Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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die oberhalb sich zeigende St. Martins-Kirche, eine Silber- und Kupfcr-schmelze, 18 bis 20 Mühle», theils am Braubach, theils am Mühlen-thalbach, die Blei- und Silber-Zechen Roseyberg und Philipp, derdinkholder Mineralbrunnen und der Eckhards- und Salzborn. Der Ort,zum Theil in das vom Braubach durchflossenc Mühlenthal hineingebaut,wird urkundlich schon im 9. Jahrhundert genannt; im 13. waren dievon Eppstcin Eigenthümer desselben und 1288 erhielt er von KaiserRudolf die Vorrechte einer freien Stadt. Später kam er an Pfalz.Philipp von Katzcnelnbogen stiftete 1437 auf der Burg, die bis dahinmit der Stadt den gleichen Namen trug, eine dem heil. Markus ge-widmete Kapelle, nach welcher sie fortan Marrburg genannt wurde.Branbach war von 1576 bis 1584 die Residenz des Landgrafen Philipp II-von Hessen, der hier das Schloß Philippsburg, zum Wittwcnsitz fürseine Gemahlin erbaute. Unter dem gleichen Namen ist dasselbe nunein Gasthof. Gut und dillig logiert man bei dem Bäcker Thum; fer-ner im Nassauer Hof, dem weißen Schwan, den vier Jahreszeiten, demrothen Ochsen und dem grünen Wald.

Die alte Kirche im untern Theile der Stadt soll abgebrochen undan einer mehr gegen Neberschwemmungen gesicherten Stelle eine andreaufgebant werden. Die oberhalb des Orts auf der Höhe gelegneSt. Martins-Kapelle, wo nach einer Urkunde von 1242 die feierlichenGerichts-Verhandlungen gehalten wurden, ist nicht mehr im gewöhn-lichen Gebrauch. Weder das Innre noch das Aeußere des spiygiebeligenRathhauseS ist bemerkenswerth. Der untere ehemalige Stadtgrabenhat sich in eine Straße verwandelt und von der auf dieser Seite ge-legnen Burg Rinberg, die vom 13. bis zum 15. Jahrhundert bestand,ist jede Spur verschwunden. Das Städtchen Braubach, dessen Innreswinkelig und düster ist, hat über 1590 Einwohner. Die in neuesterZeit in seiner Nähe entdeckten Mineral-Quellen werden nicht so hänsiggebraucht, als sie es verdienen. Ein fahrbarer Weg führt von hierüber das oderlahnstciner Jägerhaus nach Bad Eins in 2'/, Stunden.

Marxburg. Auf einem hohe», steilen Felsen unmittelbar überBraubach gelegen, und 4v9 Fuß über dein Rhein, erregt diese alt-graue Feste, mit ihrem viereckigen Mittelthurm und halbrunden süd-lichen Eckthurm einen sehr anregende» Eindruck. Durch längs des Ab-hangs hinabgebaute starke Mauern und Thürme, wovon gegen Ost»och mehre theilweis vorhanden sind, war das Schloß unmittelbar mitder Stadt verbunden. Landet man oberhalb der Stadt, so ersteigt man,vorüber an der Martins-Kapelle, hinter der sich ein freundliches Thäl-chen befindet, die Marrburg in einer halben Stunde. Es befindet sichauf derselben eine Besatzung von nassauschen Invaliden, mit einemMajor als Kommandanten und einem Lieutenant. Die Vertheidigungs-Mittel bestehen in 5 eisernen Kanonen von verschicdnem Kaliber. DerFremde wird auf militärische Weise empfangen und erst nach vorherigerRapportirung eingelassen. Das Innre der Burg ist noch in demselbenZustande, wie im 16. Jahrhunderte. Man besucht das kleine Gemach,worin Kaiser Heinrich IV. gefangen gehalten worden sein soll und dasnur mit einem stark vergitterten sehr kleinen Fenster versehen ist. Beiweitem wohnlicher sind die für Staatsgefangnc unsrer Zeit bestimmtenZimmer Nr. 7 und 8 eingerichtet. Sogar die Stube in dem vorsprin-gendem Thurm, worin der Dilettant in Malerei und Poesie, Politikund Musik, Metternich, 2'/z Jahr, von 1832 bis 1834, gesessen, istbei weitem bequemer als der enge Raum, worin man den unglücklichenKaiser eingekerkert. Metternich hat Denkmale seiner Fertigkeiten zu-rückgelassen, in Wappen und andern Malereien bestehend. Die Aussichtvon der Marrburg sowohl rheinabwärts bis gegen Koblenz, als rhcin-aufwärts bis gegen Oberspai und in das Innre des Landes diesseit undjenseit des Rhems, ist sehr abwechselnd.

Rhens, am linken Ufer, ein altes, bereits 669 Kurköln gehöri-ges, wenig hübsch gebautes Städtchen mit 1599 Seelen. Sein obenrunder halbweißer halbgraucr Thurm und seine alten Häuser machen,in Uebereinstimmung mit der zum Theil eingestürzten hohen Stadt-mauer mit vorspringenden Thürmchen und der mehr zurück auf einerHöhe stehenden gothischen Kirche mit weißem Thurm, beide aus dem15. Jahrhundert, eine nicht unangenehme Wirkung in der Landschaft.Die vielen Thalcinschnittc in die 899 bis 999 Fuß hohen Berge und

die herrlichen Nußbäume ringsum, mache» dies«» Effekt »och eingrei-fender. Auf der Nheinseite gewahrt man zwei Thore und das alter«thümlichc Gasthaus Königsstuhl. Im Innern der Stadt sind die Gag-hänser goldner Stern, grüner Baum, Krone, weiße Taube und rotderOchs. Das größte und angenehmste aller Thäler bei Rhcns, ist dasvon Brey, welches unter dem gleichnamige» von 499 Menschen be-wohnten Dorfe beginnt und sich 1'/, Stunde lang bis gegen die vonKoblenz nach Kastcllaun führende Landstraße zieht. Der von Rhensnach Boppard, über den Jakobsbergerhof führende Weg durschneidctdasselbe an seiner Mündung.

