Nürnberg gegen ein Geschenk von 4 Fudern dieses Weins ihre Freiheitzu. Der gegenwärtige Handel von Dacharach besteht immer »och vor-zugsweise in Wein, nächstdein aber auch in Bier, Stärke und Eisen-waaren.
Die etwa 30 Morgen große Rheininsel unterhalb Bacharach, wor-auf ein Häuschen steht, ist nur durch den in ihrer Nähe gelegenenFelsblock merkwürdig, der in alten Urkunden kZ.-x-cbi von den Um-wohnern Elterstcin, genannt wird. Man betrachtet es als Anzeicheneines gute» Weinjahres, wenn er im Frühling aus dem Wasser her-vorragt. Weiter oben ist das wilde Gefährt, wo der Rhein über einFelsenriff rauscht, von dem gewöhnlich zwei Köpfe sichtbar find. Alter-thums-Forscher leiten den Namen der Stadt von dieser .4,» 0-iccIii ab,während die Einwohner behaupten, er rühre her von ihrem aus demThale von Stecg herabkommenden Bach und dem Thalcinschnitt Rech(Rain) zu beiden Seiten desselben, weshalb der Ort anfänglich Bach-rccha geheißen. Von dem Gang oben längs der Stadtmauer, überwelche viele Häuser weggebaut sind, hat man eine schöne Aussicht aufden Rhein bis Trechtingshansen; ebenso auch auf dem tiefer gelegene»Damm. Mauern, Thürme, Kirchen und Häuser sind aus Schiefer undGrauwacke-Schiefer erbaut.
Pfalz, früher Pfalzgrafenstcin, bei Kaub. Kaiser Ludwig derBaicr wird als der Erbauer dieses Schlosses genannt. Es soll l326entstanden sein. Vielfach im Laufe der Zeiten erneuert, hat dies Ge-bäude, seines weißlichen Anstrichs ungeachtet, ein altcrthümliches An-setzn. Der in der Mitte stehende Hauptthurm, umschlossen von einemsandigen Gärtchcn oder Hof, die Fallthüre gegen Kaub, zu der manauf einer mitzunehmenden Leiter hinanklettert, um das Innere zu be-treten, die lt) runden und viereckigen Thürmchen, die gegen den Stromgerichteten, durch zahllose Eisen-Klammern vcrbundnen Eisbrecher, dieKlippen rings um, welche mit der Sandbank gegen Kaub ein Kreuzbilden: das alles erzeugt eine malerische Gcsammt-Wirkung und be-schäftigt die Einbildungskraft. Obgleich mitten im Rhein hat der inden Felsen gehauene Brunnen im Hofe doch keine Verbindung mit demStrom, sondern enthält gutes Qucllwasser. Er ist nur 20 bis 23 Fußtief. Daneben ist ein ziemlich geräumiger Weinkeller.
Auf einer Treppe von 17 Stufen steigt man zum obern Stockhinan und tritt in den sogenannten Speisesaal der Pfalzgräfin, einmittelgroßes Gemach, das wahrscheinlich als gemeinsames Wohn- undEßzimmer der kleinen Besatzung dieser Rheinfeste gedient haben mag.Davor befand sich ei» großer Feuerherd (die sogenannte pfalzgräflicheKüche), der jetzt außer Gebrauch ist. Man kommt sodann in das an-gebliche Entbindungszimmer, augenscheinlich eine Wachtkammcr, vonwo aus der Vcrtheidigungsgang um den östliche», nördlichen und west-lichen Theil der Pfalz sich zieht. Jenes berühmte Stübchcn hat nureine gegen die östlichen Berge gerichtete Schießscharte und bietet kaumPlatz zur Aufstellung eines Bettes, geschweige denn andrer Möbel.Es ist höchstens 7 Fuß lang und 5 Fuß breit. Im Mittclthurm, zudem man über eine hölzerne Brücke gelangt und 106 Stufen hinan zusteigen hat, befinden sich über einander zwei sehr traurige Staatsge-fängnisse. Oben hat man eine beschränkte Aussicht aus das von 800bis 90t) Fuß hohen Bergen umschlossene Becken von Kaub. In demgegen Nord gerichteten Thurm ist die mit Nr. ll, l2 und t3 bezeich-nete ehemalige Wohnung des Kommandanten, bestehend in Küche,Wohn- und Schlafzimmer. Sie ist neu geweißt, mit Tischen undStühlen möblirt und der einzige noch wohnliche Theil der Pfalz. Eshängt darin eine eiserne Fußschelle, welche man in dem nahen, etwa43 Fuß tiefen, Verlies gefunden. Das auf der Südseite angebrachtekurpfälzische Wappen wurde l734 durch den Eisgang zum Theil zer-trümmert. Ueber dem Eingang schwebt noch das >»it spitzen Eisenzackcnbesetzte Fallgatter. Die Gebäude, welche jetzt unbewohnt sind, gehörenzur nassauischen Staatsdomäne. Um sie zu besuchen hat man sich anKarl Herwig, in Kaub, zu wenden.
