deraufbau des Schlosses ihn entdeckt. Durch eine hölzerne Brücke istdie Burg mit dem dazu gehörigen Hofgut verbunden, dessen letzter Ei-genthümer Hr. v. Brenner, hier eine Sommer-Wirthschaft eingerichtethatte, die eingegangen ist. Die Aussicht von beiden Höhen, vorzüglichaber von jener des Schönbergs, auf Ober-Wesel und seine Umgebung,ist sehr interessant. Die Felsen im Rhein, unmittelbar unter Schön-berg, werden die Ravelci genannt. Unfern davon ist die immer sicht-bare Kirchcnlei. Der Sage nach sollen auf Schönberg sieden Fräuleingewohnt haben, um deretwillen viele Fürsten und Ritter zn Narrengeworden. Aber die Schadenfreude der Schönen wurde bestraft, denneine Fee schleuderte sie in den Rhein und verwandelte sie in Felsen, alswelche sie noch jetzt aus der Fluth emportauchen. Vorüber an diesemRiff, wie an der Insel Taubenwörth und den aus dem Rhein hervor-ragenden Klippen Feuer-, Mist- und Marelei, schwimmt man längsder steilen Felsen des Hamplatts, des Bössteins und des Ligrecks amrechten Ufer, der
Lurelei zu. Aus einem hübschen Becken, das ganz abgeschlossenscheint, gelangt man, plötzlich um eine Ecke sich wendend, in ein ödesFelsrcvier, das den Rhein auf beiden Seiten dicht ummauert und nurRaum für sein verengtes Bett, wie für die Landstraße am linke» Uferläßt. In zehn scharf vorspringenden Kanten droht das überhängendeGcbirg den Reisenden zu zermalmen. Gewohnheit hat jedoch die Men-schen so sicher gemacht, daß sie eben hier, wo die starke Strömung dassogenannte Gewerr oder Gewirre veranlaßt, einen besonders einträg-lichen Lachsfang angelegt haben. Links und rechts senken sich graue undweiße Felsplattcn gegen den Rhein, in dessen Mitte sie ohne Zweifelin einem scharfen Winkel zusammenstoßen. Die Lurelci selbst, derenName von „lauter Lei (Schiefer)" abgeleitet wird, springt in drei Fcls-kantcn gegen den Rhein vor. Der Strom windet sich darum zuerstlinks, dann schnell wieder rechts. Die Felsen der Lurelei (die Bren-tano von einer schönen Verführerin bewohnen läßt, welche durch ihrenzauberischen Gesang die auf dem Rhein Schiffenden anlockte und dieFahrzeuge derselben an den Klippe» zerschellen lies) erzeuge» ein wun-derschönes Echo, weshalb denn auch die kölnische Dampfschifffahrts-Gesellschaft dafür gesorgt hat, daß die auf ihren Boten Reisenden andieser Stelle durch Hörnerschall und Flinten-Schüsse begrüßt werden,um danach die Wirkung des langgedehnten Widerhalls beurtheilen zukönnen. An der Lurelei steht ein Schuttberg von einem herrlich aus-gezackten Kamm überragt, dessen Abhang auf der Rückseite spärlich be-grünt ist. Vor sich erblickt man nun, jenseit einer Sandbank
St. Goarshausen. Dies am rechten Ufer gelegne Städtchenvon 900 Seelen zeigt sich nach einer raschen Wendung des Stroms.Ueberragt von der hochgelegnen Feste Katz oder Neukatzenellnbogen,wurde es früher blos Hausen genannt. Die eine Hälfte des OrteS istalt und düster, mit schwarzen Thürmen und Mauern, gebaut wie einlänglich viereckiges Kastell, mit engen, düstern und winkligen Gassen.Sein unansehnliches Rathhaus von 1532 hat eine hebräische Inschriftüber der Thür. Die untere größere Hälfte des Orts, früher Neu-brückshausen genannt, ist freundlich und hübsch. Unmittelbar überder Stadt erhebt sich die gegen Ende des 14. Jahrhunderts erbauteKatz, die noch im siebenjährigen Kriege eine Besatzung von hessenkassel-schen Truppen hatte.
Katz. Man ersteigt diese Burg in l0 Minuten. Den Schlüsselerhält man im letzten Hause, bei Klein, hinter der Lohgerberei. DasSchloß, gegenwärtig Hrn. von Lützow gehörig, ist in seinem Mauer-wcrk noch gut erhalten und könnte deshalb ohne große Kosten wiederhergestellt werden. ES besteht aus einem 86 Fuß hohen runden Haupt-thurm, mehren runden Nebenthürmen und den Zwischen - Gebäuden, inderen innern Räumen Gärtchcn angelegt sind. Ein grünes Zimmer-chcn mit bunten Scheiben, in einem der Thürme gegen die Lurelei,ein Keller und einige andere Behälter deuten allein a», daß dieseOertlichkeit von Zeit zu Zeit noch bewohnt wird. Die Aussicht überSt. Goarshausen, St. Goar, den Rheinfels, das Dorf Biedernheimoberhalb St. Goar, die Umgebung von Werlau, das Ober-Wesel ge-genüber gelegne Dorf Dörscheid (350 Einw.) und den Rhein, von derLurelei bis in die Nähe von Wcllmich, auf welcher Strecke er ein sehr
gekrümmtes L beschreibt, ist recht interessant. Sehr angenehm mußtesie vom ehemaligen Altan der Burg, auf dieser Seite sein. Auf derRückseite, wo der Schicfcrfcls steil abgebrochen ist, steigt der alte Schloß-wcg gegen die Höhe an und senkt sich erst in einiger Entfernung in'sThal hinab. Auf der Rheinscite zog sich die alte Mauer, von der mannoch Ucberrcste bemerkt, den steilen Abhang hinunter bis zu dem obernviereckigen und hohen Thurm von St. GoarShausen.
