Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Man zählt in der Stadt 7 Plätze, aber nur zwei derselbensind bcmerkenswerth durch ihre größere Ausdehnung, die Treff-lichkeit ihres Pflasters und die schönen Reihen von Gebäuden,welche sie umschließen. Dergroße Platz" bildet sast ein Drei-eck und umfaßt einen Flächeninhalt von 2840 Quadratklafrcru;in der Mitte desselben befindet sich die Militär-Hanptwache,die St. Nikolauskirche, für welsche Kaufleute erbaut, im Jahre1231 eingeweiht und im Jahre l?86 zu einem Militär-Ma-gazin umgestaltet, und das städtische Waghaus nur vielen andiese Gebäude angelehnten, unansehnlichen Kramladen, die denschönen Play belasten. Dagegen zieren ihn ein Springbrun-nen, im Jahre l6lli) von dem geschickten Bildhauer JgnazBendel Z erbaut und mit meisterhaften Figuren aus Sandsteingeziert/und die Mariensäule; das Dankgesiihl der Bürger fürdie Abwendung der Pest hat im Jahre 16V0 dieselbe errichtet,und als im Jahre 1831 die Pest unseres Jahrhunderts, dieCholera, immer näher den Grenzen rückte, beeilte man sich,sie neu herzustellen. Die Seulpturen, welche die Mariensäuleträgt und die sie umgeben, sind von keinem künstlerischenWerthe; aber die Säule ist der Wissenschaft dienstbar gewor-den, indem ihr diese die Bestimmung eines Gnvmon gegebenhat. Eine Linie aus weißen Quadersteinen zieht sich von derSäule bis zu der Häuserreihe und endet mit einem Denksteine,dessen Inschrift beurkundet, daß derselbe von dem Magistratder k, Hauptstadt durch den k, k. Straßendirektor Jos. Wussin,einem ausgezeichneten Gelehrten, voll regen, thätigen, gemel-len Geistes, gegründet worden.

Die Sattlergasse, die belebteste Straße Brünns, verbindetden großen Platz mit dem Krautmarkte, der einen Flächen-inhalt von 2680 Quadrat-Klaftern hat. Die Mitte desselbennimmt ein Nöhrbrunnen ein, der, wie durch seinen RainenParnaß", so durch die sonderbare Gestalt erwähncnswerthwird. Aus dem Röhrbrunnen erhebt sich ein Felsenbogen, vonGebüsch und Schlingpflanzen überwachsen, dessen Gipfel eineBildsäule, ein Weib mit Scepter und «Schwert, trägt; in derHöhlung steht Herkules, wie er den Cerberus gebändigt, undaus den Rachen von Delphinen, Schlangen u. s. w, werdenWasserstrahlen hochauswärts getrieben. Am Krautmarktc be-findet sich das k. städtische Theater und, von diesem Platze durchein schmales Gäßchcu getrennt, daS Mnseumögebäudc. Dasselbegehört der k. k. mähr, schlcs. Gesellschaft zur Beförderung desAckerbaues, der Natur- u»d Landeskunde und wahrt viele undausgezeichnete Gegenstände, als Naturalien, physikalische Instru-mente, Münzen, Bücher, Gemälde, allerlei geschichtliche Denk-würdigkeiten und Curiosa. Vorzugsweise ausgezeichnet, reich-haltig und trefflich geordnet sind die geologischen, geognostischenund mineralogischen Sammlungen. Ueber dem Kraulmarkteerhebt sich, ziemlich steil, eine felsige Anhöhe, auf deren Gipfel,rings umgeben von den Residenzen des Bischofs und der Dom-herren, die Domkirche zu St. Peter in würdiger Größe sichausbreitet, alle Gebäude der Stadt hoch überragend. DieserFelsenhügcl (780 Fuß) und der Spielbcrg (816 Fuß über demMeeresspiegel) bilden die Punkte der Gegend, welche durchihre Lage vorzugsweise zur Ansiedelung einladen mußten, undin der That, so weit die Geschichte und die Sage reicht, wa-ren dieselben von hoher Wichtigkeit, dieser, indem er Schutzgab, jener als geweihte Stätte. Schon zu Ehren der slavischenLiebesgöttin Lada soll hier ein Tempel gestanden haben, undim Jahre 884 wurde von dem Slaven-Apostel, dem ErzbischoscMethud, an dieser Stelle eine Kirche zu Ehren der ApostelPetrus und Paulus im Beisein des Fürsten Swatopluk geweiht.Zu Zeiten Herzog Konrads (1061 bis >003) dürfte das Got-teshaus erneuert worden sein und die Urkunden nennen esdieerste und älteste Pfarrkirche Brünns." Das gegenwärtigegroßartige, einfach schöne und edle Gebäude stammt aus demlöten Jahrhundert; es ist iin Innern ohne Säulenstützen unddie weite Tcmpelhalle erhebt sich frei und hehr; sie ist 22 Klaf-ter lang und 12 Klafter breit, hat drei Eingangsthüren mit