Kaub, Stadt mit t600 Einwohnern am rechten Rheinufcr, dessenHäuser-Reihe sich längs dem Fuße der Platte, auf deren Börsprungdas Schloß Gutenfels liegt, von der Mündung der vom Weiselcr-Bach
durchslosseuc» Schlucht bis zu jener des Volkcnbach-ThalchenS erstreckt.Der Ort entstand im frühen Mittel-Alter n»ter den Grafen von Nü-ringen, welche schon im l2. Jahrhundert ausstarbcn. Gegen Ende desl3. Jahrhunderts 7am er an Pfalz und wurde 1620 von den Kaiser-lichen erobert, dann II Jahre nachher von den Hessen erstürmt undabermals ll Jahre später wieder von den Kaiserlichen eingenommen,welche ihn noch 3 Jahre besetzt hielten. Der an den Abhängen desGutenfels gewonnene Wein ist geschätzt. Er bildet den Hanptverkehrder Einwohner, nebst dem vortrefflichen Schiefer, der in der Nähe inMenge gebrochen und zneistcntheils zum Dachdecken verwendet wird.
Kaub mit seinen engen mit ziemlich hohen Spitzgiebel-Häusern be-setzten Gassen, seinem weißen jetzt zur Apotheke gehörigen Thorthurm,dem 70 Fuß hohen schwarzen Rundthurm oben und dem weißen Thurmunten, der weißlibertünchten Kirche, der alten Stadtmauer (längs derein bedeckter Gang sich hinzieht und die an einigen Stellen noch bei30 Fuß hoch und zum Theil mit Zinnen versehen ist), und den hübschenWeingärten, überragt von den malerischen Trümmern der Burg Gu-tenfels, ist ein recht anziehender Punkt. Eigenthümlich ist der hcllrothangestrichne Brunnen, mit dem grünen Löwen als Schildhalter, vorder Kirche. Die besten Gasthäuser sind: grüner Wald, nassauer Hof,Schiffchen, Stadt Heidelberg, Weinberg, Krone, Stern. — Bei Kaubging Blücher den l. Januar 1814 mit seinem Armeekorps über denRhein.
Gutenfels. Von Kaub ersteigt man in 10 Minuten diese Burg,deren Ursprung sich in das frühere Mittclalter verliert. Im 14. undl3. Jahrhundert wurde sie Kube genannt und scheint mit der zu ihrenFüße» liegenden Stadt damals den gleichen Namen geführt zu haben.Wann und weshalb sie Gutenfels genannt worden, läßt sich nicht ge-nau bestimmen. Die Sage von den« schönen Fräulein von Falkenstcin,Beatrix oder Guta, „welche den zum deutschen Kaiser erwählten Ri-chard von Kernwallis, als er zur Krönung »ach Frankfurt zog, aufdieser Burg ihres Bruders zuvorkommend empfangen und bewirthethaben soll, weshalb er sich später mit ihr vermählte", beruht auf kei-ner geschichtlichen Basis. Nur so viel ist gewiß, daß diese Feste früherihre eignen Burggrafen hatte. Wilhelm von Hessen belagerte Schloßund Stadt 1304 ohne Erfolg. Eine Steinschrift an der Stadtmauer,beim Zollhause zu Kaub, bietet eine Art Spottgedicht über dies Unter-nehmen. Gustav Adolf von Schwede» hielt sich einige Zeit in Guten-fels auf, während Spinola mit seinen Spaniern auf dem entgegenge-fetzten Ufer sich befand. Die Burg war noch in ziemlich gutem Zustande,als sie 1803 auf Napoleons Befehl zerstört wurde. Später wurde sieauf den Abbruch versteigert und gehört jetzt dem Archivar Habcl, dersie verschlossen hält. Uni das Innere zu sehen, hat man sich an denSchnllehrcr Müller zu wenden. Ein gewölbter Durchgang führt inden jetzt zu einem Garten umgestalteten Hof, worin sich ein kleinerFclsenweiher von 60 Geviertfuß Größe befindet. Hoch über dem Felsenzieht sich die Ringmauer gegen den Berg. In der Mitte erhebt sich der130 Fuß hohe, unten runde, oben viereckige Hanptthnrm. DaS schöngelegne Gebäude gegen Süd ist ohne Dach und bis zum untern Ge-schoß abgetragen. Der daneben nach dem Innern der Burg führendeWeg ist noch gepflastert. An der Stelle andrer Gebäude find Wein-gärten angelegt und in einer Nische stehen Bänke. Ein kleines grünesGemach, mit einigen Möbeln und einem eiserne» Ofen, ist der einzigenoch bewohnbare Theil der alten Burg. Auf 27 breiten Schiefer-Stu-fen steigt man zum Hauptgebäude hinan, in das man durch eine Rund-bogenthür tritt. Seine Einrichtung scheint mehrmals Veränderungenerlitten zu haben; denn man bemerkt große Rundbogen, die vermauertworden und an deren Stelle man Fenster geöffnet hat. Wo früher Prunk-gemächer waren, wachsen jetzt Bäume. M den Wänden gewahrt mannoch Eisen für Laternen nud Holzverkleidung. Die Küche hat noch ih-ren Feuerherd; aber der Brunnen ist verschüttet. Die Aussicht vondieser Höhe, namentlich dem vorgebauten Wachthäuschen, auf den tiefunten sich schlängenden Rhein, anf Ober-Wesel und Schönberg, wieauf die Dörfer Henschhausen (230 Einw.) und Langscheid (230 Seelen)ist sehr hübsch. Der Rhein bildet fast ein sceähnliches Becken zwischenKaub und