Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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A e h ö «r b r u n n.

^las schöne kaiserliche Lustschloß dieses Namens, einehalbe Stunde südwestlich von Wien ist sowohl seines imposan-ten, wahrhaft majestätischen Baues wegen, als auch wegendes Aufenthaltes der kaiserlichen Familie in den Sommer-monaten, sowie 1805 und 1809 der Wohnung des KaisersNapoleon, höchst merkwürdig. Der Platz auf welchem gegen-wärtig Schloß und Garten stehen, war in früherer Zeit mitdichtem Walde bedeckt, der jedoch schon unter den erhabenenBabenbergen gelichtet wurde und vorzugsweise der Jagdlustder Landesfürsten gewidmet war. Erst Kaiser Maximilian II.aber legte hier um 1580 einen geschlossenen Thiergarten anund erbaute an dessen äußerstem linken Ende ein ansehnlichesJagdschloß, das von der im Umfange des Parks aufsprudelndenklaren Quelle den Namen Schönbrunn erhielt. 1592 verliehKaiser Rudolph II. dieses Jagdschloß seinem Kriegszahlmeister,Egpdius Gatterenger, von welchem es den Namen Gatterschloßund das angränzende Gehölz den Namen Gatterhölzel annahm,welches vor noch nicht gar ferner Zeit des darin hausendenRaubgesindels wegen sehr berüchtigt war und unter diesemNamen bis auf die heutige Zeit bekannt ist, obschon nur nochwenige Spuren davon vorhanden sind. Durch die Streifzüge derungarischen Malcontenten wurde dieses Schlößlcin 1609 zer-stört. Kaiser Mathias baute es jedoch 1619 noch schöner aufund von der klaren und frischen Quelle, welche dieser Fürst imDunkel des Forstes entdeckte, nahm das Schloß fortan denNamen Schönbrunn an. Zur Aufbewahrung und Aetzung derzur Jagd nöthigen Hunde wurde auch um diese Zeit in der !Gegend ein eigenes Rüdcnhaus gebaut, das der Hundsthurmgenannt ward, wovon noch heutigen Tages eine Vorstadt und iLinie Wiens den Namen führt. Kaiser Ferdinand II. überließdas Schloß seiner zweiten Gemahlin Eleonore von Mantuazum Sommeraufenthalte und sie brachte es nach dem Tode des s

Kaisers gänzlich an sich. Nach ihrem Tode erhielt es 1656die Wittwe Ferdinands III. Eleonore Gonzaga. Durch dieselbeerhielt der Garten manche neue Anlage und Verschönerung undauch Kaiser Leopold trug zur Erweiterung desselben bei. DieAbbildung dieses alten Schlosses befindet sich in der schätzbarenTopographie von Matth. Bischer vom Jahr 1674. Durch dieTürken wurde es aber 1683 abermals eingeäschert und inRuinen gelegt, und blieb in diesem Zustande bis 1699. Indiesem Jahre aber beschloß Kaiser Leopold, für seinen erstge-bornen Sohn, den römischen König Joseph'!, an dessen Stelleeinen schönen Sommerpalast erbauen zu lassen und der berühmteArchitect, Bischer von Erlach, erhielt den Auftrag dazu, dener auf die genialste Weise ausführte. 1700 war das Schloß-gebäude, größtcntheils so wie es heute noch besteht, vollendet'Eine Medaille verewigte die Vollendung des Baues. Es warfortan der Lieblingsaufenthalt Joseph I. Unter seiner Regierungward es häufig besucht und durch verschiedene Festlichkeiten ver-herrlicht. Caroussels, Tourniere und ritterliche Uebungen allerArt belebten seine Höfe und Hallen. Hier wurde auch 1708die Vermählung des Königs von Spanien Carl III. (als nach-heriger Kaiser VI.) auf das Prachtvollste gefeiert. Nach demfrühzeitigen Tode Joseph I. überließ es Carl VI. der Wittwedesselben Amalia Wilhelmine von Braunschweig-Lüneburg, diees, als sie das Salesianerkloster in Wien gestiftet hatte undihren Aufenthalt daselbst nahm, gegen eine angemessene Ent-schädigung dem Hofe wieder zurückstellte. Carl VI. gefiel sichmehr in seiner Favorite auf der Mieden, desto größerer Vor-liebe aber erfreute sich Schönbrunn unter Maria Theresia, diees vorzugsweise bewohnte und sowohl das Hauptgebäude umein Stockwerk erhöhte, als auch die herrliche Gloriette um 1750erbauen ließ. Auch den Garten verschönerte sie und ließ diegroße Allee, welche von hier nach Larenburg führt, anlegen.