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7 (1848)
Entstehung
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lang, 52 breit ist, aber auch die innere Stadt selbst ist zu kleinfür das immer zunehmende Bedürfniß und es wird immer schwe-rer zu den vielen dringend nöthigen Staatsbauten Naum zufinden. In dieser Beziehung ist es sehr zu bedauern, daß dieFestungswerke wieder aufgebaut wurden, welche in ihrer festigenGestalt überdieß noch weniger militärische Bedeutung haben alsfrüher. Der Raum, welchen die Wälle einnehmen, hätte zueinem Gürtel von öffentlichen Pracht-Gebäuden benüstt werdenkönnen, die Boulevards weit übertreffend. Das Bedürfniß derAusdehnung machte sich so fühlbar, daß General Cerini einenPlan entwarf, die Stadt nach Nordwest zu erweitern, gegendie Rossau hin, wo das Glacis am breitesten, und Prof. För-ster sogar schon das Modell dieses neuen Stadttheiles öffentlichausstellte, der eine Kirche, Museum, Theater und an 300 Häuserenthalten sollte. Indessen wurden in neuester Zeit durch denUmbau sehr vieler alter Häuser die Zahl der Wohnungen bedeu-tend vermehrt und auch für einige Staatsgebäude Naum ge-wonnen. Am Kärntbncrthore aber dürfte eine Erweiterung dem-nächst wirklich eintreten, um Naum für ein neues Opernhausund eine Börse zu gewinnen. Rühmlichst muß indeß der konse-quenten Bemühung des Magistrates erwähnt werden, der Un-regelmäßigkeit der Straßen immer mehr abzuhelfen, indem beijedem Bau Raum zu diesem Zwecke gewonnen wird; keine ge-ringe Ausgabe bei dem hohen Grundwerthe, wie denn auch inden 3 Jahren 184043 zur Erweiterung der Straßen und aufAblösung von Gründen und Realitäten 354,604 fl. verwendetwurden.

Es ist zu wünschen, daß die Vorstädte, namentlich in ihremAuslaufen gegen die Stadt hin, diesem Beispiele folgen, übri-gens wurde auch hier schon manches gethan und namentlich sinddie Kanäle beiderseits des Wienflusses und die Ueberwölbungdes Alserbaches (18401846) eine große Wohlthat. Der erste-ren wurde bereits erwähnt, letztere ist eines der großartigstenWerke und kostete nicht weniger als 273190 fl. Der ziem-lich tiefe Graben in welchem der Alserbach fließt, und seineZuflüsse aus den Häusern in pestartigen Ausdünstungen wiedergab, ist jetzt so vollkommen überbaut, daß eine Fahrstraßeauf dein Gewölbe führt, und die Vorstädte an seinen Ufernjetzteine Zukunft" gewonnen haben, um einen Mode-Aus-druck zu gebrauchen. Bereits entstehen Neubauten in dieserGegend, wo das Zusammensein der größten Kaserne, des un-geheuern allgemeinen Krankenhauses, des Narrenthnrmes, desMilitärspitals, dreier Siechenhäuser, eines großen Friedhofesdicht vor der nahen Barriere, und des Alserbaches der PhantasieStoff zu den unangenehmsten Bildern gibt. Durch die Eröff-nung eines neuen bequemen Linienthores daselbst in gerader Liniemit der Währingergasse, ist um so mehr einem Bedürfnisse ab-geholfen worden, als nach Ankunft der Dampfschiffe in Nnßdorfdie Döblinger Barriere für den Andrang der hereinströmendcnPassagiere und der Hinausfahrenden nicht Raum genug hat.

Den Stefansthurm zu besteigen ist nicht jedermanns Sache,

aber selbst hätte man ihn bestiegen, so sollte man den Nundgangauf dem Walle nicht versäumen, da man dort jedenfalls nichtnur am besten sich oricntirt, sondern auch eine Reihe schönerProspekte findet*). Wall und Basteien sind fast durchaus mitGartcnanlagcn versehen und dasParadiesgärtchcn" auf derBastei, rechts von der Burg, ist ein reizender Platz (mit einemKaffeehause) wo man die Ansicht des Kahlengcbirgeö hat. Unterdemselben, noch inner der Stadt, liegt derVolksgartcn", des-sen dichter Schatten iin Hochsommer eine wahre Wohlthat ist.Das Glacis, welches die Stadt umgiebt, ist ein ziemlich sorg-fältig gehaltener Rasenplan, nach allen Richtungen hin vonAlleen durchkreuzt, außer dem großen Raume vor dem Fran-zcnsthore, welcher zum Erercierplatz und zu großen Paradendient, wo 15 20,000 Mann Raum zu Bewegungen haben.Am entgegengesetzten Ende der Stadt vor dem Karolinenthore,ist eine hübsche Gartenanlage um ein Kaffeehaus, mit welchemeine Mineralwasser-Trinkanstalt verbunden ist. Der Stadtgrabenist gleichfalls mit einer Papelallce besetzt und die Böschung desGlacis in den Graben hinab hat üppigen Graswuchs; von denBasteien sieht man daher ringsum überall ins Grüne und diesesGrün in Wien" wie Willibald Aleris sagt, ist eine der größ-ten Reize der Kaiserstadt, abgesehen davon, daß der weite Raumzwischen Stadt und Vorstädten zur Gesundheit wesentlich beiträgt.Der Wall ist daher ein sehr beliebter Spaziergang, namentlichdie Südostseite zwischen Burg- und Rothenthurm-Thor, wo esmeistens windstill ist; er wird auch durch die Fortifikation imsorgfältigsten Stande erhalten, nach jedem Regen mit Sandüberstreut zc. Man hat Versuche gemacht, den Weg auf demWall mit Asfalt zu belegen, sowie desgleichen in einer Alleevom Kärnthnerthore zur Wienbrücke. Diese Belegung der Glacis-Alleen würde zwar bedeutende Summen kosten, wäre aber einesehr große Wohlthat, da nach längerem Regen, zumal im Früh-jahr bei schmelzendem Schnee man stets in einem Moraste gehenmuß; ein Hauptgrund, warum der Wiener auch einen Gangin die Vorstadt so scheut.

Von der Donau zieht Wien bei weitem nicht die Vor-theile, die es von einem so großen Strome ziehen könnte, weilin den Wiener Kanal keine größeren Schiffe einlaufen könnenund sogar die Pesther Dampfboote imKaiscrwasser" die Linzersogar bei Nußdorf landen müssen. Nur die kleinen Dampfbootedie zwischen Wien und Preßburg fahren, landen in der Lcopold-stadt vor dem Rothenthurm-Thore, wenn nämlich das Wassernicht zu klein ist; hohes Wasser aber erlaubt ihnen wieder nichtunter der Ferdinandsbrücke durchzufahren. Der Kanal ist vonseinem Beginn bei Nußdorf bis zur Franzensbrücke 2 St. lang,mit gepflasterten Quais versehen, erhielt durch einen Durchstichkürzeren Lauf und besseren Fall bei seiner Mündung, wird durch

*) Der Wiener sagt nichtWall" sondernBastei" noch aus der Zeither als nur einzelne Basteien (Ravelins) nicht aber der Wall selbst(die Courtinen) zugänglich waren.