Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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terfahrt, welche aber jetzt, der gewöhnlich noch sehr rauhenWitterung wegen, auf den ersten Mai verlegt ist.

Auf einer Lagerstätte urwcltlicher Niesenthicrc, wo Elephan-tenzähnc u. dgl. ausgegrabcn wurden, nämlich im weiten Raumeeiner aufgelassenen Schottergrube befindet sich die bürgert. Schicß-stätt e, welche im Frühjahr und Herbst gewöhnlich große Festschie-ßen mit bedeutenden Preisen gibt.

Der erste Mai ist einer der Haupttage im Wiener Fest-kalender und dessen Hauptschauplatz der Pratcr, denn dasFrühlingsfest im Augartcn ist aus der Mode gekommen. DerPratcr ist ein IH- Stunden langer Wald auf der Lcopoldstadt-Jnsel. Am Ende der schönsten Straße Wiens, derJägerzeile"ist der sogenannte Stern, ein großer freier Rasenplatz, von dem6 Wege strahlenartig auskaufen, einst alle mit Alleen besetzt,aber die beiden der Vorstadt zunächst gelegenen sind bereits mit Häu-sern besetzt und an der 2tcn zur linken stehen die weitläufigen Ge-bäude des Nord-Bahnhofes, jedoch durch Bäume maskirt. Ihmgegenüber rechts öffnet sich die herrliche kfache Kastanien-Allee,welche 2500 Klf. lang (also über '/z Postmeile) zu einem ehe-maligen Jagd-Pavillon am Donaukanale führt, das Lusthausgenannt. Auf halbem Wege ist dieUmkehr" ein großer Kreisvon Bäumen an einem kleinen Donau-Arme, jenseits welcherin der Grünau die Allee eine große Strecke unterbrochen ist;der Weg lenkt hier rechts ab durch den Wald, den sogenanntenwilden Pratcr".

Der Prater ist jedenfalls ein Vorzug Wiens vor jeder an-dern Residenz, in der Entfernung einer halben Stunde von denStadtmauern ein Wald! groß genug für einen Stand von 1000Stück Hochwild, welches so vertraut ist, daß einzelne Hirscheoft bis zur Ferdinandsbrücke an der Jägerzeilc hinauf wandern.Die große Praterallee nun besteht eigentlich aus 3 Alleen durch1134 Bäume, in 4 Reihen gebildet. Die mittlere Allee ist fürdie Fahrenden, jene rechts für die Reiter, links für die Fuß-gänger bestimmt. Sehr oft bilden die Equipagen eine ununter-brochene Reihe vom Graben in der Stadt bis zur Umkehr, eineStrecke von 1'/!, Stunde, die Niemand verlassen und demAndern vorfahren darf, ein Gesetz welchem sich selbst der Hoffügt.

Man kann annehmen, daß an einem schönen Sonntage bei200(1 Equipagen und 30,000 Menschen in den Alleen versam-melt sind, im ganzen Pratcr bei 60,000. Aber nur vom Maibis halben Juni dauert des Pratcrs volle Größe; im Hochsom-mer wo Alles auf dem Lande ist, findet man kaum '/? jenerMenschenmenge. Nur im Uz-äs-Park zu London hat man einähnliches Schauspiel, und wenn man dort vielleicht mehr undschönere Pferde, besonders Reitpferde sieht, so intrcssicrt im Pra-ter den Pferdckenner die große Verschiedenheit der Rassen, dieman hier beisammen trifft. An Eleganz und Geschmack derEquipagen steht übrigens Wien unübertroffen da. An derGeh-Allec" stehen drei Kaffeehäuser, mit einem ganzen Heerevon Tischen und Stühlen unter dem dichten Laubdache der Bäu-

me. Hinter den Kaffeehäusern beginnt der berühmteWurstl-pratcr" dessen eigentlicher Zugang die Feucrwerks-Allec bildet.Der Wurstlprater ist eine Gruppe von etwa 100 hölzernen Hüt-ten, theils eine Gasse bildend, theils einzeln stehend, welcheKaffee- und Gasthauswirthschaftcn aller Art enthalten, außerdemnoch Ringelspiele, Puppentheater, (der Wurstl") Wachsfigu-ren , Taschenspielereien und Sehenswürdigkeiten aller Art, nebstSchaukeln und einer zahllosen Menge von Kegelbahnen. Eineneigenen Reiz erhält aber diese bunte Welt durch die freie Wald-natur, welche überall dazwischen tritt. An den Wurstlpraterstößt der Feucrwerksplatz, wo jährlich 4 Feuerwerke abge-brannt werden und wo auch gewöhnlich die Luftschiffer auf-steigen ; Stunde unter dem Feucrwerksplatz ist der Landungs-platz der Dampfschiffe.

Die Allee neben der Feuerwerks-Allee führt zu der Schwnnm-schule. An einem Donau-Arme befinden sich zwei Schwimmschu-len und Strombäder. In wenig andern öffentlichen Anstaltenhat Wien solche Fortschritte gemacht als in den Bädern. Vor25 Jahren bestand ein einziges Strombad, im Kaiserwasser hin-ter der Brigittenau, an einer seichten Stelle mit Stricken um-spannt, und dieses, unglaublich! aus nichts als nur einer offenenPlätte, ohne die geringste Bequemlichkeit. Dieses wurde nochin eben dieser Gestalt dann unter die Schwimmschule verlegt,und ist jetzt ein weitläufiges Etablissement geworden, das fürseinen Zweck wenig zu wünschen übrig läßt. In allen Donau-Armcn sind außerdem Badehütten für das Volk aufgestellt. DieMilitär-Schwimmschule, 1812 errichtet, auch dem Civile zu-gänglich, hatte lange Zeit Zuschuß nöthig, jetzt ist sie 3mal sogroß, hat bedeutenden Gewinn, und außerdem besteht eineMän-ner-Schwimmschule (Ferdinand-Maria-Schule) 2 Damenschulen,und die beiden großen Bade- und zugleich Schwimmbassins imDiana- und Sofienbade. Diese beiden, durch filterirtes Donau-wasser gefüllt, gehören sogar zu den Sehenswürdigkeiten Wiens.(Siehe die Abbildung des Dianabadcs.) Namentlich das letztereist ein der Residenz würdiger Bau, der noch das eigenthümlichehat, daß er im Winter zu einem Tanzsaale umgestaltet wird.Dieser Aufschwung der Bade-Anstalten ist eine Folge der Kalt-wasscrmcthode, welche hoffentlich mehr als bloße Mode bleiben wird,und sogar in den Umgebungen, in Penzing, Heiligenstadt, Bcrch-toldödorf, Baden und Vöölau Schwimmanstalten ins Leben rief.Auch die Wannenbäder früher nichts weniger als einladend,blieben nicht zurück und damit das Ertreme nicht fehle, zähltWien 2 sehr besuchte Schwitzbäder, von denen jenes im Sofien-bade eine Mustcranstalt genannt zu werden verdient.

Der Prater hat reizende Parthicn, aber gewöhnlich beschränktsich der Wiener darauf, die große Allee auf und ab zu wandeln,Jedenfalls ist der Prater für den Fremden der interessantesteöffentliche Ort, wo man die Ertreme der Gesellschaft nebeneinander sieht: die elegante Welt in den Alleen, das fröhlicheVolk im Wurstlprater.

Im Prater werden denn auch die Pferderennen gehalten,