Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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schönen angehängten Eckthürmchen auf der Hinterseite, 4 oder 5 Neben-thürmcn, bedeutenden Vorder- »»v Hintergebäuden, einem schönen Vor-sprung mit Zinne» und Fenster» gegen das Thal, einem riesige» Schorn-siein-Gibel gegen den Rhein und einer großen, starken, den gewaltigenBan umschließenden Rmgmaucr. Diese interessante Ruine, gegenwärtignoch Staatsdomäne, wird bald von Herrn von Barrach, in Boppard,angekauft werden. Sie ist unverschlossen und verdient eben so wohl ihrerschönen Bauart, als ihrer eigenthümlichen Aussicht wegen besucht z» wer-den, obgleich diese letzte sehr beschränkt ist und nicht über die nächsteUmgegend von Wellmich hinausrcicht.

Ausgezeichnet durch seinen alten, hohen, gut erhaltenen Thurm, miteiner Dachkappe vom schlechtesten Geschmack, hat Wellmich eine schöneKirche, ein hübsches Landhaus am Rhein und hängt durch seine Ring-mauer und eine Bogenbrücke, überragt von einem halbzerstörten starkenThurm, mit der auf dem Wellmbergc gelegenen imposante» Masse dervorerwähnten Burg zusammen. Hinter dem Orte öffnet sich ein vomwcllniiger Bach dnrchflossenes Klüftethal, mit l0 Mühlen (wovon dieletzte Maus heißt) und einem Zechenhause. Die Partie von Wellmich isteine der malerischsten am Rhein.

Von Wellmich führt ein Fußweg über die sogenannte Schweinsheckc,vorüber qn Ober-Kestert und Dalheim, in 3 Stunden nach Braubach,oder über Weper und Dornholzhausen in 4 Stunde» nach Nassau, vonwelchem Letzten Eins 1'/- Stunden entfernt ist. Eine auffallende Eigen-thümlichkeit des Rheins bei Wellmich besteht darin, daß hier die Leichenaller weiter oben in diesem Strom Ertrunkenen an's Land gespült wer-den. Deshalb ist denn auch der hiesige Kirchhof mit den Gräbern solcherVerunglückten be eckt.

Bornhofen, ehemaliges Kapuziner-Kloster, und seit Anfang des15. Jahrhunderts bis vor einigen Jahrzehnten stark besuchter Wallfahrts-ort, ein von dein weißen Kapxenthurm überragtes Quadrat. DieMarien-Kirche, welche schon 1289 stand und eine wundcrthätige Madonnaenthält, ist noch zu gottesdienstlichem Gebrauch bestimmt, aber das t679entstandene und 1893 aufgehobene Kloster hat sich in ei» Gasthauszuden Brüdern" verwandelt. Der hübsche Rcbgartcn, die schöne Nuß-baum-Allee und die Häuser des gleichnamigen kleinen Weilers in derSchlucht sind freundliche Zugchörungen der Hauptgebäude. Durch dasThälchen führt ein einsamer Pfad nach Braubach, wodurch man eineStunde abschneidet. Südlich von Bornhofen ragen auf dem zerklüftetenFelsen die Trümmer der Burgen

Stcrnberg »nd Liebcnstein, die beiden Brüder genannt, empor.Von der ersten mehr nördlich gelegnen stehen noch drei viereckige Thürmeund einiges Hausgemäucr; die letzte ist mehr zertrümmert und zeigt nurnoch einen niedrige» Thurm »nd andres Mauerwerk. In und unter ihrenRuinen befinden sich zwei kleine bewohnte Hofgebäude, mit dem Ganze»dem Freiherr« von Preuschen von »nd zu Liebenstein gehörig. Stcrn-berg oder Sterrenberg war der Wohnfitz eines von den Bolanden ab-stammenden gleichnamigen, früh erloschenen Geschlechts, Eine der in-teressantesten Rhcinsagen, deren Gegenstand jenem von den beiden Grä-finnen von Gleichen durchaus entgegengesetzt ist, hat ihren Schauplatzin diesen Burgen. Ein griechisches Weib entzweite die Brüder, welchekinderlos starben. Sternberg wurde, aller Wahrscheinlichkeit nach, im12. Jahrhundert erbaut und im 17. zerstört. Licbenstcin ist nicht so alt.Die Bolanden waren ebenfalls seine Erbauer. Die Familie des erster»Namens starb 1637 aus. Beide Burgen kamen an Trier, und 1793 anihren jetzigen Eigenthümer.

Zu ihrer Ersteigung braucht man von Bornhofen ZV bis 25 Mi-nuten. Das dem Oertchen zunächst gelegene Sternberg ist auf einemVorsprung des Felsen erbaut, dessen hoch emporragender Zahn mitdem 39 Fuß hohen Hauptthurm besetzt ist. Die Erhebung dieses Punk-tes über dem Rhein ist nicht unter 699 Fuß. Rings »m den verein-zelt stehenden, künstlich dehauencn Felsblock gruppircn sich die ziemlichweitläufigen Ueberrcste der frühern Gebäulichkciten und die Doppel-Mauern gegen Liebcnstein, auf welcher Seite der Haupteingang gewe-sen zu sein scheint. Noch bemerkt man die Brücken-Pfeiler und dennach der kaum 4 Minuten entfernten Nebenburg führende» alten Weg.Und wirklich war daö etwa 89 Fuß höher gelegene Liebenstein eine

unumgänglich nothwendige Zugabe zu Sternbcrg, weil man von jenemden Rhein und seine Umgebung weiterhin übersehen kann, nämlich vonNteder-Kestert bis Kamp. Die viel kleinere Burg besteht ebenfalls anseinem auf einem FclSzacken erbanten 35 Fuß hohen Hauptlhurm »ndeinem gegen den Rhein gerichtete» Spitzgiebel-Gebäude. Der gegenNicdcr-Kestert durch die Weinberge sich hinabsenkende 29 Minuten langeWeg ist sehr steil.

