6425 Polizcigewerbe mit Verzehrungs-Gegenständen und 8549andere, 9736 Komerzialgewerbe.
Bei keiner öffentlichen Anstalt ist der Mangel an Raumso fühlbar als bei der Post, die in jeder Provinzstadt besser be-hauset ist, als in der Residenz, indessen täglich ihrer Versetzungin ein geeignetes Gebäude entgegen sieht. — Der Wiener Fiakerist berühmt durch seine Geschicklichkeit im Fahren, und Pferdeund Wagen lassen wenig zu wünschen übrig, um so mehr wirdaber eine billigere Tare immer nothwendiger. Die Forderungendieser Leute an den Fremden sind oft unverschämt und die ihneneingeräumten Taren außer allen Verhältnissen mit den Preisenin anderen große» Städten. — In Wien beginnen 3 Eisenbah-nen, die Kaiser Ferdinands Nordbahn und die doppelte Südbahn,welche nämlich in zwei Arme ausläuft, nach Brück an der Leitha undnach Gloggnitz. Die Frequenz dieser Bahnen ist fortwährend imraschen Steigen und auch die Gütcrfracht nimmt in dem Maßezu als die Bahnen selbst weiter geführt werden. Die Bahn-höfe liegen zwar an den Linien (Barrieren), sollen aber dem-nächst auch untereinander durch Schienenwege verbunden wer-den. — Die Donau-Dampfschiffahrt ist gleichfalls im erfreulich-sten Aufschwünge; schon gehen täglich Dampfer nach Linz undsogar 2 des Tages nach Ungarn. Ein großer Uebelstand istnur die Unbeständigkeit des Wasserstandes im Donaukanale,welcher die ungarischen Boote häufig hindert an der Leopoldstadtzu landen. Der große Landungsplatz für die Boote nach Un-garn ist eine volle Stunde vom Mittelpunkte der Stadt entfernt,und die oberen Schiffe landen gar in Nußdorf, Ihsi Stundenweit. Nur eine durchgreifende Räumung des Kanals und Her-stellung von Kettenbrücken statt der noch bestehenden Pfeiler- undJochbrücken, könnte hier abhelfen. — Der Schiffahrtkanal vonWien bis Neustadt hat durch die Eisenbahnen viel von seinerBedeutung verloren, diente auch immer nur für Zufuhr vonBaumaterial und Holz.
Wien ist als Residenz des Monarchen natürlich auch derSitz aller obersten und Zentral-Behörden (Hofstellen) so wie dernicdcrösterreichischcn Landesregierung und der übrigen Pro-vinzialbchörden, des Kreisamtes im Viertel unter W. Wald u.s. w., aber die Rechtspflege des Weichbildes liegt dem Magistrateob, so wie den Gerichten der anderen einzelnen Grundobrig-keiten. Der Magistrat zählt 86 Räthe, 36 Sekretäre, undsteht unter 1 Bürgermeister, der zugleich Regierungsrath ist.Er ist in drei Senate abgetheilt, (das Civilgericht, Kriminal-gericht und der ökonomische Senat), ein Bürgcrausschuß von266 Mitgliedern (äußerer Stadtrath) steht ihm zur Seite. —Die Einkünfte Wiens sind groß, aber die Ausgaben natürlichauch nicht klein.
Die Polizei ist keine städtische, sondern wie überall eineStaatsbehörde. Die Wiener Polizei-Oberdirektion zählt ein Per-sonale von gegen 76 Beamten; die Stadt ist in 4, die Vor-städte sind in 8 Polizeibezirke eingetheilt. Unter der Direktionsiebt das Militär-Polizeiwach-Korps, welches 16 Offiziere, 126
Unteroffiziere, gegen 1636 Gemeinen und eine berittene Abtheilungvon 47 Mann zählt. Dieses Korps versiebt die Stelle einerGensdarmerie, die eigentlichen Patrouillen werden aber vondem Linienmilitär gegeben.
Die Garnison besteht gewöhnlich aus zwei Regimentern(zu zwei Bataillons) Infanterie, fünf Grenadierbataillons undzehn Eskadrons Kavallerie; zwölf Kompagnien des zweiten Feld-artillerie-Regiments und das Bombardier-Korps (fünf Kom-pagnien) sind fortwährend in Wien, so wie Abtheilungen vonPionieren (namentlich auch bei Feuersbrünsten verwendet) undSappeurcn. Der ganze Srand beträgt etwa 15,666 Mann.Wien hat eigentlich 26 Kasernen, wenn man die kleinen Ab-theilungen in Militärgebäuden einzeln rechnen will, aber nur8 größere für die Linie, deren größte in der Alservorstadt6666 Mann faßt, und 2 für Kavallerie.
Das Bürgermilitär ist der Zahl nach eben so stark wie dieGarnison, aber nur 4366 Mann sind vollkommen ausgerüstet,für den Rest sind jedoch die Waffen vollzählig vorhanden.
Schwerlich gibt es ein zweites Land welches in Bezug aufGesundheits- und Wohlthätigkeitsanstalten mit Oe-sterreich in die Schranken treten kann und die Residenz Wiengeht hierin mit Beispiel voran. Die Polizei vermeidet sorgfäl-tigst Herren- und arbeitsloses Gesindel hereinzulassen und deßhalbhat Wien auch keinen solchen Proletarier-Pöbel zu fürchten,wie fast jede europäische Großstadt. Es ist damit nicht gesagt,daß es in Wien nicht viel und großes Elend gebe, aber beiweitem nicht in dem Maße als anderwärts, wozu namentlichdas vortreffliche Institut der „Armenvätcr" beiträgt. In jederPfarre nämlich sind würdige menschenfreundliche Bürger mitder Aufsuchung der Armen beauftragt, durch welche im Einver-ständnisse mit den Seelsorgern auch die Unterstützungen vertheiltwerden; trotz dem aber ist eS noch immer nicht möglich dieStraßenbettelei abzustellen. Es ist Grundsatz daß jedes öffent-liche Vergnügen mit einer Armentare belegt wird, es wird abersogar förmlich auf die Wohlthätigkeit des Publikums spekulirt,indem jetzt eine Unzahl von Unternehmungen zur Unterhaltungdes Publikums ins Leben treten, von deren Ertrag eine Quoteden Wohlthätigkeirs-Anstalten zugesichert wird. Daß der Un-ternehmer selbst dabei einen größeren Vortheil beabsichtigt, istnatürlich, denn er darf behufs des Zweckes schon auf ein größe-res Publikum rechnen, aber eben mit Rücksicht darauf werdenförmliche Erpressungen getrieben. Es wäre sehr zu wünschen,daß wenigstens die Erträgnisse aller derlei Unternehmungen inden Zeitungen bekannt gemacht würden, damit man sehe wiediese Herrn durchaus keine Opfer bei der Sache bringen. Wersich da rühmt 2666 fl. den Armen zugewendet zu haben, hatdenn doch an der anderen Hälfte im gleichen Betrage auch keinübles Geschäft für sich selber gemacht, was ohne jenen Hebelgewiß nicht den Anklang im Publikum gefunden hätte.
DaS große kaiserliche Armen-Institut vertheilt jährlich an766,666 fl. an Armen, die Negierung gibt Prämien an brave