter aber wurde nur bis zur Höhe des Kirchcn-daches geführt und dessen Ausbau unterblieb, wie bei so man-chen andern altdeutschen Kirchcngcbändcn. Der ausgebauteThurm enthält bis zur Glockenftube 276 Stufen, das Geläuteist gut gestimmt. Das Innere der Kirche macht durch dieGröße und Erhabenheit ihrer gothischen Formen einen erheben-den Eindruck. Sie ist die erste und schönste Kirche Tprols zunennen, enthält drei Schiffe, die durch riesige Säulen von ein-ander geschieden sind und sechs Altäre, worunter der Hochaltar

besonders kunstreich gebaut und mit einem schönen Altarblattevon Lazzaro Lazzarini geschmückt ist. Zwei schöne Bildsäulenaus weißem Marmor, die Apostel Petrus und Paulus, erhebensich rechts und links an demselben. Die Kanzel ist aus einemeinzigen Stein gemeißelt. In neuerer Zeit wurde diese altehr-würdige Kirche mit besonderer Sorgfalt durch ein herrlichesPflaster und schöne Vorhallen verschönert. Neben dieser Kirchesteht in geringer Entfernung eine andere zum heil. Nikolaus,gewöhnlich die alte Pfarre genannt, als welche sie in der Thatvor dem Baue der Liebfrauenkirche gedient haben mag. Oestlichvon dieser Kirche gegen die Eisack liegt der neue zierliche Got-tesacker, rings mit Arkaden eingefaßt und mit schönen undkunstreichen Monumenten geschmückt. Von der Pfarrkirche west-lich liegt das große und reich ausgestattete Spital, dessen vor-treffliche innere Einrichtung als Musteranstalt betrachtet werdenkann. Die Spitalkirche aber liegt tief und dunkel und enthältwenig Merkwürdiges. Etwas südlich davon steht das Kapuzi-nerklostcr mit der einfachen Kirche, 1696 erbaut, mit einemschönen Altarbilde, den heil. Franciskus vorstellend, angeblichvon einem Ordensbruder gemalt, mit unverkennbaren Spurender venetianischen Schule. Die Bibliothek des Klosters enthielteinst kostbare Werke, aber bei der Aufhebung des Klosters nachder französischen Besitznahme war ein Laienbruder so grausamorthodor, die nach seiner weise» Ansicht ketzerischen Bücher zuverbrennen, damit das Gift derselben nicht in die Hände derWelt gerathe, wodurch die schönsten und seltensten Werke zuGrunde gingen. Da das Kloster durch die Franzosen aufge-hoben und zn weltlichen Zwecken verwendet worden war, sokaufte es 1814 ein andächtiges Fräulein wieder zurück undüberließ es den unter Oesterreichs Schutze wieder auflebendenKapuzinern aufs Neue. Im Kloster befindet sich auch für des-sen Zöglinge ein theologisches Studium. Gegen die Talfer zustand einst das Kloster der Dominikaner, 1275 gegründet, dasdurch Kaiser Joseph II. aufgehoben, die Kirche in ein Maga-zin, das Wohngebäude in eine Caserne umgewandelt wurde,wobei manche kostbare Denkmale des Alterthums verloren gin-gen. Die Mönche dieses Klosters besaßen vor Alters eineweilbcrühmte Klostcrschule und unter ihnen gab es Meisterkünstlicher Handschriften, wie man noch im Ferdinande»»» zuJnnobruck eine lateinische Bibel auf Pergament vom 13. Jahr-hunderte aus ihrer Bibliothek zeigt, die an Schönheit Allesübertrifft, was inan von dieser Art sehen kann. Das Fran-ziskancrklostcr am Nordende der Stadt ist eines der ältestenKlöster dieses Ordens in Tprol. Die Kirche wurde schon 1340eingeweiht und enthält schätzbare Gemälde. Das Kloster istgroßartig gebaut, besonders schcnswcrth der große Saal imersten Stockwerke, der einem Nittcrsaale gleicht, weshalb auchdie Sage geht, das Gebäude sei aus einem uralten Ansitze derTempelritter entstanden. Die Väter des Ordens lehren hierfür die Zöglinge desselben die zwei ersten Jahrgänge der