Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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TM iener-Meu Stadt.

^liese allezeit getreue Schwesterstadt Wiens, nach derHauptstadt bei weitem der am meisten historisch-merkwürdigeOrt in Oesterreich, dessen Geschichte so innig mit jener desganzen Kaiserthums verbunden ist, wurde 1193 von HerzogLeopold VI., genannt der Tugendhafte, oder vielmehr Tapfere(virtuosus) aus dem Hause B.ibenberg, gegründet. In altengrauen Zeiten waren die Sümpfe in dieser Gegend sehr weitausgebreitet und zwischen denselben und vielen Moorgcwächsenbildete sich an der Stelle eine Insel, welche jetzt einen Theildes Hauptplatzes einnimmt. Auf dieser Insel befand sich eineCapelle zum heil. Nikolaus, wohin öfters fromme Menschenwallfahrteten und nach und nach ließen sich daselbst auch Fischer,Krämer und andere Gewerbsleute nieder. Als Markgraf Al-brecht der Sieghafte (victoriosus) 1959 die Ungarn über dieLeytha zurücktrieb, fand er bereits auf diesem Platze, damalsnoch auf stepermärkijchem Boden, mehre Häuser und die Lagedesselben veranlaßte ihn, eine kleine Gränzfeste daselbst zu bauen.Nach der Erwerbung Steycrmarks durch Leopold VI. aber um-gab dieser die Häuser mit Mauern und Graben, machte eineförmliche sFestung daraus, verband sie durch einen geradenStraßenzug mit Wien und nannte sie deßhalb die Wiener-Neu-stadt. Er behandelte, wie seine Nachfolger, den Ort mit beson-derer Vorliebe, gestattete den Ansiedlern mehrere Freiheiten undVorzüge und gab der neuen Festung auch die Marktfreiheit,welche bisher der dem Bayerischen Stifte Formbach gehörigeOrt Neunkirchen besessen hatte. Sein Sohn und Nachfolger,Leopold VII., der Glorreiche, erneuerte diese Privilegien und er-theilte ihnen die AuSmaß des weitläufigen Burgfriedens, welchersich von der österreichischen Gränze längs der Piesting bis an denScmmering und Hartberg erstrecken. Unter dem letzten Baben-berg, Friedrich II., genannt der Streitbare, spielte die Stadtbereits eine wichtige historische Rolle. Sie blieb ihm getreu, als1236 in Folge der kaiserl. AchtSerklärung das ganze Land nebstWien von ihm abfiel und unter ihren Mauern wurden 1237die kaiserlichen Erekutionstruppen geschlagen, worauf der Her-zog sein Land wieder eroberte. Herzog Friedrich verlieh nunder Stadt aufs Neue zwei Freiheitsbriefe, deren einer die Man-chen für den damals in hohem Flor stehenden Handel regelte,der zweite aber die Bürger von allen Abgaben lossprach, bissie sich gänzlich ihres Schadens erholt haben würden. 1242schlug Herzog Friedrich das unermeßliche Heer der von Ungarnund Mähren her eingedrungenen Mongolen und Kumanen beiNeustadt in wilde Flucht und 1246 auf dem Steinfelde bei derStadt die Ungarn unter König Bcla IV., wobei der Herzogjedoch sein Leben einbüßte. Als sich im darauf folgenden Zwi-schenreiche Ottokar von Böhmen der österreichischen Länderbemächtigte, erkannte auch die Neustadt dessen Oberherrlichkeitan und erhielt von ihm eine Handfeste zur Bestätigung ihrerGerechtsame. 1254 schloß Ottokar mit Bcla IV. von Ungarneinen Vergleich, wodurch Steyermark mit Ausnahme jenesLandtheilö, nördlich vom Semmering und Hartberg, an Un-

garn überlassen wurde, wodurch die Neustadt zum Erstenmaleförmlich mit Oesterreich vereinigt ward. 1281 ertheilte ihr Kai-ser Nudolph I. einen Gnadenbrief, worin er den Bürgern dasNiederlagsrecht ertheilte. 1316 erneuerte Herzog Friedrich derSchöne die bei einer großen Feuersbrunst verloren gegangenenPrivilegien wieder. Unter der Regentschaft Friedrich IV., ge-nannt mit der leeren Tasche, erhielt die Stadt 1425 die er-neuerte alte Landesordnung in 136 Absätzen, dann das Rechtdes Wochcnmarkts und ein Grundbuchösiegel mit den Schildenvon Oesterreich und Tyrol zwischen zwei Thürmen. 1433 branntedie Stadt sammt der Vorstadt vor dem Wienerthore fast gänz-lich ab, wobei auch die alte Nikvlai-Capclle zu Grunde ging.Herzog Friedrich V. (als Kaiser III.) erkor die Neustadt zuseinem Lieblingsaufenthalte und verschönerte und vergrößertesie bedeutend. Er stellte die von Herzog Leopold VI. gegrün-dete Burg in ihrer jetzigen imposanten Gestalt her, erhob dievon Leopold VII. erbaute Kirche zu unserer Lieben Frauen zurDom- und Collegiatkirche, errichtete das Biöthum daselbstund ertheilte der Stadt 1443 in einer Urkunde nicht nur dieBestätigung ihre alten Privilegien, sondern vermehrte dieselbennoch dadurch, daß ihre Kaufmannschaft in allen Erbländernmauth- und zollfrei handeln durfte. 1452 hielt die Neustadteine harte Belagerung durch die mißvergnügten Oesterreicheraus, die den Kaiser zwingen wollten, ihren Landesherrn, La-dislaus PostHumus auszuliefern. Sie schlug mehrere Stürmeauf das heldenmüthigste ab und als endlich nach der Ausliefe-rung des jungen Fürsten die Ruhe wieder hergestellt war, er-hielt die Neustadt ihrer Treue wegen ein eigenes Wappen, dendoppelten schwarzen Adler im goldenen Felde. 1477 hatte dieNeustadt wieder eine harte Belagerung durch Matthias Corvi-nus zu erdulden, in dessen Hände sie auch bei seinem zweitenErscheinen 1487 nach Wiens Eroberung fiel. Der große Heldachtete jedoch die Tapferkeit und Treue der Besatzung und machteden Bürgern sogar Geschenke mit seinem Bildnisse, Panzer-hemde, Reitsattel, mit seinem Halsschmuck und einem silbernenBecher. Nach Mathias Tode zogen die Ungarn wieder abund Erzherzog Maximilian daselbst ein und belohnte die Treueder Bürger mit einem Gnadenbriefe, worin er alle ihre Pri-vilegien bestätigte. Nach dem Tode Maximilians wurde seinLeichnam, der testamentarischen Anordnung zu Folge, nach Neu-stadt abgeführt und in der Burg-Capelle beigesetzt. Nach sei-nem Ableben entstanden während der Abwesenheit seiner Enkelund Erbe» Carl und Ferdinand in Spanien Unruhen in Wien.Die bestellten Landesregenten wurden abgesetzt und eigenmäch-tig eine neue Regentschaft ernannt. Nach der Ankunft Ferdi-nands wurde durch eine öffentliche Gerichtsverhandlung dieRuhe wieder hergestellt und die Hauptanstiftcr der Verschwö-rung am Platze zu Neustadt an der Stelle enthauptet, die nochjetzt mit ausgelegten Steinen bezeichnet ist. Bei der ersten tür-kischen Belagerung 1529, vertheidigten sich die Bürger mit derBesatzung standhaft und erhielten die Stadt. 1571 wurde der