Zierde des Portales an der Westseite sind die kolossalen Bild-säulen der Markgrasen Johann und Jodvk. Kaiser Josephwidmete dieses Gebäude im Jahre 1784 nach wenigen unwe-sentlichen Veränderungen zur Wohnung des jedesmaligen Gou-verneurs von Mähren und Schlesien und zur Unterbringungder höchsten Landesbehördcn. Die Landesstände Mährens ha-ben gleichfalls in diesem Gebäude ihre Registratur, Kanzlei:c.und einen prachtvoll verzierten ^aal mit Trophäen aus alterund neuer Zeit; daselbst werden die Landtagssitznngen gehalten.Eine vorzügliche Zierde dieses Saales ist das Denkmal an dieAckerung Kaiser Josephs II. bei Raußmtz, das wohl einzig inseiner Art in der Welt dasteht. Auf einem Postamente vonMarmor, das in einer Höhe von K Fuß an eine Nische reicht,ruht sammt Zubehör, mit Sterze und Pflugschleise, der Pflug,welchen Kaiser Joseph II. geführt hat. Der Pflug ist möglichsteinfach; die Pflugrädcr sind nicht mit Eisen beschlagen, nur dw Na-ben haben eiserne Ringe und die horizontale Pflugschar ist vonEisen. Den Pflug deckt ein Uebcrzug von Taffet. DiesesDenkmal haben die Stände Mährens errichtet und dadurcheine denkwürdige Handlung aus dem Leben Kaiser Josephs II.gefeiert. Als dieser im Jahre 1769 nach Neisse reißte, umdaselbst dem König von Preußen, Friedrich II., bei seinem im-litärischen Lustlager einen Besuch abzustatten, brach auf seinerFahrt von Brünn nach Olmütz bei dem Dorfe Slawikowic,unweit Naußnitz, die Are des Reisewagens. Der Monarchstieg aus, ein Landmann aus dem genannten Dorfe, AntonTrenka, bestellte eben an der Kaiserstraße sein Ackerfeld. Jo-seph nahm dem Landwirth den Pflug aus der Hand und führteihn selbst. Anton Trenka leitete die Pferde und wußte nicht,was er mit allen den Herren, die ihn, mit Sternen auf derBrust, umgaben, machen solle. Der Kaiser beschrieb eineFurche durchaus und so wieder zurück, durch die Länge einesganzen Joches. Dieß geschah am >3. August 17KV. Die In-schrift ans dem Denkmale im landständischen Saale heißt:Imp. ckosepli. II. experli agri iVIorav. Onltoris. Insixnis nie-moria 1763. Haee i»o»ii»e»la posila 1802. Directorestat. inel. iVIorav. vom. ^1. ^b. (Karte.
(Zum ewigen Angedenken der großen Auszeichnung des mähri-schen Landmannes vom Kaiser Joseph im Jahre 17K0 —wurde dieses Denkmal gesetzt unter dem Landtags-DirektorAlois Grafen von und zu Ugarte).
In dem obengcnanntcn Jahre 1783 mußten die Ordens-männer des Augustiner-Einsiedlerordens ihr bisheriges Stifts-gebäude verlassen, und sie bezogen jenes der aufgehobenenCistercicnser - Nonnen in Altbrünn. Die Augustinerkirche,ihre jetzige Stifts- und Pfarrkirche, ist ein schönes Denkmalaus dem I4ten Jahrhundert; sie ist im gothischen Style undin Kreuzesform erbaut; doch hat nur die äußere Kirche dieursprüngliche Form behalten, im Inner» lassen dieselbe nurdie langen und dabei schmalen Fenster ahnen, das Uebrigewurde durch häufige Verwüstung zerstört. Am Hochaltare istein in einen prachtvollen Nahmen von gegossenem Silber ein-gefaßtes Gnadenbild aufgestellt, das dem Stifte vom Mark-grafen Johann geschenkt ward und - das über einem Throneruht, der aus Silber und vergoldetem Kupfer zierlich verfer-tigt ist; dieß Meisterwerk ließen die Augustiner in Augsburgmit einem Gcldaufwande von 33000 Gulden arbeiten.
