hohen Frauenwerth ausgezeichneten Herzogin Blanka, einer mitdem österreichischen Herzoge Nudolph III. vermählten französischenPrinzessin 1305 auf unverantwortliche Weise verschwunden.
Die Nathhauskapelle zu St. Salvator besteht eigent-lich aus 2 Kapellen; jene zur linken Mrde 1282 (?) durchNik. Scheibenböck erbaut.
Die Kapelle des deutschen Ordens, angeblich vonSchiffcring 1326, ist interessant durch viele Wappenschilder undalte Grabmäler.
Die Hof-Pfarrkirche der Augustiner, 1330 von Friedrichdem Schönen gegründet, ist eine der schönsten Kirchen Wiens,270' lang, 80' hoch, 80' breit. Hier steht Cannova's berühm-tes Grabmal der Erzherzogin Christina, Gemahlin HerzogsAlbrecht von Sachsen-Teschen, Zauncrs Grabmal Leopolds II.und hier sind die Gräber von Dann und van Swieten. Inder Loretto - Kapelle werden in silbernen Urnen die Herzen derverstorbenen Mitglieder der kaiserl. Familie bewahret.
Die Kirche der Liguorianer zu Maria Stiegen (böhmi-sche Kirche) ist eines der schönsten Baudenkmale des 14. Jahr-hunderts und namentlich der 180' hohe Thurm ist bewunderns-werth. Die Kirche wird so eben restaurirt und zwar im Stpleihrer Zeit. Der steile Abhang von derselben, im Winter oftgefährlich zu betreten, ist theils geebnet theils mit zweckmäßigenStiegen versehen worden. An der Stelle des dermaligen Hoch-altars im römischen Stple wird sie ehestens »inen großen Schnitz-altar im Geschmacke der altdeutschen Kunst erhalten. Die Far-benprächtigen Fenster hinter dem Hochaltare, zum Theil ausdem 15. Jahrhundert, sind besonders beachtenswerth.
Das Ruprechts Kirchlein, seit 1836 mit einer neuenFapade, datirt in seiner jetzigen Gestalt erst aus dem ^.Jahr-hundert; merkwürdiger Taufstein aus dem 16. Jahrhundert.
Aus derselben Zeit ist die Hofburgkapelle, Kruzifir vonDonner; berühmte Kirchenmusik.
Auch die Pfarrkirche am Hof und die Franziska-nerkirche, so wie die Johanneskapelle in der Kärnthner-straße sind ihren Hauptbcstandtheilen nach Bauten im altdeutschenStple mit veränderten Fapaden und andern Umstaltungen.
Denkmäler hat Wien aus dem Mittelalter fast gar keinemehr aufzuweisen, es hat weder Thore noch einzelne Thürmeaus jener Zeit an denen man anderwärts die Phantasie der altenMeister bewundert und eben so fehlt es an kunstreichen mit Bil-derwerken geschmückten Erkern u. dergl. an Privathäusern. AlteGrabsteine verschwanden seit der Zeit der kirchlichen Reformendurch Joseph in ungeheurer Anzahl, darunter ausgezeichnet schönewie z. B. das bereits erwähnte der Herzogin Blanka s 1305bei den Minoriten; jenes des Retters aus der Türkengefahr1529, Niklas Salm in der aufgelassenen Dorothecrkirche (nundas Versatzamt), welches ans einer gräfl. Salm'schcn Herrschaftzu Mähren unbeachtet verpackt liegt. Die sehr merkwürdigenGrabsteine in der Mariastiegenkirchc wanderten erst 1820 zumSteinmetzen. Anerkcnnungswerth ist es dagegen, daß das Stift
Schotten die seinen im neuen Kreuzgange sorgfältig aufgestellthat. In den Hof und Kellerräumen mehrere seit Josephs Zeitzu Privatwohnungen umgestalteten kirchlichen und Klostergebäudebewahren noch eine Anzahl von Grabsteinen, zum Theil umge-kehrt, als Hofpflaster w. verwendet oder in Ketterräume ver-senkt. So z. B. enthält noch welche vom ehemaligen St. KlaraKloster. Das große BürgerspitalSgebäude Nr. 1043 im Sei-tenhofe zur Linken, wenn man es von der Kärnthnerstraße be-tritt, darunter vor einem Stalleingange die Gestalt der würdi-gen Acbtissin Esther von Silberberg -s 1521 u. s. w. von denHimmelpförtnerinnen in den Häusern Nr. 949 und 950 vonSt. Katharina im ehemaligen Kaiserspital im Hause Nr. 20 amBallplatz u. s. w. Doch nimmt ihre Anzahl alljährlich ab, jemehr sich schöne Marmorplattcn verwerthen. Die wenigenNeste alter Skulpturen an und in den Häusern sind etwa fol-gende:
In dem neuen Gebäude des Hofkaminer-Archives, Johan-nisgasse 981 ist im Hof ein schönes Basrelief von 1482 ein-gemauert, welches^ aus dem alten hier gestandenen „Maria-zellerhof" herrührt. — Der Darvarhof auf dem alten Fleisch-markte Nr. 698, eine mit Wappenschildern verzierte vorspringendeFenstermauer aus der Zeit K. Friedrich IV. — In der Schön-laterngasse sieht man in einem alten Basrelief das Abbild einesBasiliskes, welcher in dem Brunnen hier soll gefunden wordensein. An der Ecke des Magistratsgebäudes ist einer der hübsche-sten Ueberreste, der Engel mit dem österreichischen Bindcnschildeund dem Wiener Stadtwappen, beide sinnig mit einem Schlossean einander gekettet. Im Hofraume des Stepererhofes Nr. 727findet sich eine Wappengruppe aus der Zeit K. Mar I., einälteres Skulpturwerk am Hause Nr. 404 am Judenplatz. Jn-schriftsteine aus dem 14. Jahrhunderte im Hofe der BrandstattNr. 632 und am Stoßimhimmel Nr. 364. DaS Haus Nr. 1133am Graben ist vielleicht das einzige in Wien, welches im HofeArkaden über einander und interessantes Stiegenhauö aufzuwei-sen hat. — Wie durch ein Wunder hat sich in einem Vorstadt-Hause Liechtcnthaler Hauptstraße, Grund Thurp Nr. 10 zum„goldenen Pelikan", in der Thorhalle ein Holzschnitzwerk, un-gefähr aus der Zeit K. Mar I., die Geburt Christi vorstellend,erhalten. Dagegen sind die schöneren 12 Apostel, welche imletzten Hefte von Lichnowskp's Baudenkmalen abgebildet wurdenbeim Umbau des Hauses Nr. 715 am Hafnersteig verschwunden.
Von den vielen bemalten Häusern Wiens ist nicht ein ein-ziges übrig geblieben und nur in der Wallnerstraße erinnert dasGemälde „wie der Wolf den Gänsen predigt" an diese ehemalsso allgemeine Sitte. Der schloßähnliche sogenannte Federl-hof am Lugek mit seinem 6 Stock hohen Thurme wurde 1845weggekrochen, um einen kasernartigen Zinszwinger Platz zumachen. Bald wird Wien keine alten Häuser mehr haben,denn namentlich in die neueste Zeit fiel eine ungewöhnliche Zahlvon Neubauten, freundlich, bequem, aber so charakterlos wiedie ganze moderne Baukunst.