einen Dampfbagger zeitweise geräumt, behält aber wohl für im-mer seine zu geringe Tiefe. Ueber denselben führen: die hölzerneAugarten-Jochbrücke, der Franz-Karls-Kettensteg, die Ferdinands-brücke mit einem Steinpfeiler (großes Hinderniß für die Schiff-fahrt in so schmalem Kanal), die neue Franzens-Kettenbrücke,die schönste aus allen, und die Sophien-Kettenbrücke. —In die-sen Donau-Kanal mündet der Alserbach und die Wien, welcheletztere bei heftigem Regen nicht selten im oberen Laufe aus denUfern tritt, und von Schönbrunn bis zum Glacis einen Mühl-graben speiset, der von großer Wichtigkeit für viele Gewerbeist. Ueber dieselbe führt eine Kettenbrücke, ein Kettenstcg, diemassive alte Steinbrückc vor dem Kärnthnerthore, welche ebenabgerissen wird, um einer neuen Raum zu geben, was namentlichwegen des Straßenzuges zur Süd-Eisenbahn hin bereits noth-wendig war; eine zweite steinerne vor dem Stubenthore, einehölzerne Fahrbrücke nächst der Mündung in die Donau und 3hölzerne Stege. Der Brücke nächst der Gumpendorfer Kirchesteht auch der Umbau bevor. Die Ufer sind skarpirt und mitüppigen Akazien dicht besetzt.
An Trinkwasser hatte Wien bis in die neueste Zeit selbstin der inneren Stadt keinen Uebcrfluß, in allen höher gelegenenVorstädten aber Mangel. Diesem abzuhelfen gründete die Erz-herzogin Christine eine Wasserleitung, aber erst die großeKaiser - Ferdinands - Leitung half demselben für immer ab,durch Zufuhr von täglichen 100,000 Eimer filtrirtes Donau-(Seihcr) Wasser. Vor der Nußdorfer Linie heben aus denSaugkanälen 2 Dampfmaschinen das Wasser 170 Fuß hoch auf2270 Kl. Länge, in 3 Hauptbehälter vor den Linien und ver-sorgen 93 neue Auslaufbrunnen nicht nur in den bedürftigenVorstädten sondern auch einige in der Stadt. Artesische Brun-nen zählt Wien ein halbes Hundert und sie sind hier schon seit2 Jahrhunderten im Gebrauche. Die Landwirthschaft-Gcsellschaftließ 1839 auf ihre Kosten vor der Kaserne am Getrcidemarkteinen dergleichen bohren, der aus 411^ Tiefe eine Springquellevon -1-11 Grad Wärme R. lieferte. Der reichste aus alle»ist aber der 1846 im Gloggnitzcr Bahnhöfe gebohrte, welcheraus nicht weniger als 712^ Tiefe täglich 15000 Eimer zu-I- 13 Grad R. giebt.
Die Wiener.
„Capua der Geister" hat Wiens größter Dichter seine Va-terstadt genannt, aber dieser harte Vorwurf trifft mehr die Ver-gangenheit als die Gegenwart, und die Zukunft wird ihn hof-fentlich noch glänzender widerlegen. Seit jeher hat man dieWiener ein lebensfrohes sinnliches Völkchen genannt, aber ohnedabei zu bemerken, daß unter gleichen Umständen jede Bevölke-rung diese Eigenthümlichkeit annehmen würde. Beweis dessen,daß mit den veränderten Bedingungen auch die Lebensweise inWien sich änderte. Zugegeben, daß in früheren Jahren „immeram Hcerde sich drehte der Spieß" so ist durch die Kriegsjahre,den Wucher zur Kongreßzeit, die Mißjahre 1816—17 und durchdie zunehmende Bevölkerung, mit welcher die Verbesserung derLandwirthschaft im Erzherzogthum nicht gleichen Schritt hält,endlich durch den steigenden Lurus der Preis aller Lebensbe-dürfnisse auf eine solche Höhe gestiegen, daß Wien jetzt einerder theuersten Orte in Deutschland ist. Mit dem Preise derWirthstafel in den ersten Gasthöfen Norddcutschlands (15 Ngr.)kann man sich in den ersten Gasthöfen Wiens kaum satt essen.Es ist theurer geworden und der Wiener lebt jetzt deßhalb ebenso einfach als der Norddeutsche. Uebrigens ist längst bewiesenworden, daß die Konsumtion von Wien im Verhältniß zur Be-völkerung durchaus nicht größer ist, als in Berlin, und kleinerals in Paris. Was aber Wien vor den genannten Städtensehr vortheilhaft auszeichnet, ist der geringe Verbrauch von Brant-wein und andern gebrannten Wässern; denn Paris verbrauchtim Verhältnisse der Bevölkerung 1 Million Eimer Wein und40,000 Eimer Brantwein mehr als Wien. Trotz dem ist esnicht selten in Wien Betrunkene zu sehen, wann die Weinbauern
in den Umgebungen ihren „Heurigen" schenken, der eine unwi-derstehliche Anziehungskraft auf die unteren Volksklassen ausübt.Merkwürdig ist es aber, wie der Verbrauch von Bier in Wien,in einem Weinlande, zunimmt, so daß er bereits den Wein ge-drückt hat. Einerseits hat die Bierbrauerei in Wien letzter Zeitsehr bedeutende Fortschritte gemacht und wenn über den Oester-reicher Wein andererseits im allgemeinen Metastasio's Ausspruch„der beste sei nur vorzüglicher Essig" zwar etwas poetisch über-trieben ist, so sind die besseren Sorten jedenfalls verhältnißmäßigzu theuer.
Die Hauptvergnügungen des Wieners sind: Theater, Musikund Tanz, vorzüglich aber Landparthien. Wien hat 5 Theater,das berühmte Burgtheater für das gesprochene Schauspiel, dasKärnthnerthor-Theater für die Oper und die Ballets, dann 3in den Vorstädten, nämlich Laimgrube an der Wien, und Jo-sephsstadt für Darstellungen aller Art, Leopoldstadt für Volks-stücke und Pantomimen insbesondere. Die erstgenannten Vor-stadttheater haben netterer Zeit große Anstrengungen gemacht,eine höhere Stufe zu erreichen, zunächst in glänzender Ausstat-tung, dann in der Oper, und 2 mal bereits wetteiferten siemit dem Opernhause, früher unter Stögcrs sorgfältiger Leitungdie Josephstadt, neuerlich unter Pokorny die Mieden. Die Lco-poldstadt, Wiens altbcrühmte Volksbühne, hat »och immer die2 größten Komiker Deutschlands, Ncstroy und Scholz, und CarlsDirektion hält auf gerundete Darstellung, aber die Einführungdes Vaudcville wird am Geschmacke des Wieners hoffentlich nieein Echo finden.
Ohne Musik kann der Wiener kaum leben, nirgend hört