Brünn, mit Einschluß der Vorstädte und des Spielberges,hat 14 katholische Kirchen, nebst einigen Kapellen, worin Got-tesdienst statt findet, und 0 Klöster. Die Protestanten derAugsburger Confession haben in der Nähe des Brünner Tbo-'res ein Bethaus. Zu den vorzüglichsten Bauwerken gehörtüberdieß das alte Landhans am Dominikaner-Platze, jetzt dieMontur-Ökonomie-Commission, das Damenstift Maria-Schul,die Jesuiten-Kaserne, einige Prlvatgebäude und das Rathhans,ein altes bemerkenswerthcs Gebäude in der nach demselben be-nannten Gasse. Es wurde un Jahre 1511 erbaut, und trotzvielfacher Veränderung zeigen Gänge, Treppen und Gemächer
den Geschmack und die Bauweise des ll!. und 17. Jahrhun-derts. Das Gebäude hat einen originellen Thurm mit Galle-rie und der Stadtuhr; aber bei weitem das Merkwürdigste istdas Portal. Oberhalb des im Spitzbogen auslaufenden Thor-ganges streben fünf thurmartige Laubsäulen empor, ans derenmittelsten und oberhalb dem Stadtwappen die Gerechtigkeit mitWage und Schwert ist, ihr zu Seiten ans den beiden nächstenLanbsänlen erscheine» Standbilder von Nechtsgelehrten in ihrerweiten Amtstracht; an den äußersten Cvlumnen, etwas tieferdenn die vorigen, befinden sich zwei im ehernen Gewände desKriegerstandes dargestellte Mannen, je abwechselnd in einerHand ein Panier, in der andern einen Schild mit dem altenWappen der Stadt. Man kennt den Ursprung dieser eigen-> thümlichen Verzierung nicht, so wie man auch verschiedene Er-^ klärungcn über die Figuren hört. — Bei Erwähnung desRathhauses wird man der Wahrzeichen Brünns, des sogenann-ten Lindwurmes und des Tenfelsrades, gedenken müssen. AmThorwege des zweiten Hofes hängt in eisernen Ketten die aus-gestopfte, geschwärzte Haut eines Krokodils und nahe dabei ein4 Fuß l(i Zoll hohes Rad, welches ein Wagnermcister zu Eisgrnbin Folge einer Wette binnen einer kurzen bemessenen Zeit ver-fertig! hatte und vor sich 5 Meilen weit nach Brünn hertrieb.Kein Wanderbursche unterließ früher, diese Wahrzeichen anzusehen.
Vier Thore führen aus der Stadt, die ringsum vonMauern, Bastionen und Wällen, die seit einigen Jahren schöneBaumanlagen tragen, eingeschlossen ist, zu den Vorstädten.Durch eine fünfte Oeffnung der Stadtmauer im Südwestengelangt man unmittelbar auf den Franzensberg, der einewunderherrliche Zierde der mährischen Hauptstadt ist. Ein stei-ler, kahler, verödeter und zerklüfteter Felsen, eine Fortsetzungdes Hügels, auf dem die Domkwche steht, der früher soge-nannte „Kalvarienberg", wurde in den Jahren 1814 bis 1818durch die Stände Mährens umgestaltet zu einem an muthigen,herrlichen Spaziergange, der die Bewunderung eines jedenFremden in hohem Grade erregt. Man hat, um ein Plateau! und Wege zu gewinnen, die Felsen ebnen und durchbrechen! und, um einen Pflanzenwuchs möglich zu machen, Erdreichaufführen müssen. Nun umgürtet üppiger Baumwuchs insymmetrischer Gruppirung den schönen Friedensobelisk; einschattiges Wäldchen bietet den Lustwandelnden Erquicknng unddem Pflanzenkenner manchen Strauch, manchen Baum zurAnsicht dar, der sonst nur heißerem Klima angehört und hierbei sorgsamer Pflege trefflich gedeiht. Der Franzensberg istder Familiengarten Brünns und auf den sonnigen Räumen undin den freundlichen Alleen versammelt sich Jung und Alt.Durch die Stadt vor dem Nordwinde geschützt und an dieseangelebnt, ist seine Lage äußerst günstig und der Vegetationförderlich, überaus reizend und ausgedehnt aber die Aussichtvon dessen Platform. Eine weite Frnchtebene zieht sich biszu den isolirtcn Polauer-Bergcn (nahe an Oesterreich), welchedie Fernsicht begrenzen; durch ihre Wälder, Wiesen und Felder,neben ihren Dörfern, Weilern und Kirchen eilt das dampfendeLokomotiv auf der eisernen Linie der Kaiser-Ferdinands-Nord-bahn; gegen Westen hin ruht das Auge wohlgefällig an demDunkel des Schreibwaldes, an der originellen Syenit-Forma-tion des rothen Berges, an den sonnigen Rebenhügeln; zuunsern Füßen breiten sich, hie und da unterbrochen durch Gär-ten und zwischen Baumgruppen, die Häuserreihen einiger Vor-städte und besonders jene Altbrünns. Ernst blickt der Spielbergmit seiner glorreichen Vergangenheit und düstern Gegenwartin die Scene. Der Obelisk, welcher sich aus der Mitte derPlatform des Franzensbergcö erhebt, ist dem Frieden gewid-met, der den denkwürdigen Kriegsercignissen in den Jahren1813 und 1814 gefolgt ist. Der Grundstein zu dem »Frie-densdenkmale" wurde am 4. Oktober 1818 durch Se. MajestätKaiser Ferdinand l., dazumal Kronprinz, gelegt. Der Obelisk,aus mährischem grauem Marmor aufgeführt und auf vier ru-^ henden Löwen lastend, hat eine Höhe (über dem horizontalen