Stadtgebietes und Bischof Bcrnard, der klug berechnende Staats-mann, gab alle Ansprüche auf Botzen auf und erhielt dagegen1531 die Herrschaft Pergina für sein Hochstift und von denEinwohnern von Botzen eine jährliche Küchenstcucr. Aus die-sen wechselseitigen, sich durchkreuzenden Ansprüchen und Rechtenwaren im Verlaufe der Zeit drei Gerichte entstanden: DasStadtgericht Botzen, auS acht Vierteln bestehend, von KaiserHeinrich V. bis 1462, in welchem Jahre es an den Landes-fürsten überging. Das Gericht Gries, sechs Viertel und einigeParzellen enthaltend, stets landcsfürftlichcs Eigenthum. Drit-tens die Wangergafsc, heut zu Tage Brüdergassc, ihrer ganzenLänge nach mit allen angränzenden Gütern und Gärten, einBesitzthum der Freiherren von Wangen. Eben so getheilt wa-ren die Zollansprüche und Rechte. Der Graf von Tprol er-richtete zwei Zölle, wovon die Freiherren von Wangen aucheinen beträchtlichen Antheil hatten. Der Bischof von Trienthatte seinen Zoll an der Brücke von Sigmundskron, welcher späteran die Ritter von Firmian verpfändet wurde. Ungeachtet dieserTheilung und der mannigfachen Bedrückungen blühte die StadtBotzen doch zu einem weltberühmten Handelsplatze empor, derdie Schätze Italiens und des Morgenlandes nach Deutschlandund dem höhern Norden versandte. — Dadurch entstanden dievier berühmten, von unzähligen Kaufleuten deutscher und wel-scher Nation besuchten Jahrmärkte auf Kosten von Mcran undTrient, der Mittfastcn- und Aprilmarkt 1624 durch die Gunstder Bischöfe von Trient; der Frohnleichnams- und Andreas-markt durch die gesunkene Macht der ehemaligen Residenz Me-ran. Margaretha Maultasche ertheilte denselben die ersten Vor-rechte und Begünstigungen, die durch Maximilian I. und Karl V.ansehnlich vermehrt und 1635 von der Erzherzogin Claudia,Gemahlin des Erzherzogs Leopold, Bruder Ferdinand II. feier-lich bestätigt wurden. Eins der vorzüglichsten Marktrechte Bo-tzens ist die Gewähr eines eigenen Markt- und Mcrkantilma-gistrates nach besonderen Marktstatuten von den Jahren 1635und 1718, um die Rcchtsverhandlungcn zwischen den Kaufleu-ten zu schlichten. Durch alle diese Begünstigungen stieg derReichthum und die Macht der Stadt ungemein. Aus allen Ge-genden der Stadt strömten Gewinnlustige mit ihren Capitaliendaselbst zusammen; selbst der benachbarte Adel kaufte Bürger-häuser, um den reichen Kaufherren das Gegengewicht zu hal-ten, so wie andererseits einzelne Bürgerfamilien z. B. die Wan-gen, Vintler, Votschen und Andere sich zu den ersten Adclsge-schlcchtcrn emporschwangen. Die Stadt selbst nahm die Gestalteiner großen Festung an, um den aufgehäuften Reichthum ge-gen die Raubgier der Zeit zu sichern. Sechs Thore mit star-ken Thürmen, von eigenen erblichen Besitzern gehütet, bewahr-ten den Eingang in dieselbe und kühne Mauern schirmten sievon allen Seiten. Kein Unglück, deren die Stadt manches be-traf, vermochte den Aufschwung derselben zu hemmen. So ka-men z. B. 1338 unermeßliche Heuschreckenschwärme von Nord-
osten über Oesterreich und Ungarn nach Tyrol. Sie erreichtengegen Ende August Botzen und ihr vcrdcrbenvoller Besuchwährte über 14 Tage. Alle Aecker- und Gartenfrüchte wur-den vernichtet, »nr die Weingärten blieben, wie überall, ver-schont. 1346 erneuerte sich dieser unheilvolle Besuch. Den22. Juli 1221 wüthete eine Feuersbrunst mit solcher Gewaltin Botzen, daß alle Häuser und Kirchen, selbst die in einigerEntfernung von der Stadt, in Schutt und Asche gelegt wur-den und 1566 Menschen ihr Leben dabei einbüßten. Zum An-denken an diesen Unglückstag wurden eine feierliche Processionund gemeinschaftliche Gebete für die Seelenruhe der Verunglück-ten eingeführt. In den Jahren 1291, 1443 und 1531 crcig-! neten sich ähnliche Mißfälle, die jedoch nicht so allgemein und! verheerend waren. 1331 entstand eine furchtbare Erdcrschütte-^ rung; der Thurm am Wendelstein, der neben der Pfarrkirchei stand, wurde dadurch aus seinen Fugen gebrochen und oberhalbSt. Oswald löste sich dadurch eine unermeßliche Stcinmasse und! stürzte vom Gebirge herab. Noch fürchterlicher war die Er-schütterung im Jahre 1348. Der Thnrm in der Wangergafscbei der heil. Dreifaltigkeitskirche wurde eine Elle breit gespalten,viele Gebäude in ihren tiefsten Grundfesten erschüttert und un-haltbar gemacht. Unter den mancherlei Pestseuchcn, welcheBotzen verheerten, ist vorzüglich jene von 1566 1567 anzu-führen. Die Sterblichkeit war allgemein, die Priester selbst ent-flohen aus der Stadt, nur die Franziskaner trotzten mit christ-lichem Heldenmnthe dem Tod. Aber über alle diese mannig-faltigen Unglücksfälle siegte der städtische Handelsgeist; nachjeder Niederlage blühte die Stadt wieder herrlicher empor.Selbst die französischen Kriege berührten Botzen bei Weitemnicht so verderblich als andere tyrolische Städte. General Jou-bert war der Erste, der sie 1797 feindlich betrat, aber auchihm flößte sowohl die muthige Entschlossenheit als die Bildungder Einwohner Ehrfurcht ein und er behandelte sie weit güti-ger, als es unter andern Umständen wohl geschehen wäre. Inden folgenden Franzosenkriegen, besonders in, Jahre 1869,nahm Botzen durch Rath und That den ruhmvollsten Antheil,sich der Fremdherrschaft zu erwehren. 1816 wurde sie zu demTheile Tprols geschlagen, der dem Königreich Italien ein-verleibt wurde. Als Handelsplatz an den äußersten Gränzendes italienisch-französischen Reiches blieb sie in voller Blütheder Thätigkeit und des Gedeihens. Die Herstellung der altenOrdnung führte 1814 auch Botzen wieder an Oesterreich zu-rück. Die Märkte, dieses Mark des städtischen Lebens, sindgegenwärtig durch die veränderten Handelswcgc zwar nicht mehrso blühend, als zur Zeit wo Venedig, als die Königin derMeere, die Schätze des Orientes dem Abendlande mittheilte,demungeachtet aber noch immer sehr bedeutend. Besonders hatin der neuesten Zeit der Speditionshandcl wieder einen neuenAufschwung genommen.
Botzen hat 1666 Häuser mit ungefähr 9666 Einwohnern.