rcillsteil erhabensten Formen der Baukunst dar. Unsre von edlerein Grmeingeist wieder mehr ge-hobne Zeit sticht das vor Jahrhunderten begonnene Werk seiner Vollendung näher zu rücken, unddie Donlbanvercine in allen Theilen von Deutschland, selbst von Protestanten gestiftet und gekräftigt,zeugen dafür, daß die Beisteuernden nicht nur einem kunstsinnigen, sondern auch sich brüderlich hel-fenden und gegen Andersgläubige duldsamen Volk angehören wollen. Diesem ivundervollen Gottes-hanse sind 5 Blätter dieses Bandes gewidmet. Möge die Zeit nicht allznfern sein, in der das Blatt,das des Domes Schiff und Doppclmast vollendet darstellt, der Wirklichkeit nicht vorgreift '*).
Welch' eine bildende Kraft in einem Werke wie das folgende liegt, wie es zugleich ein reden-des Denkmal der Kunst- und der Culturgeschichte ist, das erkennet sich leicht. Aber auch noch an-dren Gewinn trägt es in sich. Wie z. B. Simrock's Rheinsagen jedem sinnigen Reisenden in denbetreffenden Gegenden werthe Begleiter sind, so vermitteln diese Blätter die deutlichste Rückerinne-rnng, oder geben den besten Ersatz für die, denen jene paradiesische Welt zu sehen nicht vergönntist. Die beiden Werke ergänzen sich gegenseitig, denn die Sagen sind meist eng mit den örtlichenverfluchst und verlangen dessen Anschauung und dieses ist oft nur Scholle oder Stein für den,welchem die örtliche Sage und Geschickte fremd ist.
Als eine gewiß willkommene Beigabe stehe hier Nückert's Gedicht vom hohen Dom zu Köln, theils in Bezug auf dasoben Gesagte, theils nm eine Notiz daran zu reihen, die an sich interessant, hier weniger übersehen werden dürfte,als in dem nachfolgende» Terte zu Köln.
Der hohe Dom zu Köln!Ein Denkmal alter Zeit,Der deutsche» Herrlichkeit,Im Alter längst ergrautUnd noch ntcht ausgebaut!
Der Meister, dcr'S entwarfBaut' es nicht aus und starb iNiemand möcht' sich getrau'»Seitdem ihn auszuban'n,Den hohen Dom zu Köln!
Die deutsche HerrlichkeitGing unter mit der Zeit,
Wer dacht' in solchem Grau'nDaran, ihn aufzubau'n.
Den hohe» Dom zu Köln!
Es lag in FinsternißDes Meisters Plan und Riß.
Jüngst hat man ans der NachtDen Plan ans Licht gebracht,
Vom hohen Dom zu Köln!
Umsonst ward nicht entdecktDer Plan, der war versteckt;
Der Plan sagt es nns laut-Jetzt soll sein ausgebaut,
Der hohe Dom zu Köln!
Im Jahr 1814 hatte nämlich der Maler Scekatz, nm ein Transparent zu fertigen, auf dem Dachboden desGasthauses zur Traube in Darmstadt nach brauchbare» Zuthaten gesucht und eine alte beschmutzte Pergamentzeichnunggefunden, welche die französische Commission, die nach dem Lünevitlcr Frieden in jenem Gasthofc die Kölner Archivetheilte, unbeachtet hatte liegen lassen. So kam sie glücklicherweise in die Hände des Oberbaudirectors l>r. G. Moller,der sogleich mit unbeschreiblich freudiger Verwunderung den alten Vauriß des Portals und Thurms vom Kölner Domerkannte und den unschätzbaren Fund durch ein gestochnes Facsimile im Jahr 1818 zum Gemeingut machte. Das Ori-ginal verehrte er Sr. Majestät dem Könige von Preußen, als dem Fürsten, der zur Erhaltung und Vollendung einesso bewunderungswürdigen Denkmals deutscher Baukunst vorzugsweise berufen war. Durch den Darmstädter Aufrißund einen zweiten auf Moller's Veranlassung 1816 in Paris gefundenen wurde sodann der um die deutsche Kunsthochverdiente Dr. Sulpiz Boisscrbe in den Stand gesetzt, sein unsterbliches Prachtwerk über den Dom auszuführen.Die Frage, ob die Vollendung des Doms möglich und wünschenswerth sei, hat Niemand früher und mit besseren Grün-den bejaht, als wiederum Moller in seinen trefflichen Bemerkungen über die aufgefundene Originalzeichnung, Darm-stadt 1818.
Darmstadt, 15. December 1846.
l)i. Karl Wagner.