Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Werthe beraubt wurde, hat ein äußerst merkwürdiges Portal,das aus dem l 1. Jahrhundert herrührt und i» schönen Ge-bilden den Sieg des Christenthums über das Heidenthnm darstellt.

Ursprünglich war das Schloß Tyrol sloriolis) bestimmt,die Nömerstraße dieser Gegend und die Bcrgvcrbindung überden Jausen zu beschützen. Viele hier aufgefundene Nömermün-zen bestätigen diese Angabe, so wie viele aufgegrabene Men-schengcbeine in der Umgebung auf Kampf und Tod um dieMauern des Schlosses deuten. Später wurde die Burg Sitzder fränkischen Gaugrafen, aus denen die Grafen von Tyrolerwuchsen. Bis 1363 blieb sie die ordentliche Residenz dertyrolischen Landesfürsteu. Nach der erfolgten Uebcrgabc Ty-rols an Oesterreich bewohnten es die Burggrafen und Landes-

hauptleute. Gegen das Ende des 16. Jahrhundertes übersie-delten auch diese nach Innsbruck. Im Jahre 1868 wurde dasSchloß von der bayerischen Regierung an den Meistbietendenverkauft. Die Stadt Mcran löste eS 1814 wieder ein undstellte es dem Kaiser Franz zu Handen. Von der ältesten Zeitan galt die Burg Tyrol als das Herz des Landes, als Einheilspunkt der verschiedenen tyrolischen Volksstämmc, daher infrüheren Zeiten der Grundsatz:Keiner ist Landesfürst in Ty-rol, außer im Besitze des Schlosses Tyrol." OesterreichsHerrscher betrachteten es auch nach dem Verluste der eigent-lichen Habsbnrg, als eines ihrer edelsten Kleinode, vom tapfe-ren Volke umwohnt, das durch Treue gesühnt, was die Schwei-zer verbrachen.

Die Ktadt ZKotzen in Tyrol

mit ihren Umgebungen, Schloß

!^vtzcn, italienisch Bolzano, ist der Hauptort des Etsch-krcises in Tyrol, am Zusammenflusse der Etsch, Eisack undTalfer in einem Gebirgskessel. Sie ist auch, ihrer günstigenLage wegen, die erste Handelsstadt Tyrols. Von drei Seitenist sie von steilen Porphyrwänden eingeschlossen, die in den groß-artigsten Formen jedes Auge anziehen; westlich breitet sich bisSigmnndskron, Tcrlan und Leifers, eine der größten und schön-sten Ebenen Tyrols aus, unter dem Namen Botzcnerboden be-kannt und größtentheils mit Reben, an den Stromgebieten abermit Mais bepflanzt, der hier eine riesenhafte Größe erreicht;dann mit weiß hervorleuchtenden Häuschen für Arbeiter besäet,nit unzähligen Gräben für Bewässerung und Trocknung desErdbodens durchschnitten, rings auf allen Vorsprüngen derGebirge von den ältesten Burgen Tyrols bekränzt, in welchenviele Nebenbuhler der Grafen von Tyrol um die LandeShcrr-schaft kämpften.

Botzen ist als Stadt wahrscheinlich ostgothischcn Ursprun-ges. Schon im Jahre 14 vor Christus erschien Drusus, Stief-sohn des Kaisers Augustus, in dieser Gegend und erfocht hierim ersten Zusammentreffen mit den rhätischen Völkern einenglänzenden Sieg über dieselben. Von dieser Zeit blieb es biszur Völkerwanderung unter römischer Herrschaft. Die Ostgo-then, welche den Römern im Besitze dieses Landcstheiles folg-ten, zerstörten die römischen Festungswerke in dieser Gegendund erbauten an ihrer Stelle Burgen nach ihrer Art, unterderen Schutze sich das jetzige Botzen erhob. Aber bald wurdensie von den Longobarden verdrängt, deren Herrschaft wiedervon kurzer Dauer war. Die wilden Schaaren der Bojcr er-oberten Tyrol und Botzen wurde der Sammel- und Waffen-platz in den beständigen Kriegen gegen ihre südlichen Nachbarn.Im Jahre 686 erscheint Botzen das erste Mal als Sitz eineskaiserliche» Gränzgrafen, den Alachks, Herzog von Trient, be-

Knebach und das Gröderthal.

kriegte und überwand. Diese Gränzgrafen waren aus demGeschlechte der Welsen, man nennt sie als Stammväter dernachherigen mächtigen Grafen von Eppan und Seitcnverwandteder noch jetzt blühenden Grafen von Welsberg. Sie warenAnfangs bloß auf bestimmte Zeit zur Gränzhut erwählt, wan-delten sich aber bald in erbliche Markgrafen und Besitzer derStadt und des Gebietes von Botzen unter bayerischer Oberho-heit »m. Bald wurden die Bischöfe von Trient lüstern nachdem schönen Besitzthum der aufblühenden Stadt. Bischof Geb-hard war auch 1136 so glücklich, den Grafen Friedrich vonEppan aus der Stadt auf seine Burg Hocheppan zu verdrän-gen und jene unversöhnliche Ahnenfeindschaft zwischen Trientund den Grafen von Eppan anzuregen, die nach langem undverderblichen Zwiespalt mit dem Sturze der Letzteren endigte.Die steigende Macht der Grafen von Tyrol machte sich nunauch auf Botzen durch die Erwerbung einiger Gerechtsame gel-tend. Seit 1268 hielt sein Schultheis offenes Gericht vor derFrauenpfarrkirche. Dadurch wurde zum nachherigen Gerichteder Adeligen oder der sogenannten Landeshauptmannschaft ander Etsch der erste Grund gelegt. Die Nichter des Bischofsvon Trient sprachen in einem daneben liegenden Gebäude Recht.Meinhard II. war mit dem Gerichte der Adeligen nicht zufrie-den, er forderte vom Bischof von Trient den Besitz der Stadtzurück. Als sich die Einwohner jedoch gegen den neuen Herrensträubten, so zog er 1277 im Sturme gegen sie, warf alle ihreThürme und Mauern nieder und überschwemmte das Stadtge-biet mit den losgebundenen Wogen der Talfer und Eisack.Aber sein frommer Sohn, der schwache König Heinrich vonBöhmen, gab die errungenen Rechte über Botzen wieder andas Hochstift zurück, ohne daß jedoch der Streit um die Stadtganz aufhörte. Herzog Sigmund bewirkte endlich durch seinfestes und beharrliches Auftreten 1466 die Zurückstellung des