Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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wegen der Grumbach'schcn Händel geächtete und gefangene Her-zog Johann Friedrich von Sachsen-Gotha in die Burg zu Neu-stadt gebracht, wo er mit seiner Gemahlin Elisabeth bis 1594blieb. 1998 verheerte eine große Feucrsbrunst einen 'gutenTheil der Stadt. Zur Zeit der Neformations-Unruhen bliebdie Neustadt der katholischen Kirche getreu, weshalb ihr KaiserFerdinand II. mehrere Begünstigungen verlieh. 1925 hatte aber-mals eine bedeutende Feuersbrunst Statt. Kaiser Leopold nahm1998 seinen Wohnsitz in der dortigen Burg, bis jene zu Wiennach dem erlittenen Brande wieder hergestellt war. Den 39.April 1971 wurden die des Hochverrathes beschuldigten unga-rischen Magnaten, Graf Peter Zriny und Markgraf FranzFrangipani daselbst enthauptet. 1983 vertheidigte sich die Neu-stadt abermals auf das Tapferste gegen die Türken, welchesie vergeblich zur Uebergabe aufforderten. Kaiser Leopold be-stätigte darauf die alten Freiheiten der Stadt und legte ihr denehrenvollen Beinamen: die allezeit getreue, bei. 1791 saß derberühmte Anführer der ungarischen Mißvergnügten, Fürst FranzRakoczy daselbst gefangen, entfloh aber mittelst Einvcrständnißmit einem kaiserlichen Hauptmann. Die verderblichen Pestjahre1979 und 1713 gingen an der Neustadt unschädlich vorüber.1752 verwandelte die Kaiserin Maria Theresia die kaiserlicheBurg in die noch heute bestehende Militär-Akademie. Den27. Febr. 1798 hatte in der Neustadt ein furchtbares ErdbebenStatt, welches alle Häuser erschütterte und viele beschädigte.1785 wurde das Bisthum von der Neustadt wegen bessererDiöces - Eintheilung nach St. Pölten verlegt. Während derfeindlichen Invasionen 1895 und 1899 hatte die Stadt vonEinquartierungen und Durchmärschen viel zu leiden. Das größteMißgeschick in neurer Zeit aber traf die Stadt den 8 Sevtem-ber 1834, an welchem Tage eine furchtbare Feucrsbrunst fastdie ganze Stadt zerstörte. Nur die Akademie und einige Häu-ser in der Neunkirchengasse blieben unversehrt. Allein durchthätige und schnelle Unterstützung und zahlreiche Sammlungen,wurde der baldige Wiederaufbau bewirkt. Den 15. Mai 1841wurde die Gloggnitzer-Eisenbahn zuerst von Baden bis Neu-stadt feierlich eröffnet, den 29. Juni hatte die erste Fahrt vonWien aus Statt und die seither regelmäßig geschehenden Fahr-ten, die sich seit 1842 auch bis Ncunkirchen und Gloggnitz er-strecken, tragen viel zur Belebung der Communication, sowiedes Handels und Verkehres bei. In topographischer Hin-sicht liegt Wiener-Neustadt in einer weiten Fläche am sogenann-ten Steinfelde, auf der Hauptstraße nach Stepermark, am Schiff-fahrts - Canale und am Einfluße des Lehrbachs in die kleineFischa, eine Stunde westlich von der ungarischen Gränze undbesteht mit Einschluß der (Wiener-) Vorstadt aus 932 Häu-sern und 9894 Einwohnern. Die Stadt ist ziemlich regel-mäßig gebaut und bildet ein Viereck mit vier alten Thoren,denen seit 1841 ei» neues fünftes, zum Behufe der Commu-nication von dem Bahnhofe der Gloggnitzer Bahn beigefügtwurde. Sie ist mit einem ziemlich breiten und tiefen Grabenund einer Mauer mit Thürmen umschlossen, theilt sich in vierViertel und hat in der Mitte den großen schönen Hauptplatz,um welchen gewölbte Laubcngänge führen und den eine schöne

