grauer Thurm mit kleinem Spitzdach später angebaut worden, enthälteinige sehenswcrthe Denkmäler von frühern Rittern und Bürgern vonLorch, vom IZ. bis zum 16. Jahrhundert. Vor derselben steht ein al-tes Kruzifix von 1491, auf einem Picdestal von steinernen Todtenköpfen.Die Figur des Heilandes, leider weiß überiüncht, ist sehr schön. Dereiserne Grabstein, neben der westlichen Kirchcnthür, ist von 1666 undzum Andenken der Gattin des Gcrichtsherrn Brcsnal gesetzt worden.Auf der Ostseite der Kirche sind mehre schöne Glasgemälde; die bestender früher vorhandenen, meistentheils Wappen der Edeln von Lorch,befinden sich jetzt i» der Sammlung des Frecherrn von Zwicrlein, zuGcisenheim.
Lorch ist viel älter, als es scheint nach den meisten seiner Häuser,oder selbst nach seinem runden Uferthurm mit neuer Zinne und seinem565 Fuß über den Rhein erhöhten Wartthurm Nollich, gegen dendie bekannte Felswand der Teufels-Leiter sich erhebt. Denn unter denRömern soll hier schon ei» Ort, bau, «»<-»>» genannt, gestanden haben.Durch seine Wollenwcberzunft, die 366 Stühle in Bewegung setzte,war Lorch im Mittel-Alter ein wohlhabender Ort geworden. Bei derReligions-Spaltung im 16. Jahrhundert wanderten die meisten bemit-telten Leute aus und seitdem ist der Flecken sehr herabgckommen. Unterden ältern Häusern verdient das, von Hilgcn von Lorch 1546 erbaute,seiner Eigenthümlichkeit wegen, beachtet zu werden. Es gehört jetztdem Baron von Hausen, ist mit seinem in neuerer Zeit abgerundetenSpitzgiebel fünfstöckig und mit einem nicht in der Mitte befindlichen,sondern neben der Vorderthür sich erhebenden Erker versehen, um densich im ersten Stock ein Altan schlingt. Dieser letzte ist mit 14 Fami-lien-Wappcn und einem steinernen Brustbild geschmückt, einen Ritterin seiner Hauskleidung darstellend. Neben diesem Bilde sind 4 Lilienangebracht. Ueber der Thür, wo die Jahreszahl der Erbauung cinge-haucn rst, zeigt sich, ebenfalls in Stein, ein Geistlicher <wie scmhinter ihm liegendes Brevier beweist), der einem jungen Frauenzimmereine» vollen langen Humpen darreicht, während jenes die Hand erhebt,um ihn zu empfangen. Oben, über einer Säule, steht ein Amor miteiner Schlinge ans den Schultern. Die Thüre hat Säule» zu beidenSeiten. Die Höhe des Rheinwasscrs erhob sich hier den l7. Januar1841 bis auf 8 Fuß über dem Steinpflaster und den 18- Januar 1311noch anderthalb Fuß höher. Man sieht das vorbemerkte Haus recht gutauf dem Rhein. Es steht unterhalb der Kirche, nahe beim Gasthauszum rheinischen Hof.
Lorch ist seiner trefflichen kleinbcrger Trauben wegen vorzüglich zueiner Traubenkur geeignet. Es hat gute Gasthäuser, namentlich die:rheinischer Hof, Schwan, Lilie, drei Könige, Krone und Traube;Die steile Felswand der Teufels-Leiter soll der Sage nach ein Rit-ter Hilgen von Lorch auf seinem Rosse erklimmt, und durch diesWagstück die Hand eines schönen Burgfräulcins sich erworben ha-ben. Die Ruine des mittelalterlichen Wartthurms und des dazu ge-hörigen mittelgroßen Gebäudes (angebliche Stammburg der Ritter vonLorch, die schon 1116 vorkommt) ersteigt man von Lorch in s/, St.Außer einer schönen Aussicht gegen Bacharach und TrechtingShauscn,wie über den untern Theil des Wisperthals und die benachbarten Berge,bietet dieser Punkt nichts merkwürdiges. Die Angabe, daß auf ihmein Römer-Kastell gestanden habe, ist durchaus ungegründet; höchstensdaß die mittelalterliche Warte auf den Grundmauern einer aus frühe-ren Zeiten herrührenden erbaut worden. Die Burg Fürsteneck, welchein der Nähe des mit seinen alten Thürmen zum Theil noch vorhande-nen Orts-Umschlusscs, auf der rechten Seite der hier, unter einerhübschen Bogenbrücke, in den Rhein sich ergießenden Wisper gestandenhaben soll, ist spurlos verschwunden. Lorch hat ein großes, nächst derKirche gelegenes Schulhaus. Der Hauptnahrungszwcig seiner Ein-wohner ist Weinbau. Die am meisten bevorzugte Lage für denselbenist im Bodenthal, dessen Ertrag dem von Asmannshausen nahe kommt.
