Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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welche Veranlassung Stolzenfels zur Ruine geworden. Wahrscheinlichgerieth es in Verfall, seit die geistlichen Kurfürsten nicht mehr in ihmfich aufhielten, und 1K38 wurde es von den Franzosen gänzlich geschleift.Unter der französischen Verwaltung wurde der Stadt Koblenz 1802diese Ruine zugetheilt. Die Stadt schenkte sie 1823 dem damaligenKronprinzen von Preußen.

Seitdem find die Mauern und Thürme, die Gebäude und Arkadenim mittelalterlichen Geschmack wieder aufgeführt worden. Ebenso sindim Innern die Wohnzimmer des Königs und der Königin, wie desGefolges der Majestäten, der Rittersaal, der Johannissaal, die Som-mer« und Winter-Halle, die Söller, Terrassen, Gärten :c. auf die ent-sprechendste Weise wieder hergestellt. Eine Kirche, genau nach dem Musterder herrlichen Werners-Kapelle zu Bacharach, mit zwei gothischen Spitz-thürmcn, jeder zu 100 Fuß Höhe, wird auf den Grundmauern der frühervor der Burg gestandncn, jedoch im vergrößerten Maßstabe, fich erheben.Die Aussicht von der Burg Stolzenfels ist unstreitig die reizendste amganzen Rhein. Sie erstreckt sich rheinabwärts bis über Koblenz hinaus,rhcinaufwärts bis nach Braubach und die Marrburg und der Lahn ent-gegen bis jenseit Nieder-Lahnstein. Der Allerheiligenberg, die Johan-niskirche, die Ruine Lahneck und das Städtchen Ober-Lahnstein, um-schlungen von einem schönen Gebirgsrahmen, find die Stolzenfels zunächstbefindlichen Gegenstände.

Die um das Schloß fich schlingenden Garten- oder Parkanlagensind nach den Zeichnungen des Hofgärtners Wep von Düsseldorf ent-standen. Unter der Leitung des Obersten von Wussow, Flügel-Adju-tant des Königs und Schloßhauptmann auf Stolzenfels, wie unter derAufficht der Kapitäne Naumann und Schnitzler und des Lieutenantsvon NapPart ist nicht allein die Burg in ihrer gegenwärtigen Gestalterstanden, sondern auch der von Kapellen nach ihr führende neue Weg,der ebenso künstlich angelegt als wohlverstanden erbaut ist. Am merk-würdigsten auf demselben ist der schöne aus fünf Bogen bestehende Via-dukt, unter welchem zuerst der Weg hinanstcigt, um sodann über ihn zuführen. Es stehen a» ihm zwei am Fuße des Burghügels ausgegrabcnerömische Lcukcnzeiger, mit größtentheils unlesbarcr Inschrift. Auf derletzten obern Wendung des Weges erhebt sich die Klause, bestehendaus Stallungen, Wagen-Remisen und Wohnungen, überragt von einem4t Fuß hohen Thurm. Das beste Gasthaus im Dorfe Kapellen ist daszum Schloß Stolzenfels. Nach ihm kommen Krone, Seeschiff, Vater

Rhein und Strauth. Kapellen gegenüber gewahrt man, zum Theil unterObstbäumen verborgen,

Nieder-Lahnstein. Dieser hübsche, gewcrbige Flecken, wozu nochHof und Kapelle Allerheiligcnberg, die Ruine der Johannis-Kirche, dieHöfe Höhr oder Mausloch, Raffenberg und Arnstcin, das Eisen-, Hüt-ten- und Hammerwerk des Herrn von Breidenbach, nebst Mühle zuHohenrhein gezählt werden, hat nahe an 2200 Einwohner. Er gehörtevon 1253 bis 1802 zu Trier und kam sodann zu Nassau. Im auffal-lenden Widerspruch mit dem Wohlstande der Einwohner, hat die Pfarr-kirche ein düsteres schmutziges Ansehen und scheint der Ausbesserung sehrbedürftig. Der große hin und her fich bewegende Pendel der Thurmuhrneben dem Hochaltar, und die vielen Stricke zum Läuten der Glockenvor und hinter demselben, find sehr störende Gegenstände. Der Ortliegt Stunde oberhalb der Mündung der Lahn in den Rhein. Dererstere Fluß wurde von 1307 bis 1809 von hier bis Weilburg, auf eineStrecke von 7 Meilen oder 11'/, Stunden, schiffbar gemacht und trägtFahrzeuge von 250 bis 300 Zentner Ladung. Die vorzüglichstenGasthäuser in Nieder - Lahnstein find weißer Schwan, und weißesRoß, nächstdem weiße Rose, Burg Lahncck, grüner Baum, goldnerAnker, liegendes Lamm, rother Ochs, Krone und goldner Löwe. Essoll hier eine Eisendraht-Brücke erbaut werden, um den Uebergang überdie Lahn zu erleichter», der jetzt nur durch Nachen bewerkstelligt wird.Nieder-Lahnstein war früher viel größer; es erstreckte fich bis zum Rheinund der auf der Landspitze gelegnen

Johannis-Kirche. Diese, früher Eigenthum des PfalzgrafenHermann svon Stahleck), der sie um 1148 an Trier schenkte, wurde1798 von den Franzosen eingeschossen. Sie besteht aus einem Schiffund zwei Seitengängcn. Nur die Sakristei ist noch mit einem Dachversehen. Die Länge der Kirche beträgt 100, ihre Breite 21 und ihreHöhe 50 Fuß. Die Emporbühnen, einige alte Grabsteine, der Kanzel-stein und die drei Altäre find mehr oder weniger beschädigt. Noch ge-wahrt man Spuren von Fresko-Gemälden. Die Kirche ist mit zweiThürmen versehen, wovon der höchste und älteste ein schönes Geläutehat. Man versichert, daß diese in gutem gothischen Geschmack erbauteKirche wieder hergestellt werden soll, was jedoch bald geschehen müßte,da der Hintere zierliche Thurm nahen Einsturz besorgen läßt. Beach-tungswerth find hier einige alte Steinbilder und Stcinkrcuze. Hinterder Kirche ist der ehemalige Schießgarten von Nieder-Lahnstein.