noch immer zur Verschönerung bei. Merkwürdig ist auch derkühne Bau des Presbyteriums, dessen untere Abtheilung wiedereine geräumige Kirche enthält. Nahe au der Domkirchc ist dieResidenz des Domdechantes, welche dadurch merkwürdig ist,daß darin der böhmische König Wenzel III. 1366 von einemseiner Diener ermordet wurde. Die alte Kirche zu St. Moritz,wobei seit 1731 jederzeit ein Domherr, infulirter Probst undPfarrer ist, soll schon 962 zum Andenken eines gegen dieUngarn erfochtenen Sieges erbaut worden sein, in ihrer jetzigenGestalt besteht sie seit 1-112. In derselben ist eine 1715 auf-gestellte große Orgel mit 18 Mutationen, welche nicht wenigerals 2332 Pfeifen enthält, ihres allzulauten Schalles jedoch nieganz gespielt wird. In dem daran gebauten Thurme hängteine 136 Zentner schwere Glocke. Die Kirche zu St. Michaelist mit einer kühn gebauten Kuppel versehen; hier ruht derLeib des heiligen Johann Sarkander, welcher 162V durch dieutraquistischeu Stände den Märtyrertod erlitt. Er war Dechantvon Holleschau und noch zeigt man den Keller in der Frohnfeste,worin er durch die Folter zum Geständnisse gebracht werden sollte,daß er den Einfall der Polen bewirken half. Das Universitäts-gebäude war ehemals ein Seminar unter der Aufsicht der Je-suiten. Die Universität wurde 1567 gestiftet und den Jesuitenübergeben. 1576 erlangte sie den Vestätigungsbrief von KaiserMarimilian II., von Kaiser Matsias 1617. In diesen Urkun-den wird sie allen in Frankreich, Deutschland und Italien be-reits bestehenden Universitäten gleichgestellt. Anfänglich enthieltsie nur die theologische und philosophische Facultät. 1678theilte ihr Kaiser Leopold auch die juridische zu. 1778 wurde sienach Brünn, 1782 wieder hierher zurück verlegt und derselbender Name eines Lyceums gegeben. 1827 wurde die Univer-sität wieder hergestellt. Das ehemalige weitläufige, prächtig ge-baute Jesuiten-Collegium mit dem Ferdinandcischen adeligenStiftgebäude und jenem der alten Universität sind sämmtlichzu Militär-Casernen eingerichtet worden. Die Universitätsbi-bliothek auf der Vorburg ist ein stattliches Gebäude und gehörtevormals ebenfalls den Jesuiten. Sie wurde durch die Büchcr-sammlungen der aufgehobenen Klöster bereichert und zählt gegen-wärtig an 56,660 Bände, worunter besonders die vaterlän-dische Section reichhaltig ist. Nebstdem besitzt die Universität
ein Naturalien-Cabinet und einen beträchtlichen physikalischenApparat. Außer der Stadt liegt das große prachtvolle Prä-monstratenser-Kloster Hradisch , das nach der Säcularisation1781 erst zu einem Militärspitale verwendet wurde. Olmützist der Sitz eines Erzbischofs mit einem Domcapitel, das ausvierzehn residirenden Domherrn und gewöhnlich noch siebenzehnsogenannten Domicellaren besteht. Die vier ersteren Domherrnoder Capitularen, der Domdechant, Dompropst, Archidiaconund Scholasticus, sind Prälaten, welche seit 1731 mit der Jn-ful geziert sind. Seit mehren Jahrhunderten und vielleicht seitseiner Einrichtung ist dieses Capitel im Besitze der freien Wahldes Bischofes und jeder Domherr hat dabei eine leidende undwirkende Stimme. Eben so frei wählt es den Domdechant,und Dompropst; den Archidiacon und Scholasticus aber ernenntder Erzbischof. 1623 wurde dieses Dvmcapitel durch KaiserFerdinand II. für seine Treue und Anhänglichkeit an denselbenwährend der protestantischen Zwischenzeit mit dem seinem Wap-pen zugetheilten kaiserlichen Adler und dem Ehrenprädikate: dasgetreue, begnadigt. In Olmütz befinden sich noch: Ein Gym-nasium, ein erzbischöfliches Seminar, eine ständische Akademie,eine Militär-Cadeten-Compagnie, eine Hauptschule von vierClassen mit wohl eingerichteten Sonntagsschulen, so z. B. diegewöhnliche Wiederhohlungsschule für Handwerkslehrlinge, dieSonntagöschule für Gcwerböbeflissene im Rechnen, in Geome-trie und Mechanik, im praktischen Zeichneu für Handwerker.Außerdem sind daselbst ein Ursuliner-Nonnenkloster mit Mäd-chenschule, zwei Trivialschulen, ein neugebautes Theater, einVcrsorgungshaus mit Kranken- und Gebühr-Anstalt und dasmährische Witwen- und Waisenversorgungs-Institut für allek. k. Erbländer, womit ein Pensivnö-Institut für Staats- undPrivat-Civilbcamte verbunden ist. Außer dem FestungSco-mando besteht in Olmütz auch eine Fortifications-Local-Direk-tion und ein Garnisons-Artillerie-Districls-Comando. Seitder Eröffnung der Eisenbahn bis dahin hat Olmütz auch sehram äußern Ansehen durch schöne Gebäude, zweckmäßige An-stalten :c. gewonnen und in der Umgebung fehlt es nicht anangenehmen Promenaden und schönen Partien, so weit es ineiner meistens ebenen Gegend möglich ist.