Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Platz) von 19 Wie». Klaft. 1-/z Fuß; sein Gewicht wurde zu8774 Centner berechnet. Die Inschriften an den vier Seitendes auf Stufen stehenden Picdestals lallten:

Auf der Vorderseite im Nordosten: Franz I., dem Befreier,dem Wiederhersteller, dem Vater des Vaterlandes.

Im Südosten: Des treuen Mährens u. Schlesiens Dank. 1815.

Im Südwesten: Oesterreichs tapferem Heere.

Im Nordwesten: Seinen beharrlichen Bundesgenossen.

Diese herrliche Anlage, welche Sr. Majestät dem KaiserFranz gewidmet wurde und seinen Namen trägt, hat fünf Zu-gänge, so daß sie den Bewohnern von allen Seiten offen steht.Durch die Eröffnung des fünften Zuganges in den lctztvcrflos-senen Jahren erhielt sie gleichsam eine Vergrößerung durcheine neue Anlage auf der Bastion, an welche sich die schöneHäuserreihe auf der Ferdinandsthor-Bastei anschließt. DaSGlacis und eine Allee führen vom Franzensbcrge bis zu demnördlich gelegenen schattigen Allgarten, der durch neue Um-staltung ein freundlicher und großartiger Park geworden. Dergroße Menschenfreund Kaiser Joseph II. hat ihn begründet unddem Publikum gewidmet.

Eine flache Mulde, welche Häuser füllen, trennt den Fran-zensberg von dem Spielberge. Dieser, ei» berühmter Sitzder Fürsten Brünns und der Markgrafen Mährens, liegt unterdem 4V. Gr. 1t Min. 32 Sek. nördl. Br. und 34 Gr. 15 Min.9 Sek. östl. Länge nach Lisganig und erhebt sich an der West-seite Brünns auf einem isolirten Berge zu einer Höhe von149,99 Klafter über dem Meere (nämlich der Kapellcnthurm-knopf). Ehemals Beste, ist der Spielberg seit >749 zu einemGefängnißort bestimmt worden. Der Gipfel desselben ist mitFestungswerken gekrönt, welche an der Ostseite durch eine dop-pelte Mauer mit der Stadt verbunden sind, im Jahre 1899aber von den Franzosen größtentheils zerstört wurden. Vonder Stadt aus führen zwei mit Baumallecn besetzte Wegeaufwärts bis zu einer steilen Stiege, welche zu dem Militär-Wachhause an der Pforte führt, wo nach rechts zu die Woh-nung des Obervorstehers sich befindet und nächstens auch dieHauskanzlei bestehen wird; von da pafsirt man eine steinerneBrücke nnd gelangt zu dem Hauptgebäude, welches ein Viereckbildet und von der südöstlichen und nordwestlichen Seite durcheinen 5 Klafter tiefen sogenannten Temnitzer Graben, sonstaber in der Entfernung von etwa 15 Schritten ringsumvon einer Mauer umschlossen ist, die im Innern 19 Fuß hochist, von Außen jedoch weit höher steigt; statt der Pallisaden,die nach Außen als äußere Umschließung bestanden, ist eineMauer ringS um die Gebäude des Spielberges aufgeführt worden.

Zu dem Hauptgebäude des Spielberges führen zwei Fahr-wege; einer neben dem Fahrwege von der Stadt aus, derandere von Nordwesten; da aber im Jahre 1829 die Brückean dieser Seite abgetragen wurde und nun bloß eine besteht,müssen die Wagen den ganzen Berg umfahren, ehe sie zurBrücke beim Wachthause kommen. Geht man in den innern,von dem Hauptgebäude umschlossenen Hofraum, so wird manam Ende des Einganges durch einen gothischen Bogen undeinige gothische Verzierungen erinnert, daß man sich in demältesten Theile des Gebäudes befinde, welches wahrscheinlichaus jenen Zeiten stammt, wo der Spiclberg noch der Sitz derMarkgrafen war. Außer diesem gothischen Bogen hat sich ausdieser Periode nur eine Halle im Hofe links mit hohem, imgothischen Stple erbanten Gewölbe unverletzt erhalten, welchejetzt zum Depot dient; alle sonstigen Gebäude deö Spiclbergesstammen aus der späteren und der neuesten Zeit. In deröstlichen Ecke des ersten Hofes befindet sich die im Jahre 1993erbaute Kirche zur heil. Dreifaltigkeit. Diese hat, mit Ein-schluß der vom ehemaligen Oberst des k. k. Panduren-Korps,Franz Frechern von der Trenk (der, wie bekannt, auf demSpielberge gefangen saß) erbauten und dotirten Kapelle, 3 Al-täre und einen Thurm mit zwei Glocken und einer,Uhr. Gleich

