österreich doch so viele zählt, finden sich in Wien nicht mehr.Aus der Zeit des Rundbogen- (romanischen) Stples, dem12. Jahrhundert, rührt aber die Stirnseite der
St. Stesanökirche, mit den beiden 8 eckigen, 202' ho-hen sogenannten „Heidenthürmen". Erst im Sommer 1846wurde das „Riesenthor", die ausgezeichnet schöne Eingangshalle,von mehrfach aufeinander liegendem Tünche und Schmutz gerei-nigt und mit Erstaunen entdeckte man den Reichthum der Ein-zelnheiten in den Skulpturen, sogar auch Spuren alter Farbenund Vergoldung. Der Stefansdom ist nicht durchaus ein Bauin einem Stple, nach einer Idee ausgeführt, denn zwischendem Styl der Stirnseite und jenem des Thurmes liegen 3 Jahr-hunderte. Leider ist vom ganzen Dome kein Haupttheil ganzvollendet, als eben der berühmte Thurm, aber die südliche Lang-seite (gegen die Chur) mit 2 vollendeten Strebepfeilern, einemfertigen Giebel und den herrlichen Fensterrosen gibt einen Be-griff von der Pracht des Ganzen, wenn es vollendet wäre.Wie schon erwähnt, rührt dieser großartige Plan von H. Ru-dolph IV. aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts her. DerDom ist ganz aus Grobkalk-Quadern erbaut, 333' lang, hat222' größte Breite, 86' Höhe im Schiff, 105' bis zum Dach-giebel. Das Dach ist ganz mit farbigen glasirten Ziegeln ein-gedeckt. Der Grundriß hat die Krenzform, und am Ende derbeiden Arme stehen die Thürme, südlich der ausgebaute, nörd-lich der bei weitem schwächere uuausgebautc, der 1579 dasKupferdach erhielt und bis zum Adler 205' Höhe hat. Diebeiden verzierten Eingangshallen in der Unterkirche sind die ge-schmackvollsten Nachlässe des Mittelalters, welche Wien an Skulp-turen des 14. Jahrhunderts besitzt. Das ganz verstümmelteGrabmal, nächst der Halle gegen die Chur, zur Erinnerung anH. Otto des fröhlichen lustigen Rath Neidhart Fuchs (nicht derMinnesänger Nithart) ist eine Art Wahrzeichen des Domes. —Das Innere der Kirche hat in 2 Reihen 18 freistehende Pfeiler,davon 6 im Chöre, welche mit Steinbildern unter sehr zierlichenBedachungen versehen sind. Eines der schönsten Werke dieserArt ist die Kanzel, um 1506 unter Anton Pilgrams Leitungvollendet, dessen (nicht Burbaums) Brustbild, auch am Kan-zelfuße zu erblicken ist mit Zirkel und Winkelhaken. Am Fußedes schönen Orgelchores beim St. Peter- und Paul-Altare istein zweites Meisterbild, wahrscheinlich jenes Meister Oechsels,angebracht, der den Orgelfuß begann. Zu beiden Seiten dergroßen und der Heidenthürme sind 2 Kapellen, deren südlichedie Elygius-Kapelle, in voller Reinheit erhalten, die schönstedes Domes ist. Ueber dem Riesenthore ist der große Musik-Chor mit Neuhausers Orgel von 32 Registern. Des herrlichenverstümmelten Grabmals Albrecht III. wurde bereits gedacht.Ausgezeichnet schönes Schnitzwerk mit unerschöpflichen Formen-reichthum zeigen die Chorstühle, um 1480 von Jörg Syrlinaus Ulm verfertigt und der Taufstein von Meister Heinrich 1481.Das bedeutendste Monument im Dome ist das Grabmal Fried-richs III. , von Niklas Lerch begonnen (der den sehr schönen
Sargdeckel noch zu des Kaisers Lebzeiten zu Stande brachte) unddurch einen Meister Michel 1513 vollendet. Außerdem sind zuerwähnen, die Grabmäler Eugens von Savopen, Kuspinians,der Kardinäle Klesel, Kollonitsch und Trautson. Leider hat derherrliche Dom 20 geschmacklose Altäre des 17. und 18. Jahr-hunderts, die nicht mir an den Wänden, sondern auch an denPfeilern errichtet sind, was dem Eindrucke des ehrwürdigenBaues am meisten schadet. Nur einer dieser Altäre hat nochein altdeutsches Bild, eine Maria in ganzer Gestalt auf Gold-grund. Die vielen schönen alten Bilderaltäre sind leider spur-los verschwunden, bis auf den einzigen in der Schatzkammer-kapelle aufbewahrten. Von Altarbildern verdienen nur 3 Er-wähnung, die Kreuzigung von Sandrart 1653, die Kreuztragungaus Dürer's Schule in der Elygiuskapelle, dann das erwähnteMarienbild auf dem Fraucnaltar von 1493. In der Kreuz-kapcllc ist das große Kruzifix, eine sehenswertste Schnitzarbeit.An der Außenwand des Domes sieht man mehre interessantealte Skulpturen, namentlich der leider schon sehr verstümmelteKreuzgang auf dem Golgatha, Jesu Abschied von seiner Mutter,von 1540, dieselbe Darstellung ein zweites Mal, Konrad Cel-tes Grabtafel, das trefflich geschnitzte Kruzifix über der neuenGruft. Der berühmte Stcfansthurm ist seit der Restaurationder Spitze 435'/- Fuß hoch, um 40 Zoll höher als ehedem.In demselben zeigt man Starhembergs Sitz von 1683. Diegrößte Glocke wiegt 354 Zentner (mit Helm und Schwengel402) und wurde 1711 aus türkischen Kanonen gegossen Unterder Kirche sind die berühmten Katakomben, 30 große Gewölbemit Tausenden von Leichen, deren Besuch jetzt nicht mehr ge-stattet ist. In der durch Rudolph gegründeten Fürstengruft wer-den seit Ferdinand VI. in kupfernen Urnen die Eingeweide allerMitglieder des kaiserl. Hauses beigesetzt.
Die Hof-Pfarrkirche der Barnabiten zu St. Michael,wurde um 1220 durch Leopold dem Glorreichen erbaut. Sieist interessant durch die noch erhaltenen vielgegliedcrten romani-schen Pfeiler mit zierlichen Blumen und Blätterschmucke an denKapitälern, welche jüngst ihrer Tünchkrusten entledigt wurden,und die unregelmäßigen Rundbogen-Verzierungen der Außen-wände aber sonst ganz modernisirt. Der Hochaltar enthält einaltes byzantisches Marienbild. Die Eingangshalle ist italienisch,mit einer Gruppe des Erzengels Michael von Mathielly undder Thurm darüber ist ein zierlicher altdeutscher Bau. DieKirche enthält sehr bemerkenswerthe Grabmonumente, darunterbesonders schöne Metallgüsse.
Die Kirche derMinoriten zu Maria-Schnee (italienischeKirche) wurde durch Ottokar 1276 gegründet und zur Zeit desUeberganges vom 14. in das 15. Jahrhundert in der jetzigenGestalt ausgeführt, ist zwar modernisirt, aber die große Ein-gangshalle ist eines der interessantesten Werke dieser Art, wel-ches Wien aufzuweisen Hai. 1846 wurde hier das schöne Mo-saikbild, das letzte Abendmahl nach Leonardo da Vinci aufge-stellt. Seit 1784 ist das sehr schöne Grabdenkmal der durch