Körnchen 1 und in Mähren 12, die von Mai bis October anverschiedenen Tagen nach Maria-Zell wallfahrten. Die Wall-fahrt der Wiener hat am Tage vor dem Feste Peter und Paul,den 28. Juni, Statt und sie kommen in Zeit von acht Tagenwieder zurück. Die Wallfahrtendcn kommen meistens im fest-lichen Schmucke, der aus manchen Provinzen etwas Eigen-thümliches, oft Abendthcuerlichcs mitbringt. Bei der Zurück-kunft darf ein großer Rosenkranz und ein langer weißerPilgerstab, der oben in Krcuzesform geschnitzt ist, nicht feh-len. Die Weiber tragen gewöhnlich breite Strohhüte. Daserste Begrüßunzswort der Rückkehrenden ist an Bekannte: Ei-nen schönen Gruß von Maria-Zell. — Der Ort hatte anchmanchmal üble Schicksale zu beklagen. Schon 1798 den 5. Maientstand eine bedeutende Feuersbrunst daselbst, welche 19Häuser in Asche legte; den 27. März 1890 brannte beinahedie ganze Gratzergasse ab, 1805 und 1809 hatte Maria-Zelldurch den Einfall der Feinde viel zu leiden und in beiden Jah-ren fanden in der Nähe bedeutende Scharmützel Statt. Amverheerendsten aber wirkte der Brand am 1. November 1827,nur 9 Häuser entgingen der Wuth der Flammen, 10 Menschenfanden dabei ihren Tod, viele wurden mehr oder minder be-schädigt. Das Dach und die Thürme der schönen Kirche gin-gen dabei zu Grunde, doch gelang es, den Schatz und dasGnadenhild zu retten. Obschon es nun an reichlichen Spendennicht fehlte, so mußte dcmungeachtct der größte Theil desSchatzes verkauft werden, nm die Mittel zur Wiederherstellungder Kirche zu vermehren, die jetzt in neuer Pracht wieder da-steht. Doch sind die Reichthümer der Schatzkammer noch sehrbeträchtlich. Außer dem bereits erwähnten Bilde befinden sichvon besondere» Merkwürdigkeiten darin: Ein silberner Altarin Gestalt eines Stammbaumes, welche die Köpfe der Habs-burg-lothringcn'schen und über diesen der königlich sicilianischenFamilie trägt, viele Perlen und Edelsteine, allerlei Alterthü-mer, Seltenheiten und künstliche Arbeiten, unter diesen auchdie goldene, oben mit Brillanten besetzte Schreibfeder LudwigZacharias Werner's, welche derselbe diesem Gnadenorte testa-mentarisch hinterließ. Die Kirche selbst ist von einem geräumigenPlatze umgeben, auf welchem viele Buden stehen, worin zur Zeitder Wallfahrten immerwährend Markt gehalten wird und Ro-senkränze in allen Größen, Heiligenbilder in allen Formen,Näuchcrwerk, Drechslerwaaren aller Art, Kreuzchcn, Ringe, Ge-betbücher :c. zum Verkaufe bereit liege», welche die Wallfahrerzum Andenken ihrer Pilgerschast und als Geschenke für Freunde
und Verwandte in die Heimath mitbringen. Für die Aufnahmekranker Fremden ist durch die Errichtung eines eigenen Spitalsgesorgt. Die Umgebungen von Maria-Zell bieten sehr ange-nehme Spaziergänge dar, besonders das Bürger- oder Zeller-Alpel hinter der Kirche, mit einer herrlichen Aussicht, die bisan die Donau bis gegen Maria-Taferl reicht und mit einersehcnswerthen Höhle, welche Nabenburg oder der hohle Steingenannt wird, ferner die Wald- und Stuttcralpen, die Moos-huben, Sauwand, Pfeifcralpen, die Niederalpel, die Gegendam nahen Erlaphsee :c. Eine Viertelstunde östlich von demOrte ist der berühmte Holzaufzug, wo eine bedeckte Stiege übereinen hohen Berg zu einem Bache führt und mittelst eines ein-fachen Mechanismus ein leerer Wagen von der schwindelnden Höhehinabrollt, während ein beladener heraufgezogen und so ohnegroßen Kostenaufwand das Holz den Berg herauf gebracht wird.Dreiviertel Stunden südlich von Maria-Zell, an der Mündungdes AschbachcS in die nicht unbedeutende Salza, nächst der sehrromantisch gelegenen Sigmundscapelle ist das große ärarischeEisenwerk, welches, seit 1750 betrieben wird und schöne Pro-dukte aus dem vortrefflichen steperischen Gußeisen erzeugt.Schließlich ist noch zu bemerken, daß der gewöhnliche Weg vonWien bis Maria-Zell über Mödling, Briel, Heiligenkrcuz, Alland,Hainfeld, Altenmarkt, Kaumberg, St. Veit, Lilienfeld, Tirnitz,dann über den Annaberg, Joachimberg, Josephberg und Se-bastiansberg, welche letzteren gleichsam als Stationen betrachtetwerden und wovon die erste und dritte am bedeutendsten sind,durch äußerst romantische Gegenden führt. Die Straße, be-sonders je mehr man sich dem Gnadenorte nähert, ziert manchErvotobild glücklich überstandener Gefahren. Einige derselbenaber bezeichnen auch Unglücksfälle mancher Art. Der schöne,oft reissende Waldstrom Traisen bezeichnet von St. Veit bis un-gefähr gegen den Annaberg zu, den Weg. Ungefähr eine halbeStunde von Maria-Zell befindet sich eine Capelle mit dem ver-goldeten sogenannten Urlaubkreuze, von wo die Wallfahrer zu-erst Maria-Zell erblicken und begrüßen, dann bei der Abreisevon dem Gnadcnorte Abschied nehmen. Die Rückreise einzelnerWallfahrer oder Gesellschaften wird auch oft von St. Veit ansüber Wilhelmsburg und St. Pölten und dann auf der gewöhn-lichen Straße nach Wien angetreten. Recht eifrige Wallfahrerpflegen, wenn sie in dem Gnadenorte ihre Andacht verrichtethaben, noch von da auf den Sonntagsberg und nach Maria-Taserl in Oesterreich, Viertel Obermanchertsberg zu pilgernund auf der Donau nach Wien zurückzukehren.