Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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FW eran in T v o l.

«^iese alte historisch berühmte Stadt, einst der Sitz eineseigenen Fürstengeschlechtes und der Landesregierung, liegt miteiner Bevölkerung von 2321 Seelen in 215 Häusern an derPasser, eine Viertelstunde oberhalb ihrer Einmündung in dieEtsch, hart am Fuße des Gebirges, auf welchem die Burg Ty-rol liegt und war bis zum Abzüge der Margaretha Maultaschedie Residenz der Landesfürsten. Sie liegt gerade im Mittel-punkte des Landes. Die Stadt erscheint zuerst in einer Ur-kunde vom Jahre 857 und verdankt ihr Emporkommen demNaiferbergsturze, welcher die aus der römischen Mansion auf-geblühte Stadt Maja im Anfange des 9. Jahrhundcrtcs be-deckte. Sie wurde der Sitz der Gaugrafen, welche die Ka-rolinger, später die deutschen Könige in's Gebirge setzten,aus denen bald erbliche Herren wurden. Als solche erscheinenzuerst die Grafen von Andechs im 12. Jahrhundertc. Als mitOtto II. dieser Stamm ausstarb, erbte Albrecht, Graf von Ty-rol, des Ersteren Schwiegersohn, dessen Besitzungen und ver-einigte sie mit seinem Stammgute. Dadurch wurde zu einerselbstständigen Grafschaft Tyrol der Grund gelegt, die unterseinem Schwiegersohne Meinhard I. und unter dessen SohneMeinhard II., Grafen von Görz und Tyrol, von allen übri-gen Herren des Landes anerkannt wurde. Die Anwesenheitder Landcsfürsten auf den Burgen Tyrol und Zenobcrg beför-derte das Aufblühen der Stadt Meran ungemcin. Das Stadt-spital, die Münze, das Kellcramt, als der Ort fürstlicher Hof-haltung bei allen feierlichen Gelegenheiten und die Stiftungdes Klosters der Clarisscrinnen stammen aus dieser Zeit. Un-ter Heinrich, dem jüngsten Sohne Meinhards II., der zumKönig von Böhmen erwählt worden war, wurde 13101335die Pfarrkirche gebaut und die Stadtordnung schriftlich festge-stellt. Die Stadt wurde mit großen Freiheiten und Vorzügenjeder Art begünstigt. Sie bildete die Vorhut des SchlossesTyrol, den festen Kern der ringsum liegenden zahlreichen Bur-gen und Edelsitze, den Einheitspunkt des öffentlichen Lebensim Gebirge, den Sammelplatz der tyrolischen Landtage undwurde deshalb von den Fürsten mit großer Vorliebe gehegt undgepflegt. Auf dem daselbst 1341 gehaltenen Landtage wurdeder Gemahl der Margaretha Maultaschc, Johann von Luxem-burg, von den Landesherren als eheunfähig verworfen und anseine Stelle Ludwig von Brandenburg als künftiger Gatte derFürstin gewählt. Der Vater des Letzteren, Ludwig der Bayer,eilte mit seinem Sohne und großem Heeresgefolge hierher,feierte den 10. Februar 1342 den Handschlag und Letzterer amnämlichen Abende auf dem Schlosse Tyrol das Beilage?, wor-auf zu Meran die Huldigung und die Bestätigung der Landes-freiheiten erfolgte. Die deshalb entbrannte Rache der Luxem-burger verwandelte die Stadt 1347 nach vergeblicher Belage-

rung des Schlosses Tyrol in einen Aschenhaufen, wofür sievon Ludwig, nachdem er seine Feinde besiegt hatte, auf sechsJahre Befreiung von allen Steuern und Abgaben erhielt. Nachder Uebergabe Tyrols an Oesterreich 1363 kam Herzog Ru-dolph IV. in Person nach Meran und nahm daselbst die Erb-huldigung an. Leopold IV. ließ die Ringmauern wieder her-stellen. Friedrich mit der leeren Tasche gab der Stadt dasVorrecht, jährlich drei oder vier Rathsbürgcr für das Amt ei-nes Landrichters vorzuschlagen, ans denen der Burggraf vonTyrol einen zu wählen und zu bestätigen hatte. Sein unglück-liches Anschließen an Papst Johann XXIII. fand ebenfalls zuMeran statt und nach seiner Entweichung ans Costnitz kam ihmin dieser Gegend die beste Unterstützung, die herzlichste Auf-nahme entgegen, die er, wieder zur Herrschaft gelangt, mitvielen neuen Freiheiten belohnte. Diesen Zeitpunkt kann manals den Wendepunkt des Glückes von Meran betrachten. 1419brach der See im Thale von Passeyr aus und drängte einesolche Wassermasse in die Etsch, daß ein Theil Merans sammtdem Spitale zerstört wurde, 400 Menschen sollen dabei dasLeben eingebüßt haben. Unter Friedrichs Sohn und Nachfolger,Sigmund, wurde das Spital auf landesfürstliche Kosten wie-der hergestellt. Der Engadeincrkrieg im Vintschgau blieb eben-falls nicht ohne verderbliche Wirkungen auf Meran. DieSchweizer wurden 1498 mit großem Verluste aus dem Landevertrieben. 1499 brachen sie jedoch aufs Neue über Münsterund Martinsbruck in Tyrol ein; es erfolgte die blutige Schlachtbei Mals zum Nachtheile der Tyroler, und der Feind wüthetenun furchtbar in dem Lande. 1503 und 1512 hatten furcht-bare Ucberschwcmmungen der Passer statt und fügten der Stadlunermeßlichen Schaden zu. Die NeligionSstürme fanden auchhier, besonders in den Gebirgen, großen Anklang. Meranwurde zum Herde der Aufregung in diesem Landestheile; 5000Bauern plünderten das Kloster der Clarisscrinnen, verjagtendie Nonnen und erbrachen die umliegenden Gotteshäuser. Dasfolgende Jahr kam jedoch der tapfere Georg von Frcundsbergund warb das schweifende Gesinde! für den Krieg in Italienan. Mit den protestantischen Predigern machte der Magistratkurzen Proceß und nach dem einer derselben enthauptet wordenwar, ließ der Schwindel für immer nach. In der Mitte des17. Jahrhundertes wurde durch spanische Truppen die Pest ausItalien hier eingeschleppt, welche viele Menschen dahinraffte,und nicht wenig dazu beitrug, das Unglück der Stadt zu vollen-den. Sie hatte nach und nach die Anwesenheit der Fürsten,die Abhaltung der Landtage in ihren Mauern, die Jahrmärktedurch neueröffnete Landstraßen in den Tyrolerbergen, die Münz-stätte, die nach Hall verlegt worden war, und den zahlreichenAdel verloren, der sich nach Innsbruck, der neuen Hauptstadt