Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Tyrols, zog. Für diese unberechenbaren Verluste waren dasenglische Fräulcinstift und das städtische Gymnasium am An-fange des 18. Jahrhundcrtes der einzige kleine Ersatz, welcherverhinderte, daß die einst so berühmte Stadt nicht ganz zumoffenen Dorfe herabsank. Im Jahre 1762 brach im benach-barten Mais ein Bauernaufstand aus, veranlaßt durch die be-fohlene Auswechselung des bisherigen Geldes und setzte dasVermögen aller Wohlhabenden in Gefahr. Doch endigte derEmpörungsvcrsuch bald durch die Gefangennchmung der Rä-delsführer, ohne in der Stadt selbst Wurzel zu fassen. DieKaiserin Maria Theresia wollte den gesunkenen Wohlstand derEinwohner durch die Errichtung eines KreiSamtcs wieder he-ben. Dieses bestand jedoch hier nur von 1754 bis 1786, inwelchem Jahre es Kaiser Joseph »ach Botzen übersetzte. DieFranzosenkriege hatten ebenfalls verderblichen Einfluß auf dieStadt. Im Besitze Bayerns fand Mcran jedoch wichtige Vor-theile durch den Weinabsatz nach Bayern, welche sie 1814durch die Sperrung der bayerischen Gränze und die Einfuhrder italienischen Weine wieder verlor. Dadurch wurde derWerth des Besitzes und Erträgnisses fast um die Hälfte ver-ringert und eine Anzahl von Ganteröffnungcn veranlaßt, wiein kein.m andern Theile Tyrols. Erst seit einigen Jahrenhat das beständige Schwanken des Besitzes nachgelassen. Inneuester Zeit wurde durch einen erleuchteten Prinzen des öster-reichischen Hauses der alte ehrwürdige Titel eines Grafen vonMeran wieder ins Leben gerufen. Der vcrehrungswürdige Erz-Herzog Johann legte denselben nämlich seinem erstgeborenenSohne bei und es wurde ihm ein Landstrich in dieser Gegendüberlassen, dessen Hauptsitz das alte Schloß Schcnna oderSchöna ist, von dem in der Folge ausführlicher die Rede seinwird. Die Lage von Mcran öffnet von allen Seiten die herr-lichste Ansicht. Aus dem Rücken des Mittclberges liegt dasDorf Tyrol mit den Trümmern der Brunnenburg, darüberdas Hauptstammschloß Tyrol in stolzer Majestät, ihm zur Seitedie alte Pfarre St. Peter mit Schlosse Durnstein ob dem Pfarr-gcbicte Algund, geschlossen und bcgränzt von dem hochlicgendcnPartschins. Die Muttspitze erhebt sich kegelförmig zum Schutzegegen die Nordstürme empor, welche die südlichen Gärten be-drohen. Westlich breitet sich der Berg von Marling aus, mitseineit zerstreuten Maicrhöfen. Oestlich blüht die burgenreicheGegend von Obcrmais im sanften Aufstiege bis in die Korn-gcsilde von Schöna und Frcibcrg mit den Schlössern Laders,Fragsburg und Katzenstcin, Laien und Schöna, darüber dasKirchlein Katharina in der Schart, von hohem Gebirge über-ragt. Die Stadt schmiegt sich an den Vorsprung des Küchel-bergcs und besteht aus zwei Hauptgassen, die sich in der Formeines lateinischen KrcuzcS durchschneiden. Die größte, odersogenannte Laubcngasse ist zu beiden Seiten der Häuser mitArkaden versehen, in welchen Sitze oder sogenannte Batrcicnangebracht sind, zur gesellschaftlichen Abendunterhaltung oder zurAusstellung der Feilschaften, besonders zur Marktzeit. Sie wird

an ihrem untern Ende von einer Quergasse durchschnitten, dieman den Rennweg nennt. Zwei Plätze von geringem Umfangedienen verschiedenen Zwecken, der Kornplatz an der Mitte desNcnnwcges und der vor Alters zum Gemüse- und Obstverkaufebestimmt gewesene Sand vor dem jetzigen PostHause mit einerschönen Bildsäule der heil. Jungfrau. Vier Thore, von denRichtungen des Weges nach Mais, Passayr, Vintschgau undUlten zugcnannt, führen in die Umgegend. Die Ringmauern,einst den feindlichen Anfällen gewachsen, verschwinden immermehr vor den Bedürfnissen des Anbaues und der Bequemlich-keit. Vor den Uebcrschwcmmungen des Passcrstromcs ist dieStadt durch eine gewaltige Mauer geschützt. Diese sogenannteWasscrmaucr, mit vielen Pappeln besetzt, und mit einzelnenBrücken versehen, gewährt Spaziergängern hinlänglichen Raumzur Bewegung.

Unter den Gebäuden der Stadt verdient vor Allen diePfarrkirche erwähnt zu werden. Sie ist im gothischen Styleerbaut. Der Thurm, welcher auf einem einfachen Bogen ruht,ist der höchste in Tyrol und ein Meisterstück der Baukunst.Er enthält sieben wohlgcstimmte Glocken mit Gemächern fürzwei Thurmwächtcr und bietet eine herrliche Fernsicht. DieKirche enthält fünf Marmoraltäre neuerer Arbeit. Das Hoch-altarblatt, die Himmelfahrt Maria's vorstellend, sowie jeneder zwei Seitenaltärc, sind von dem nicht unrühmlich bekann-ten Knollcr. Auch enthält die Kirche noch die Bildsäulen derApostel Peter und Paul und an der äußeren Kirchenmaucr eingroßes Crucifir. Auch ist die Spitalkirche mit einem herrlichenPortale, altdeutschen Gemälden und Glasmalereien schcnswcrth.An sie gränzt das Armen- und Krankenhaus, das sehr ansehn-lich dotirt ist. Am entgegengesetzten Ende der Stadt stehenKirche und Kloster der Kapuziner, deren Priester die gewöhn-lichen Prediger in der Pfarrkirche sind. Am Kornplatze standdas Kloster der Clarisserinnen, das 1782 aufgehoben und welt-lichen Zwecken gcwiomct wurde. Das Gymnasium wird durchBenedictincr aus dem Stifte Marienbcrg besorgt und sein Ge-bäude ist eines der schönsten und zweckmäßigsten im ganzen Lan-de. Die Zahl der Studenten bcläuft sich auf 120-140, derenviele auch aus dem angrenzenden italienischen Tyrol kommen,um hier Deutsch zu lernen. Dem PostHause gegenüber befindetsich das Stifthaus der englischen Fräulein. Unter den welt-lichen Gebäuden nimmt vor Allen daS alte Kclleramt in derLaubcngasse die Aufmerksamkeit in Anspruch. Einst die Restdenz der Landesfürsten, wenn sie in Meran verweilten, späterder Wohnsitz der ersten Beamten der landesfürstlichen Gcfällc,kam dasselbe Anfangs dieses Jahrhundertcs an die FürstenThuen und Taris zur Entschädigung für die ihnen abgenomme-nen Posten in Altbaycrn. Rückwärts steht eine alte Kapelle,in welcher Margaretha die Maultasche mit Ludwig von Bran-denburg getraut wurde, in der Sacristci befinden sich noch vor-zügliche Wandgemälde aus dem Zeitalter dieser Fürstin. Fürden Jngendunterricht bestehen in Mcran eine Stadtmädchen-