Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Mt a » i a U e l l.

Dieser nicht unansehnliche Marktflecken in Obersteper-mark, etwa eine Stunde von der österreichischen Gränze, istder berühmteste Wallfahrtsort in allen österreichischen Staaten.Der Ort liegt im Brucker Kreise, auf dem grünen abgeplatte-ten Hügel eines weiten Gebirgsthales, der Sandbusel genannt,im Bezirke der gleichnamigen Staatsherrschast, welche hier ver-waltet wird und wohin der Markt auch dienstbar und zehent-pflichtig ist. Gegenwärtig besteht der Ort aus drei Gassen,einem Platze und 125 Häusern, worunter allein an 50 Wirths-häuser und enthält an 1000 Einwohner, die sich von verschie-denen Gewerben ernähren. Das ansehnlichste Gebäude ist dieim gothischen Stple erbaute, weit berühmte Wallfahrtskirche,deren Länge 501, die Breite 67 und die Höhe 99 Fuß beträgt.Die Geschichte derselben ist in Kürze folgende:

Im 1.1157 ließ sich hier ein Priester aus dem stepermär-kischen Stifte St. Lambrecht, unter dessen Patronate die Kirchenoch heut zu Tage steht, nieder, um den Bewohnern der hie-sigen Gegend wegen der zu großen Entfernung von dem Pfarr-orte Aflenz die Sacramente zu reichen und den Gottesdienst zubesorgen. Er brachte das noch heute verehrte Marienbild, eineaus Lindenholz geschnitzte Statue, die Mutter Gottes mit demKinde auf dem Arme vorstellend, hierher und stellte sie in einerkleinen Capclle zur Verehrung auf. Markgraf Heinrich unddessen Gemahlin ließen Anfangs des 13. Jahrhunderts diesteinerne Gnadencapelle bauen. Um 1270 aber baute KönigLudwig I. von Ungarn, aus dem Hause Anjou, den Vorder-theil der großen Kirche bis hinter der Gnadencapelle, sowieauch den mittleren, gothischen Thurm. Er bedachte die Kirchereichlich und schenkte ihr auch das Marienbild, welches früherzu seinem Hausaltar gehörte und in der Schatzkammer aufbe-wahrt wird. Es ist ein sehr zierliches und fleißig gearbeitetesGemälde der Madonna mit dem Kinde in reichen Gewändern,der Grund ganz mit goldenen Lilien bedeckt wegen LudwigsAbstammung vom französischen Königshause und mit Gold und

Edelsteinen reich geziert. Wahrscheinlich ist es das Werk einesbyzantinischen Künstlers. Außer dem Gnadenbilde, welchesnun ein Alter von beinahe 700 Jahren erreicht hat und jenemüber 550 Jahre alten Schatzkammcrbilde besitzt die Kirche nochein größeres, aus Holz geschnitztes Marienbild, welches anKunstwerth diesen beiden weit vorzuziehen ist. Es ist beinaheLebensgroß, steht frei auf einer Säule und scheint eine Arbeitaus dem 15., höchstens 16. Jahrhunderte zu seyn. Die Kirchewurde 1340 unter Albrecht II. dem Weisen ausgebaut, welcherauch den Ort 1342 zum Markte erhob. Fürsten und Großewetteiferten durch Jahrhunderte, die Kirche mit kostbarenGaben zu beschenken und ihre Schatzkammer umschloß daherfrüher einen unermeßlichen Reichthum, der jedoch in neuerenZeiten durch Unfälle mancher Art, worunter vorzüglich dergroße Brand von 1827 zu rechnen ist, beträchtlich vermindertwurde. Das Gnadenbild, zu welchem jährlich in den Sommer-monaten wohl mehr als 100,000 Pilger aus allen Theilen derMonarchie wallfahrten, steht auf einem silbernen Altar in derkleinen, mit silbernen Gittern verwahrten Capelle, in mittender Kirche, in welcher sich noch eine große Orgel mit 38 Re-gistern, eine ungeheure Kanzel aus röthlichem Marmor, einschöner Hochaltar mit einem Crucifir von Ebenholz mit einersilbernen Weltkugel befindet, welche im Durchmesser sechs Fußmißt. In der Kirche selbst und in den Gängen, die zur Schatz-kammer führen, sind viele Votivbilder angebracht. Von Wienaus nahmen die Prozessionen 1632 unter Kaiser Ferdinand II.ihren Anfang, um seinen Waffen Segen wider den Schweden-könig Gustav Adolph zu verleihen. Unter Kaiser Joseph wur-den die Wallfahrten überhaupt und insbesondere nach Maria-Zell eingestellt. 1796 wurden sie jedoch von Kaiser Franz wie-der hergestellt und 1811 erschien eine eigene Bestimmung, wel-chen Orten es gestattet ist, zu Maria-Zell in Prozession einzu-ziehen und deren sind sin Oestreich, mit Einschluß von Wien116, in Böhmen 13, in Ungarn 36, in Stepermark 47, in