verstorbenen Erzbischofs Wilhelm von Gennep. Nicht dasCapitel, sondern ausnahmsweise der Papst Clemens VI. erhobihn zu dieser Würde und weihte ihn i. I. 1349 selbst. Ihmverdankt der Chor den setzt noch stehenden, 1356 errichteten,Altartisch.
Ferner verdient noch die an der gedoppelten Reihe vonChorstühlen befindliche Schnitzarbeit die Aufmerksamkeit desBeschauers. Der daran wahrnehmbare Aufwand von Men-schen, Thieren, Phantasiegebilden und Laubgewinden dient zumBeweise, in welchem Grade man auf die Ausschmückung selbstuntergeordneter Theile dieser Kirche bedacht war — und welcheFülle von längst verschwundenen Kunstgegenständen jeder ArtChor und Kirche vor fünf Jahrhunderten noch mehr verherr-licht haben mag.
Ehe wir nun aus dem untern Theile des Chors zu dessenhöher gelegenem Theile schreiten, möchten wir dem Besucherdes Domes einen Sitz in dem südlichen Theile des Chorge-stühls anweisen, um ihn in Stand zu setzen, den Blick destobequemer noch einmal nach dem Gewölbe zu erheben: einneues Staunen wird sich hier des Fühlenden bemeistern. Die-ses Zeltdach, von dünnen Rohrstäben gleichsam getragen, läßtuns fast wähnen, es stsige noch immer sich hebend aus demBoden hervor, und es läßt sich nicht läugnen, daß in demlanbenartigen Geflechte der Gewölbrippen eine wunderbareMagie liegt.
Und nun diese Glasteppiche, welche in feierlichem Ernst,dem Auge alles Irdische entrückend, was außer dem Raumedes Tempels liegt, den Gläubigen auf sich und sein Gebetbeschränken, und dennoch seine Sinne durch jenen Farbenhim-mcl geistig entschädigen: wen ergreift nicht ihr Zauber? —Um viel wirksamer wird aber diese Farbenpracht sich ausspre-chen, wenn die sämmtlichen Chorfenster von ihrer fünfhnndert-jährigen Verkalkungs-Kruste befreit sein werden, wie man jetztschon die Reinigung an sechs derselben auffallend wahrnimmt.
Daß man übrigens schon bei der Einweihung des Chors,i. I. 1322 nämlich, die planmäßige Ausbauung des Domesnicht zu den nächsten Erwartungen gezählt haben mag, scheintaus der einstweiligen Giebelmauer und den wohl nicht vielspäter darauf gemalten kolossalen Wandgemälden hervorzugehen,welche wir über der Orgel erblicken. Sie stellen in der Cha-rakteristik jener Zeit den Heiland, in einem Thronsessel sitzend,dann die beiden hh. Apostelfürsten Petrus und Paulus, über26 Fuß messend, dar.
Dem Kasten der sehr vortrefflichen, übrigens nicht ganzvollständigen, Orgel wird der Stilkundige bald abmerken, daßderselbe nicht dem Zeitalter augehört, in welchem der Chor ge-schaffen wurde; denn Form und Anstrich zeugen auffallend vonjüngern Epochen, deren eine durch die im Schnitzwerk ange-brachte Jahreszahl, 1572, bestätigt wird. Störender abernoch, als von dem Orgelkasten, wird das knnstgcübte Augevon dem unter der Hrgel befindlichen Portal und seinen Glas-fiügcln berührt; wenigstens wäre ihm ei» Spitzbogen und eine
dem Baustil des Domes mehr entsprechende Gestaltung zuwünschen gewesen. —
Betritt man nun das um fünf Staffeln erhöhte Presbyte-rinm, so gelangt man auf einem mit lüttichcr Marmorplattenwürfelartig ausgelegten Boden zum Hochaltar.
Ihn bedeckt eine 16 Fuß lange, 8 Fuß breite und 1 Fußstarke schwarze Marmorplatte von Dinant, welche aber aneinigen Stellen kaum noch 3, an andern 5 Fuß in der Tiefesichtbar ist. Die Vorderseite des Altartisches zeigt die Apotheosisder Jungfrau Maria und zwölf Apostelbilder in äußerst zier-lichen Prachtgehäusen, alles aus weißem Marmor hoch erha-ben gearbeitet und schwarz unterlegt. Leider wurde aber auchder Hochaltar bei Gelegenheit seiner modernen Anfputzung,i. I. 1776, eines Theils seines ursprünglichen Schmuckes be-raubt; denn an der Rückseite desselben befanden sich in ähnlicherArbeit die Propheten, welche dem von der ersten Anordnungdes Altars so fremdartig abstechenden Um- und Anbaue weichenmußten. Ueber dem Altartische befanden sich zu der Zeit, inwelcher die Erzbischöfe, das Antlitz zum Volke gewendet, ander Rückseite des Altars das Opfer verrichteten, nur ein Cru-cifix und einige Leuchter.
Bei der Modernisirung des Chors i. I. 1776 aber ge-rieth man auf den Gevankcn, hier den Spruch zu versinnlichen:„Die Weisheit hat sich ein Haus erbaut und sieben Säulendazu gehauen." Auf diese Weise ist nun der Altartisch mitdem gegenwärtigen, aus cararischem Marmor und vergoldeterBronce gefertigten, auf sieben gereiften korinthischen Säulenruhenden, tempelförmigen Aufsatze überbaut worden, dessenUntersatze an den beiden Seiten noch zwei schneckenförmigeAuswüchse angefügt wurden, auf welchen links die JungfrauMaria mit dem Jesuskinde und rechts der h. Petrus sitzenddargestellt sind.
An dem Hintertheile deS Altars hat man in dem Unter-satze die Abbildung des h. Eugelbertus in ruhender Stellungmit zwei Engeln, aus weißem Marmor gefertigt, angebracht,und den Zugang zn dem Innern des Aufsatzes vermittelst einerMarmortreppe von sieben Staffeln bewerkstelligt.
Von den beiden Seitenallären des Chors, welche gleich-zeitig mit dem Aufsatze des Hochaltars entstanden, ebenfallsaus weißem carrarischcm, röthlichem St. Remmy-Marmorund vergoldeter Bronce gearbeitet sind, ist der rechts stehendedem h. Patroclns *), »nd jener an der linken Seite dem h.Antonius, Einsiedler, gewidmet, deren Abbildungen sie tragen.Gemäß den daran angebrachten Wappen haben sie die GrafenFuggcr und von Oswald zu Stiftern.
Auch diestn Altären, welche bei ihrem kostbaren Materialin einer modernen und minder hohen Kirche einen nahmhaftenEindruck zu machen geeignet sind, wäre zn wünschen, daß siein einem dem großartigen Charakter des Domchors mehr zu-sagenden Stile gebildet wären.
Nach M. D. dc Noel, der Dom zu Köln. 2. Aufl. Köln 1857.
*) Nach Crombach dem h. Jvo. Diese Angabe setzt zwei frühere Altärean denselben Stellen voraus.