Boppard. Die Ansicht dieser von 3799 Seelen bevölkerten Stadtam linken Ufer, deren Zugehörungen noch 159299 Einwohner haben,ist von der Rheinseite sehr interessant. Die alte Stadtmauer mit ihrenrunde» vorspringende» Thürmen und Thoren, die ehemalige crzbischöf-lich-trierschc Burg, worin sich jetzt das Steucramt befindet, die dop-pelt bethürmte Pfarrkirche und die Kirche der Karmeliter und Franzis-kaner; das über der Stadt gelegne ehemalige adelige Nonnen-KlosterMarienbcrg, mit seinen imposanten Gebäude», »Nd das St. Martins-Klostcr außerhalb der Stadt, bilde», umschlossen von hübschen Gärten»nd malerisch grnppirten Bergen, ein sehr anziehendes landschaftlichesBild. Boppard war im Mittel-Alter viel bedeutender als jetzt. Manunterscheidet noch die drei zu verschiedenen Zeiten entstandenen Ring-mauern , welche das Anwachsen der Stadt, vorzüglich gegen Mitternacht,bescheinigen und wovon die letzte die Vorstadt Niedtrsburg bildete. Dasrömische Bandogriga stand wahrscheinlich nordwestlich vom Fuße des Hü-gels , auf welchem in spätern Zeiten das Kloster Marienbevg sich erhob.In der Stadtmauer gewahrt man einzelne Steine, die augenscheinlichvon Römcrhändcn bebauen worden. Von dem fränkische» Königshof sindnur noch wenige Grundmauern vorhanden, allein immer noch wird derdaneben in den Rhein mündende Bach der Königsbach genannt. ZurZeit seines größten Flors war Boppard eine freie Reichsstadt, theiltejedoch nur zu bald das Schicksal, welches Kaiser Heinrich VII. überOber-Wesel verhängte, indem er beide Städte seinem Bruder Balduin,Erzbischof von Trier, als Lehen übergab. Nicht ohne langen Widerstandunterwarfen sich die Bürger, hier wie dort, dem Krummstab, gestütztans das Schwert der Nebcrmacht. Die frühern Reichs- und Fürsten-Versammlungen, welche den Ort wohlhabend gemacht, wurden nun durchTruppen-Einlegungcn und Brandschatzungcn ersetzt. Nichts destowenigerergriffen die Bürger jede Gelegenheit, sich wieder frei zu machen, wes-halb den» auch Erzbischof Johann von Baden die Stadt abermals 1495erstürmen mußte. Von dein Schlosse der Ritter Bayer von Boppard,deren Stamm zu Ende des 16. Jahrhunderts erlosch, ist jede Spurverschwunden.

Boppard war reich an Klöster», unter denen sogar ein Templer-hof. Es scheidet sich in Ober-, Mittel- »nd Ntederstadt nebst VorstadtNiedersburg. Die Pfarrkirche ist in der Mittelstadt, die Karmeliter-Kirche in der Niederstadt und die nicht mehr gebrauchte Franziskancr-l Kirche in der Oderstadt. Vor der letzten liegt das ehemalige Franzis-kancr-Nonnen-Kloster St. Martin. Der noch vorhandenen Merkwürdig-keiten sind wenige. Die im byzantinischen Stvl erbaute Pfarrkirche ausdem 12. Jahrhundert, deren zugespitzte Doppclthürme oben durch einegedeckte Brücke verbunden, »nd deren Fenster mit blaücm und gelbemGlase eingefaßt sind, hat einen ziemlich hübschen neuen Hochaltar, einschönes neues Gitter am Orgelchor und Gußeisen-Geländer an den Em-porbühnen. An der Kirche, gegen den Markt, ist ein schönes Kruzifirvon 1599. Die zu dem ehemaligen Karmeliter-Kloster gehörige Scverins-Kirche enthält, außer einem angeblichen Götzenbild nichts beachtcns-werthes.

In seinem Innern hat Boppard durch seine spitzgicbeligen Häuser,an denen sich ebenso sonderbare als künstliche Holzverschränkungcn zei-gen, ein düstres mittelalterliches Ansetzn. Nur in der Hauptstraße undam Markt gewahrt man einige seltne Häuser in neuerm Geschmack, diegegen den großen Ueberrest aller andern Bauten auffallend abstechen.Der ehemalige Reichthum dieser Stadt beurkundet sich auch in der gegenden Eisgang erbauten gewaltigen Mauer, die auf der Landseite nochgut erhalten und mit einem Pavillon besetzt ist. Zu ihren Füßen findetsich ein zu Marienberg gehöriges Flußbad.

Braubach. Stadt «nd Herzog!, nassauscher Amtssitz am rechtenUfer. ES gehören dazu die über dem Orte liegende Festung Marxburg,