Fürstenberg. An der Oeffnung des Thals, worin 26 Minutenoberhalb das von 666 Einwohner» bevölkerte Dorf Ober-Diebach liegt,ist unterhalb des kleinen Weilers Winzberg ein überraschendes Echo.Fürstenberg, noch gewaltig in seinen bedeutenden Ueberresten, bildeteinen der malerischsten Punkte am Rhein. Die Burg wird schon im
12. Jahrhundert genannt. Im 36jährigen Krieg hielten sie die Schwe-den, und im orleans'schen Kriege die Franzosen besetzt, von denen siezerstört wurde. Noch steht davon aufrecht ein mehr als 166 Fuß hoherMittelthurm mit 12 Fuß dicken Mauern, deren Mächtigkeit in der obernHälfte sich un> 3 Fuß vermindert. Ein schmaler Durchbruch aus neuererZeit vergönnt unten in das Innere zu gelangen. Aber die Ersteigungdes Thurmes, von dem der oberste Theil abgeworfen worden, ist nichtmöglich. Der Eingang in die Burg war hinten vom Thal. Hiersteht noch der Stumpf des alten Thorthurms, und aus der den Burg«graben bildenden Felsenschlucht erheben sich die beiden Pfeiler der frü-heren Brücke. Von den übrigen Gebäude» sind noch zahlreiche 4 bis6 Fuß dicke Mauern vorhanden. Die Felsen, worauf sie stehen, sindglatt abgeschnitten. Die Aussicht von dieser Höhe rheinauf- und ab-wärts ist sehr lohnend. Man ersteigt die Burg in 6 bis 3 Minuten.Der fürstenberger Wein, von weißer und rother Farbe, war frühermehr geschätzt als in unsrer Zeit. Sowohl von diesem als dem be-nachbarten Gewächs, wurde noch im vorigen Jahrhundert der soge-nannte gefeuerte oder gekochte Wein zu Ober-Dicbach bereitet.
Bacharach. Uralte Stadt, höchst wahrscheinlich die Ill-im-»»,der Römer, hat jetzt nur 1266 Einwohner, war aber im Mittelalterbedeutender. Als Hauptstapelplatz des Weinhandels am Rhein war ihrVerkehr sehr stark. Die über ihr thronende weitläufige Ruine Ttahleckwar die Wiege des Geschlechts der Pfalzgrafen, wo Konrad von Hohen-staufen einige Zeit hauste und Friedrich der Rothbart, Friedrich II.,Kaiser Ruprecht u. m. a. längere oder kürzere Zeit verweilten. DieWittelsbacher hielten hier häufig ihre Hoflagerungeu, bis Otto derErlauchte um 1246 seine Residenz nach Heidelberg verlegte. Die Festewird schon 1696 ^urkundlich genannt und das Ritter-Geschlecht vonStahlcck, von den Wölfen von Sponheim abstammend, scheint einsder mächtigsten in den Rheinlanden gewesen zu sein. Dem Ansehennach gewaltig durch seine 14 Fuß dicken Mauern, wurde das Schloßim 36jährigen Kriege dennoch achtmal hinter einander erobert, 1646verwüstet, 16 Jahre später wieder hergestellt und endlich 1689 vonden Franzosen gänzlich geschleift. Die Ringmauern der Stadt, niit12 nach innen offnen Thürmen besetzt, hingen mit der Burg zusammen,in der man die Inschrift auf einer rothen Sandsteintafel liest: „O-u-IlluävviF, llllll/.Aial, Lnrlurst erneuert mick ^nno 1666." Die Rnineist jetzt Eigenthum der Königin von Preußen. Hinter derselben ziehtsich die nach Simmcrn führende Landstraße hin. Auf derselben gelangtman nach Stahlcck i» s/z Stunde, auf dem unmittelbar von derStadt ansteigenden Fußwege aber in 16 Minute». Man hat von dieserHöhe eine herrliche Aussicht, stromaufwärts bis Trechtiugshausen undstromabwärts bis jenseit Kaub. Mehr rückwärts, gegen Abend, sinddie bewaldeten Gipfel der Schlaghöhc und des WeierkopfS, beide über1666 Fuß hoch.
Die zum Andenken des Märtirer-Knabens Werner (den die Judenangeblich zu Ober-Wesel gemordet) im reinsten gothischen Geschmack er-baute Kirche, welche auf der Höhe unter dem Schlosse steht, wurde inder vorerwähnten Unglückszcit ebenfalls ausgebrannt. Der vorderegegen die Stadt gerichtete Theil ist muthwillig abgebrochen worden.Von dem Ueberrest sind noch 13 ganze hohe Fenster vorhanden, na-mentlich die des Chors, den jedoch, wie das Ganze, kein Dach mehrschirmt. In der weiter unten befindlichen uralten sehr schwerfälligenehemaligen Templer-Kirche (deren gegen die Straße gerichteter Chormit dem aus dem 16. Jahrhundert herrührenden Pfarrchor des Domszu Mainz viele Aehnlichkeit hat) und die zum evangelischen Gottesdiensteingerichtet ist, bemerkt man zwei alte Steinbilder. Die katholischeKirche des ehemaligen Kapuziner-Klosters hat nichts ausgezeichnetes.Alterthums-Forscher wollen, daß zu Bacharach ein Römer-Kastell ge-standen habe. Höher erheben sich kahle Berge, deren höchster Gipfel,der Rabcnkopf, über 1766 Fuß hoch ist. Die Weine von Bacharachgehören zu den besten am Rhein. Die ausgezeichnetsten Lagen sind amSchloß-, Vogts- und Kllhlberg, wie bei Ober-Diebach, Mannebach(166 Einw.), Neurath (156 Seelen) und Steeg (766 Einw.) PapstPiuS II. (Xenons Szlvius) ließ sich von diesem Muskatellerwein jährlichein Fuder nach Rom bringen und Kaiser Wenzel gestand der Stadt