Mariensäule ziert. Unter den meist geraden, aber nicht breitenund schlecht gepflasterten Straßen zeichnet sich die Wiener- undNeunkirchengasse aus. Das Hauptgebäude ist, am südlichstenEnde der Stadt, die ehemalige kaiserliche Burg, nun Militär-Akademie; ein imposantes viereckiges Gebäude, mit einemThurme und mit Gräben, welche heut zu Tage Obst- und Kü-chengarten enthalten. Sie enthält die herrliche gothische Georgs-kapelle, woselbst unter dem Hochaltare Kaiser Maximilian be-graben liegt, mit schönen Verzierungen, dann die verschiedenensehenswerthen Abtheilungen und Sammlungen der Akademie,endlich den großen Garten von 999 Klafter Länge und 799Breite mit dem kolossalen Denkmale des Generals, Grafen vonKinöky, ehemal. höchstverdienstvollen Directors der Akademie.Die Pfarrkirche zu unserer lieben Frauen, früher Domkirche, istein von Quadersteinen aufgeführtes großes Gebäude, mit zweihohen schlanken Thürmen, mehreren alten Grabsteinen und einerkleinen Gruft, worin fünf Kinder des Erzherzogs Ernst, genanntder Eiserne, ruhen. An den Außenwänden der Kirche sind auchmehrere merkwürdige Grabsteine, unter andern auch jene derGrasen Zrinp und Frangipani angebracht. Die Kirche desCapuzinerklosters ist klein und unansehnlich. In der Nähe desUngarthores befindet sich die Cisterzienser-Abtei, Neukloster ge-nannt, mit der gothischen Dreifaltigkeitskirche, einer Bibliothekund anderen Sammlungen. Die Stadt hat ferner ein allesRathhaus mit einem Uhrthurm und dem städtischen Archive,worin viele Seltenheiten aufbewahrt sind, ein Gymnasium, eineHauptschule, ein Bürgerspital und Versorgungshaus, ein Mi-litärspital mit der niedlichen Kirche zum heil. Leopold in derWiener-Vorstadt, ein Lazareth, zwei Casernen, ein Theater,einen Ncdoutensaal und eine Schicßstätte, endlich das Militär-Erziehungshaus des Jnf.-Reg. Hoch- und Deutschmeister. Inindustrieller Beziehung besteht hier eine bedeutende Zucker-Raffi-nerie, eine Sammt- und Seidenzeug-Manufactur, zwei Sammt-band-Manufacturen, eine Papierfabrik, eine Fapence-Geschirr-Fabrik und andere ähnliche Anstalten. Auch treibt die Stadteinen ziemlich lebhaften Verkehr sowohl auf dem Canale undder Eisenbahn nach Wien, als auch auf den Straßen fast inalle Länder des Kaiserthums. Tue Stadt hat auch mehre hüb-sche öffentliche Gärten, doch leidet sie, wegen ihrer flachen Lage,Mangel an nahen Spaziergängen, für weitere Ausflüge voneinem halben oder ganzen Tag aber bietet sie den geeignetstenStandpunct. Außer der Wiener-Vorstadt steht das alte, soge-nannte Wiencrkreuz, auch wegen der 'Aehnlichkeit mit jenemvor Wien, Spinnerkreuz genannt, jedoch ist es bei Weitemzierlicher gebildet, als letzteres und unstreitbar die älteste Säulein Oesterreich, um 1389 erbaut. Ungefähr eine halbe Stunderechts von der Stadt befindet sich das sogenannte Raketendorf,eine Reihe von schönen Gebäuden zum Behufe der Erzeugungvon Brandraketen. Vor dem Neunkircher Thore steht endlicheine chinesische P.-ramide, welche zum Andenken der 1793 durchLiesgonig ausgeführten Grundmessung gesetzt wurde, zu wel-chem Zwecke auch die schnurgerade Straße von der Stadt nachNeunkirchen geführt wurde.