Nheinfels. Binnen '/»Stunde steigt man von St. Goar zu die-sem früher so starken Platze hinan, dessen großartige Trümmer nochjetzt einen beträchtlichen Raum auf der Höhe einnehmen. Die Festewurde 1245 von Dicthcr III. von Katzenelnbogen erbaut. Ihre Bcr-theidigungswerke umschlangen die Stadt auf der Bergscite. Schon imAlterthum soll ein Römer-Kastell oder eine feste Burg der Mattiakenhier gestanden und sich später in das Kloster Mattenderg verwandelthaben. Die Truppen des rheinische» Städte-Bundes belagerten 1255die Festung 14 Monate hinter einander und unternahmen 40 Stürmegegen dieselbe, mußten jedoch unverrichteter Sache abziehen. Die Stärkedes Punktes wird auch noch durch den Umstand bestätigt, daß ih» Tal-lard 1692 mit 28,000 Mann vier Wochen lang beranntc, ohne desselbensich bemächtigen z» können. Zehn Jahre später öffnete Rheinfels nachkurzer Blokade den Reichstruppcn seine Thore und wurde erst nach demryswpker Frieden an Hessen zurückgegeben. Im französische» Nevolu-tions-Kriege ergab sich 1794 die Festung bei der ersten Aufforderungden republikanischen Truppen, welche sie bald nachher in die Luftsprengten.
Mit Ausnahme eines links vom Eingang gelegenen Landhauses istdiese Stätte jetzt ganz verödet und der Wiederaufbau der alten Werkewürde mehre Millionen kosten. Der Prinz von Preußen hat die Ruinefür 2000 Thlr. ankaufen lassen. Vielleicht wird sie nun zum Theil wie-der in baulichen Stand gesetzt. Sehr bedeutend sind die noch vorhandncnunterirdische» Gewölbe und Kasematten. - Die Ruinen bestehen ans ei-nem runden und einem sechseckigen Thurm, ferner einem große» Ge-bäude, das früher die Kirche gewesen und der Länge nach gegen denRhein gerichtet ist. Es bestand aus einem großen gewölbten Saal, mitsechs weiten Fenster-Ocffnnngen, neben denen mit Goldbuchstaben dieNamen von 12 Heiligen zu lesen sind. Die Ausficht aus dem Vordcr-thurm auf St. Goarshausen, die darüber gelegene alte Kattcnburg, dasDorf Patersbcrg, das Forstbachthal und die benachbarte Gegend ist sehrschön. Gegen das Grindelbachthal liegt ein sehr starker umgeworfenerThurm. Die drei Thorbogen, unter denen der Weg in das Innere derFeste führt, sind noch erhalte». Zwischen dem zweiten und dritten isteine 50 Fuß hohe, 75 Fuß lange und 60 Fuß breite Kasematte, auswelcher man durch eine» kleinen Eingang in andere unterirdische Behäl-ter gelangt. Gegen den Rhein, wo hart an der Straße ebenfalls einegroße Kaserne stand, soll ein unterirdischer Weg geführt haben, derwohl verschüttet sein mag. Um den Nheinfels zu besuchen, wendet mansich an den Eigenthümer des oben erwähnten Landhauses, von welchemletzten eine schmale hölzerne Brücke über den Weg in die Ruine führt.Eine leichte Krümmung des Rheins um den Hunerberg, am rechten Ufer,durch eine ziemlich freundliche wenn auch nicht besonders offne Gegend,i und vor sich erblickt man
Wcllmich, am rechten Ufer des Stroms, uralter Flecken, von500 Einwohnern, bereits in den frühsten Zeiten zu Nassau gehörig. Erwurde von Adolf II. von Jdstein 1353 an Trier verkauft. Mit Bewil-ligung Kaiser Karls IV. wurden vier Jahre nachher Ort und Thal mitMauern, Thürmen u. Pforten versehen und der erste zur Stadt erhoben.I Hoch über demselben zeichnet sich die eben so gewaltige als malerischeMasse der alten Burg
Maus, eigentlich Thurmberg oder Deurcnburg gcnannt.Erzbischof Bocmund von Trier erbaute sie gleichzeitig mit den übrige»Festungswerken Wellmichs und nannte sie Pcterseck. Wann sie ihre»Namen verändert, weiß man nicht. Kuno von Falkenstein, auf ihr 1362mit den erzbischöffichen Jnfignicn bekleidet, wohnte und starb hier, nachseiner Abdankung im I. 1388. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhun-derts kam sie als Lehen wieder an Nassau. Man ersteigt die Burg in20 Minuten. Sie besteht aus einem 100 Fuß hohen runden Thurm, mit