Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Volksschulen bestehen 75, außerdem 25 Unterrichts- und52 Arbeitsschulen für Mädchen, l8 Privatschulen für fremdeSprachen, 14 Privat-Zeichnungsschulen u. f. w. 3 Gymnasienzählen an 1600 Schüler. Erziehungsanstalten giebt es 2 öffent-liche für Knaben, 4 für Mädchen; Privatinstitute 7 für Knaben,14 für Mädchen, und eine gymnastische Anstalt (Turnschule).

Die Universität zählt 51 Professoren, 56 Lehrer, Ad-junkten, Assistenten, Dozenten und über 4000 Studenten. Mitder Universität sind in Verbindung: 3 theol. Seminarien mit bei-nahe 200 Zöglingen und der botanische Garten. Museum fürNaturkunde, Physik, Landwirthschaftslehre, Anatomie, Patholo-gie; das Thierarznei-Jnstitut mit besonderen Sammlungen;die Sternwarte.

Besondere wissenschaftliche Institute sind: die protestantisch-theologische Lehranstalt, das Theresianum für junge Edelleute,die orientalische Akademie, das Josefinum zur Bildung von Mi-litär-Aerzten, welches sehr reiche Sammlungen hat; die Inge-nieur-Akademie, die Forstlehranstalt in Mariabrunn, das poly-technische Institut mit sehr reichen Sammlungen; das montanisti-sche Institut der Hofkammer mit reichen Sammlungen, an wel-chem auch Vorlesungen gegeben werden; das k. k. physikalischeKabinet zunächst zum Gebrauche des allerhöchsten Hofes, wo-selbst aber auch Vorlesungen gehalten werden; das k. k. Mili-tär-geographische Institut.

Vereine und Gesellschaften sind erst in neuerer Zeitentstanden: die k. k. Akademie der Wissenschaften; die kais. Aka-demie der Künste; die mcdezinisch - chirurgische Josefs - Akademie:die k. k. Gesellschaft der Aerzte; der Apotheker-Verein; der ju-ridisch politische Lese-Verein; die k. k. Landwirthschaftgesellschast,mit reichen Sammlungen; die k. k.Gartenbau-Gesellschaft; dernied.-öfter. Gewerbsvcrein; der Verein zur Verbreitung guterkatholischer Bücher; der Kunstverein, der Musikvercin, mit rei-chen Sammlungen; 11 Kirchenmusik-Vereine; der Männerge-sangs-Verein.

Bibliotheken zählt Wien: 3 öffentliche mit 428,000 Bän-den , nämlich die Hofbiliothck mit 300,000 (Musikarchiv von7000 Bänden), der Universität mit 104,000, des Hofkriegs-archivs (allen Offizieren zugänglich) mit 24,000 Bänden. JedeLehranstalt hat aber ihre eigene Bibliothek, (das Theresianumvon 30,000, das Polytechnikum 16,000 Bände, Sternwarte3000, Thierspital 4000, Jngcnieurakadcmie 4000, das Löwen-burgische Konvikt 10,000 :c.) und fast jede Hofstelle besitzt einebedeutende Sammlung für ihre Fächer, namentlich die Hofkam-mcr, die Polizei- und Ccnsur-Hofstclle u. s. w. und die Bücher-Massealler dieser Institute, die alle zu gemeinnützigem Gebrauche inihrem Kreise bestimmt sind, kann man mindestens auf 600,000Bände anschlagen. Wenigstens die Hälfte so viel enthalten aber diegroßen Privatbibliothckeu. Sr. Majestät des Kaisers 56,000,des Erzherzogs Karl 20,000, des Fürsten Lichtcnstein 50,000,Esterhazy 36,000, Mettcrnich 24,000, Schönborn 20,000, dieKlöster: der Benediktiner 20,000 u. s. w. Leihbibliotheken

Wien it.

hat Wien nur 2, Buchhandlungen 27, Kunsthandlungen 13,Zeitschriften aller Art an 50 :c.

Die naturwissenschaftlichen Sammlungen sind in Wien be-sonders reich. Die verschiedenen Lehranstalten haben ihre eige-nen Naturalienmuscen, namentlich die Universität und das Jo-sefinum. Botanische Gärten zählt Wien nicht weniger als 8,jene der Institute und der 2 Gesellschaften mitgerechnet. Uebri-gens ist Botanik und insbesondere Blumistik in und um Wienauf nicht geringer Stufe auch bei Privaten; namentlich habendie Gewächshäuser des Freihcrrn K. von Hügel europäischenRuhm.

Nicht minder reich sind die kaiserlichen historische» Samm-lungen, von denen nur zu bedauern ist, daß der Mangel angeeigneten Lokalitäten nicht erlaubt dieselben in ein einzigesMuseum zu vereinigen. Wären die Sammlungen aus Ambras,die hiehcr zu zählenden Gegenstände der Schatzkammer, derJagdkammer, des Zeughauses und des Münz- und Antiken-Ka-binets in ein einziges großes Museum vereinigt, so würde die-ses wohl unübertroffen in seiner Art sein, namentlich für dasMittelalter. Die berühmte Ambrassammlung (aus Schloß Am-bras in Tirol) enthält unter andern Rüstungen und Waffenvon 143 historischen Personen, deren auch das kais. Zeughauseine bedeutende Anzahl besitzt, und außerdem das bürgerlicheZeughaus 1000 Harnische und Kürasse.

Die Gemäldesammlungen Wiens sind sehr reich, aber dochfinden sich außer von Rubens und RuySdacl keine Hauptbildcrder größten Meister in derselben vor, so daß Wien eigentlichdurch kein Bild namentlich so berühmt wurde wie z. B. Venedigdurch die ^ssnmtio, Dresden durch die Madonna u. s. w. KeineGallerie Deutschlands hat aber so viele vorzügliche Bilder über-haupt wie die Kaiserliche, und sehr wichtig in kunsthistorischcrHinsicht sind die Gallerien Wiens dadurch, daß sie sich gewißer-maßen gegenseitig ergänzen.

Die Industrie hat in Wien wie in ganz Oesterreich Nie-senschritte in neuester Zeit gethan, und die Artikel in welchenWien einen Vorrang behauptet, mehren sich von Jahr zu Jahr.Dahin gehören: Shwals und Umhängtücher, Kautschukarbeiten,Perlenmutterwaarcn, Meerschaumpfeifen, Tischlerwaarcn Kut-schen , Klaviere, optische Instrumente (Plößl's Institut hat euro-päischen Ruf) u. s. w. Daß Wien als große Stadt ein bedeu-tender Handelsplatz sein muß, ist natürlich. Die eigene Konsum-tion bedarf schon bedeutender Zufuhr an Rohstoffen u. Fabrikaten;werden aber erst die Eisenbahnen die Staatsgränzcn erreicht ha-ben, so wird sich ein Handels-Verkehr herausstellen, dessen Re-sultate wohl außer aller Berechnung liegen. Wien hat noch2 Jahrmärkte in der Stadt, 2 in den Vorstädten. Institutefür den Handel sind die k. k. Börse, welche noch immer kein ei-genes Gebäude besitzt; die Nationalbank mit einem Gesamtver-kchr von 1,840,856,684 Gulden jährlich.

Der kaufmännische Verein. Wien zählt an 1100 Handlun-gen aller Art, darunter 84 Großhandlungen, 200 Fabriken,