daneben befindet sich zur ebenen Erde die Hausküchc und mdem- diesen Hof von dein, zweiten großen Hofraume trennendenFlügel die Wohnung des Traitcurs, die Marketenders unddas innere Wachtzimmer. Die südliche Seite der beiden Höfenimmt zu ebener Erde theilweise die Schlosserei und im erstenStockwerke das Spital ei», welches 8 Krankenzimmer für dieinnerlichen und äußerlichen Kranken und Marodeurs und einOrdinationszimmer enthält. Ueber die in dieser Krankenanstaltherrschende Reinlichkeit drückte sich vor einiger Zeit der bekannteEngländer Sir Robert Mapnc, welcher alle Spitäler zum Nutzen fürsein Vaterland besuchte, folgendermaßen aus:U is tlie eleanestboschml vbicli i liavo scen änrinA n>v lun^ ti uvels"; (es ist dasreinlichste Gefängniß-Spital, welches ich auf meinen langen Rei-sen gefunden habe). Im zweiten Stockwerke ist die Wohnungdes Haus-Seelsorgers und des Amts-Kanstiften, dann dieKaserne der Wachmannschaft; das Uebrige besteht aus gesun-den, hinreichend lichten Gefängnissen. Diese ganze Abtheilungwurde mit großem Aufwande in den Jahren 1835 bis 1837neu aufgebaut. In der Mitte des zweiten Hofes steht eineStatue der heil. Dreifaltigkeit, und etwas von dieser entferntbefindet sich der durch seine Tiefe von 75 Klaftern bekannteund ganz in Felsen gehauene Brunnen, aus welchem, mittelsteines von 6 Sträflingen in Bewegung gesetzten Tretrades, eingesundes, sehr reines Wasser geschöpft wird. Die Zeitfrist, biseiner von den zwei Eimern, die an der Welle des Tretradessich auf- und abwärts winden, ans der Tiefe des Brunnensgefüllt heraufgezogen wird, ist fast eine Viertelstunde.

Die innern zweistöckigen Gebäude an der südwestlichen nndnordwestlichen Seite gegen die Bäcken- und die Schwaben-gasse zu sind von 9 Kasematten umschlossen, die in derTiefe und über einander ausgeführt sind. In der südwestlichenAbtheilung befinden sich vier Kasematten und die Arbeitsanstaltdes Strafhauses, wie eine Kasematte gedeckt. Auf der West-seite sind die von den andern ganz abgesonderten weiblichenGefängnisse und gleich daneben, in einem besonder» Gebäudeüber dem hintern Temnitzer Graben, ihre Arbcits-Anstalt, imGraben selbst aber die Waschanstalt. Die äußere nordwest-liche Seite, wohin man, wie zu den weiblichen Gefängnissen,von dem zweiten Hofraume aus gelangt, wurde früher diegalizische Abtheilung genannt, und umfaßt unter der Erde dieandern 5 Kasematten, in denen, wie in den südwestlichen, biszum Jahre 1839 die Verurtheiltcn ihre Strafzeit überstehenmußten. Nun sind, seitdem die hohe Gnade Sr. Majestät deshöchstseligen Kaisers Franz alle tiefgclegenen Gefängnisse fürimmer aufgehoben hat, diese Gefängnisse nicht mehr bewohntund nur zu Zeiten bergen sie die Störer der Hausordnung.Hier befanden sich in den tiefsten Gängen die sogenanntenJo-scphinischen Gefängnisse", Arreste nämlich von Balken undPfosten, ohne Tageslicht, 8 Fuß hoch, 7 Fuß lang und 4 Fußbreit und mit einer Eingangsthürc von 3 Fuß Höhe. Daselbstwurde» die schwersten Verbrecher, an Händen und Füßen mitEisen und um den Leib mit einer Kette geschlossen, an die Mauerangeschmiedet und bloß bei Wasser und Brod gehalten. Dieseschreckliche Strafe wurde von Sr. Majestät Kaiser Leopold II.im Jahre 1791 aufgehoben und nur ein Kerker dieser Art istzum Andenken erhallen worden. Gegenwärtig besteht die Strafeder Spielberger Sträflinge darin, daß sie an den Füßen mitEisen gefesselt werden, täglich nur ein Mal eine warme Speise drei Mal in der Woche eine Mehlspeise ohne Fleisch(Sonntag ausgenommen) erhalten und mit Ausnahme desWächters mit Niemand reden dürfen. Ihre Schlafstellen wa-ren bis zum Jahre 1835 bloße Bretter nebst einer Decke, seitder Zeit wurde ihnen aber auch ein Strohsack zugestanden.Die Spielberger Strafanstalt ist für Staatsgefangene und fürsolche Verbrecher aus Mähren und Schlesien, Böhmen, Gali-zien, Ober- und Untcrösterreich bestimmt, welche auf mehr als19 Jahre zur schweren Kcrkerstrafe verurtheilt sind.