! Vorhallen und 8 Altäre im römischen Style, mit edlen Bild-hauerarbeiten geschmückt, 10 große Fenster und außer derSakristei eine dem Presbyterium angebaute Kapelle. Ein un-ansehnlicher Glockcnthurm erhebt sich an der Außenseite derKirche ohne irgend eine Zierde und mit einem im Spitzwiukelauslaufenden gewöhnlichen Dache; nahe der nördlichen Ein-gangsthüre befindet sich eine steinerne offene Kanzel, ursprünglichwohl bestimmt, den zahlreich versammelten Gläubigen, welchedie Kirche nicht fassen konnte, das göttliche Wort zn verkünden.Von dieser Kanzel herab predigte nn Jahre l4öl mit Feuer-eifer Johann Kapistran die reine katholische Lehre, undmit solchem Erfolge, daß, wie erzählt wird, an einem TageWenzel von Bvskowic nebst 2000 Unterthanen dem pikarditi-schen Glaubensbekenntnisse abgesagt haben.

Brünns schönstes und eigenthümlichstes Denkmal der Bau-kunst ist die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob. Es ist ein groß-artiges Bauwerk im gothischen Style, das im Jahre 1315 ander Stelle eines früheren Gotteshauses vollendet ward. Mankennt den Erbauer nicht, aber seine großartige Idee verdientdie höchste Bewunderung. Die Außenseite kündet schon dashohe Alter dieser Kirche an, die aus Sand-Quadersteinen kühngebaut ist, in der Länge 2 >4, in der Breite 70 und in derHöhe 68 Fuß mißt und durch starke Außeupfeiler gestützt ist.Imposant ist der Eindruck, den das Innere bietet; 18 kühnaufstrebende Säulen, in Doppelreihen fortlaufend und beimHochaltare sich schließend, tragen das innere Spitzbogengewölbe.Von den drei Eingängen der Kirche heißt der westliche dasRiesenthor, über welchem sich bis zum Jahre 1842 ein280 Fuß hoher, kühn zugespitzter Thurm erhob, der aber indem genannten Jahre zum Theil abgetragen werden mußte;durch einen Sturmwind wurde das mühsam, zum Behufe desAbtragens und Wiederaufbaues aufgetragene Gerüste herabge-worfen und dadurch der Bau sistirt. Der Thurm trägt 6Glocken, wovon die größte 110 Ccntncr schwer ist und nacheinem Brande der Kirche im Jahre 1515 gegossen wurde; zuderselben Zeit wurde die ganze Kirche mit Kupfer überdeckt.Der Dachstuhl, so wie die doppelte Wendeltreppe im Thurm,erbaut um daS Jahr 1580, sind wahre Meisterwerke ihrerArt. Was dieses Gotteshaus vor den Denkmalen, die ausgleicher Zeit stammen, in hohem Grade auszeichnet, das istdie Helligkeit und Klarheit in seinem Innern. Gottes schönesLicht dringt durch die hohen Bogenfenster ungehindert durchund erleuchtet alle seine Räume. Schenswcrth sind die mitStuckaturarbeit versehenen Altäre, eine auö Sandstein gemeißelteKanzel, zwei Musikchöre, jedes mit einer Orgel, wovon dieeine 30 Register zählt und zu den größten in Mähren gehört,mehrere gute Gemälde, dann das Denkmal des Grafen vonSouchez, der zur Zeit der schwedischen Belagerung Brünnsim Jahre 1618 die Besatzung und die Bürgerschaft komman-dirte und den Feind zur Aufhebung der Belagerung zwang.Das Bildniß dieses Kriegers in knieender Stellung auf einemSarge von dunkclgrauem Marmor ist von Jos. SigismundKerker gegossen.

Die Pfarrkirche zu St. Thomas ist mit dem Landhauseoder Gubernialgebäude Ein architektonisches Ganze. Die Kirchezeichnet sich durch eine schöne Faeade aus, ist aber im Innernüberladen. Unter den Grabsteinen sind jene der MarkgrafenJohann und Jodok, die hier ruhen, beachtenswerth. DasGubcrnialgebäude, das stattlichste und weitläufigste Brünns,gehörte bis zum Jahre 1783 dem Augustiner-Einsiedlerorden,der durch den Markgrafen Johann um das Jahr 1350 hiergegründet wurde. Zu dem jetzigen imponirenden Gebäude wur-den die Pläne von dem Baumeister Mauritz Grimm mit Be-rathung des in der Baukunst erfahrenen Prälaten AndreasZirkel entworfen. Der Bau begann am i>. Juni 1732. DasGebäude bildet mit der Ivorspringenden St. Thomaskirche einregelmäßiges Viereck von zwei Stockwerke» und zwei Höfen,^ dem sich in Südosten noch ein Flügel anschließt. Die schönste