Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
502
Einzelbild herunterladen
 

502

worden, von der Bürgerschaft auf der Stelle für die bessten Regentender Stadt angesehen und lieh gewonnen seyn würden, wenn diedurch eine bürgerliche Deputation zu veranstaltende Untersuchungzu ihrem Vortheil ausgefallen und dadurch bewiesen worden wäre,dass man sich ihnen dreist und ruhig anvertrauen könne. Darauswäre ferner gefolgt, dass nach so festgesetzter guten Meinungaller Bürger die Mehrheit der Stimmen in den Wahlen dahinausgefallen seyn würde, so gute Magistratspersonen an dem Ruderzu erhalten; man zweifelte daher keinen Augenblick, dass der Rathdie ihm durch die Beschwerden gegebene Gelegenheit, sich zureinigen und so zu seinem eigenen Vortheil die Bürgerschaft vonseiner Rechtschaifenheit zu überzeugen benutzen werde. *)

§. 183. Hiernach war ganz Aachen überzeugt, dass dereinzige mögliche Fall, in welchem man magistratischer Seits derverlangten Untersuchung ausweichen würde, allein dieser sey,wenn nämlich der Rath wirklich so sträflich wäre, als er es nachder Meinung der Bürgerschaft zu seyn schien; und je mehr mansich vor der Bestätigung dieser Meinung förebtete, desto grösserwar die Erwartung.

§. 184-. Sehr unglücklicher Weise traf der letzte Fall ein.Herr Bürgermeister Dauven, von welchem es allein abhieng, wasim Rath für Handlungen vorgenommen werden sollten, ward überdie Uebergabe der Beschwerden aufgebracht und Hess seinen Un-willen in einem Ueberkömmst aus, in welchem er sie ärgerlichnannte, aber doch eine Auskunft versprach. (§. 68.) Es war derBürgerschaft schon ein böses Zeichen, dass man über ihre Klagenaufgebracht zu seyn schien, und sie vennuthete jetzt um so wenigermehr etwas gutes, weil der observanzmässige Weg der Deputationnicht eingegangen worden, da doch der Magistrat eine Untersuchungseiner Handlungen zu gestatten schuldig war, und es bestätigtesich daher die bereits vorher gehabte Furcht, dass keine hinlänglicheAufklärung gegeben werden könne.

§. 185. Doch würde auch hierüber die Aachensche Bürger-schaft wieder beruhigt worden seyn, wenn die von HerrnBürgermeister Dauven versprochene Auskunft so beschaffen gewesenwäre, dass sie die übergebenen bürgerlichen Beschwerden gehörigerörtert und die magistratischen Handlungen gerechtfertigt hätte.Aber diese Hoffnung schlug fehl; die nachher erschienene vorgeblicheBeantwortung liess Herr Bürgermeister Dauven in der Stadt blosan den Häusern austheilen, (§. 80.) wodurch jeder Bürger in den

*) Diese Art von Mäckeley wäre eines Magistrats würdig gewesenund würde gewiss nicht fehl geschlagen seyn, wenn er sie hätte aus-führen können.