Der Königsstuhl, von 1333 bis 1349 erbaut, 1624 erneuertund 1798 von den Franzosen zerstört» ist vom untern Ende von Rhensgrade 1999 Schritt entfernt. Er ist auf den alten Grundpfeilern,rechts »eben der nach Koblenz führenden Landstraße, etwa 49 Schrittvom Rhein, in seiner frühern Form und Gestalt wieder erstanden.Auf 14 Stufe» steigt man zu dem von 8 Pfeilern gebildeten Achteckhinan, in welchem sich die dem Kaiser und den Kurfürsten bestimmtenacht Sitze bcsinden. Der Eingang wird durch eine Eisenthür verschlos-sen. Oben ist der Königsstuhl offen; der Himmel dient ihm als Dach.Außer der Wahl Karls IV. scheint keine andere (wenigstens keine ur-kundlich bescheinigtes hier vollzogen worden zu sein. Dem Königsstuhlgrade gegenüber, auf dem rechten Rheinufcr, ist die im 13. Jahrhun-dert erbaute Marien- oder Licbfranen-Kapellc, bei welcher Kaiser Wen-zel den 29. August 1499 von den Kurfürsten abgesetzt wurde. Durchzwei mit Eisen vergitterte Fenster blickt man in das Innre des kleinenGotteshauses, dessen Chor durch ei» zweites durchgehendes Eisen-Gitterabgeschieden ist. Die schmerzenvolle Mutter, mit dem Heiland auf denKnien, und die vier Gemälde am Hochaltar habe» nichts ausgezeichne-tes, ebenso wenig als die Einporbühne, zu der eine roh gezimmerteTreppe hinanstcigt. Fünf Minuten weiter unten ist der in Form einerPumpe von rothem Sandstein gebaute Mineral-Brunnen von

Vber-Lahnstei», am rechten Ufer. Diese Stadt nebst ihrenzahlreichen Zugehörungcn, den Höfen Biebrich, Buchenberg, Buchholz,Mainzer oder Jägerhaus, Dcutschherrnhüttc, Spieß »c. wie mehrenHütten- und Hammerwerken, Mühlen, zwei Sauerbrunnen, den kölni-schen Löchern zc., hat über 1999 Einwohner. Sie ist noch mit hohenMauern, besetzt mit runden, vier- und achteckigen Thürmen, umgebe»,und hat ein alles kurmainzisches Schloß sjetzt Wohnung des herz. nass.Hofkammerraths Meister), mit der Jahreszahl 1394 an einem überden Eingang vorspringenden mit 3 Wappenschildern »ersehnen Erker.Eine interessante Gemälde-Sammlung und die sich hier bietende Aus-sicht auf die reizende Umgebung, machen dies Gebäude bcsuchcuswcrth.

Der Ort ist sehr alt; schon Ausonins gedenkt desselben in seinemGedichte über die Mosel. Auf der Abendseitc der Kirche sieht man einaltes Steinbild, Christus auf dem Throne sitzend, Maria rechts undMagdalena links, tiefer unten diesseits ein Bischof und jenseit ein ande-rer Prälat. Leider ist das Denkmal oben sehr beschädigt. Das neueSchulhaus mit der Ueberschrift in goldnen Buchstaben:Zur Bildungder Jugend, 1839" ist groß und hübsch. Die Wirthshäuser in Ober-Lahnstein sind sehr mittelmäßig; das vorzüglichste ist das zum goldnenAdler, nach ihm kommt die Weinschenke zum Anker. Eure herrlicheAussicht, die bis über Koblenz und Braubach hinausrcicht, hat manbei der Stunde von der Stadt auf der Höhe gelegnen heil. Gcist-kapelle. Der Stadt gegenüber liegt das schon im 39jährigen Kriegevorhandne WirthshausKripp" mit einer Meierei. Der Rhein ist hierziemlich breit. Ein wenig weiter unten sieht man das Schloß

Stolzenfels. Ueber dem Dorfe Kapellen, das 499 Einwohnerhat, liegt, auf einem nach vorn gerundeten hübsch bewaldeten Hügel,in einer Höhe von 269 Fuß über dem Rhein, die seit einigen Jahrenvollkommen wieder hergestellte Burg Stolzenfels, Eigenthum des Kö-nigs von Preußen. Die Zeit des Entstehens dieser alten Feste läßtsich nicht mit Gewißheit bestimmen, urkundlich erscheint ihr Name zu-erst im Jahre. 1242. Sie war Sommer-Residenz des Kurfürsten vonTrier, scheint aber nicht besonders groß gewesen zu sein. Unter demErzbischof Werner, der sich hier mit Alchymie und Hermetik beschäftigte,erlangte sie eine gewisse Wichtigkeit. Man weiß nicht, wann und durch