Veränderlich^
Die Heraldik war in früheren Zeiten ein lebendiger Runstzweig, undsie ist es jcnr wieder. Die herrlichen Wappenzeichnungen des RitterGrünenberg, eines N »artin Gcbongaucr, Albrecht Dürer, Hans Holbeu,,Jost Aininann u. s. f. und in der Gegenwart Pros E. Doepler jn. u. a.bezeugen zur Genüge, welche weite Spanne der Freiheit zur Bekundungseiner Individualität dein Rünstler gelassen ist.
Den» Wechsel der übrigen Runstformen folgend, bildeten sich in der'Mappenkunst gerade so gut Scilrichtungen aus wie in der Architektur.Diesem Wechsel sind indessen nur die Formen der Bilder, der Figurenunterworfen, nicht die Art derselhen, welche als feststehend, unabänderlichzu hecrachceu ist; z. B. ist im Hiidcwalckcr'schen Wappen, «Theil 2,Seite 125) dem Rünstler die Freiheit gelasien den Mann iii Rci,aissance-,Rococo- oder moderner Tracht darzustellen, mir oder ohne Bart; es mussnur immer ein rothb eklcidctcr Mann seiu. Es ist liicht erforderlich,dass eiu jedes Wappen init Helm und dazu gehöriger Helmzierisi nnd Helmdecken gebildet werde; desgleichen kann die Art Scbild, die Art Helm,die Forin der Hclmdecken willkürlich gewählt werden«
„.Ein Jeder dild's nach seincin RopfSei's Gothik, Renaissance nnd Zopf!"
Die gute Heraldik verlangt eine stilisiere Darstellung des Wappen-Hildes unter Beobachtung des Ilmstandes, dass der Schild eine Flache ist.Es darf also das Wappenbild nicht plastisch aus der Schildflache hervor-treten, sondern es muss flach aufliegen im Gegensatz zu der plastisch zugestaltet,dcii Helmzier. Aus Gründet, der Deutlichkeit liess man in derBlüthczeic der Wappenkunst nur zwei „Metalle" — Gold und Silber sinZeichnungen :c. meist mit gelb und weiss gegeben) - sowie vier „Farben",Roth, Blau, Grün und Schwarz zu und setzte immer nur Metall aufFarbe oder umgekehrt, nie»,als Farbe auf Farbe oder Metall auf Metall.
Bei der Wappcuwähl ist auf grosscmögliche Einfachheit der oderdes Wappei,bilde« Werth zu legen. Wie ii, früheren Zeiten bildet, auchjetzt noch der Beruf, charakteristische Eigenschaften der betreffet,den Person,das Thier- und Pflanzenreich, die ganze Symholik des Christenthums, derWahlspruch u. s. f. eine reiche Fundgrube für geeignete Wappenbilder.Die oft recht aufdringliche Bczüglichkeit der Wappen zum Namen solltehesscr vermieden werden; das Wappen ist kein Bilderrarhsel.
Auf eine sehr anschauliche Weise kau, Goethe zu seiuen, Wappen.^)Im Jahre 1775 schrieb er au den Herzog von Weimar« „FatalesThauwettcr und so der Ton des ganzen verstimmt; wollen sehen,wie wir ihn wieder aufbringen. Der herrliche Morgenstern, den ichmir von nun an zum Wappen nehme, steht hoch am Himmel" u. s. w.Goethe gebrauchte dieses Wappen stets in, Siegel. Als er dann 1782geadelt wurde, erhielt er dasselbe Wappen „verliehet,".
l si «Die Stellung der Helmzier richtet sich nach dem Helm« z. «!ö. ist bei Frontstellung des Helmseine en faee Stellung der Hclmzier-Figur unzulässig. Dir Hclmzier ist keine lvindfalzne! ^ Die einfache-llaubkrone iss kein Rangabzeichen «schon seit Sem >1. Jahrhundert nicht mehr.) Ills willkürlicher Zusatzzur Hcimzicr sollte sie indessen besser fortbleiben.
-) vlur müssen es (bei Uliranwendunz der Helme) wirkliche Schilde nnd keine Schinkcnrcllcr oderdcrgl. sein, auch wirkliche Helme und keine Thcarcr- und Phantasie-LIcchkappcn.
4«) Gocdcckc's Grundr. II. 7ZI.