Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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eine Aueficht in die Gärten und die Promenaden gewähren, dem Orteden Charakter des Ländlichen. Unter denselben zeichnet sich das herr-schaftliche Badehaus aus, welches im Jahr löZ9 von dem OberbaurathZcngerle erbaut wurde. Dasselbe liegt in einer Vertiefung zwischen derAllee an dem Alleesal und der Brunnenfiraßc, aus einer Häuserreihebestehend, in der Nähe des Weinbrunnens. Es ist im edlen Style auf-gebaut und hat 42 bequem und elegant eingerichtete Bäder, wovon sich21 in der untern und die übrigen in der zweiten Etage befinden. DieApparate zu Douchen sind vorzüglich, und in die Reservoirs des Badc-hauses wird das Wasser aus dem Wein-, Stahl- und Paulincnbrun-nen geleitet. In dem Säulengang stehen Kaufläden an einandergcreiht,unter welchen sich die Kunst- und Buchhandlungen der Herren Buchbin-der Maurer und Ohleemachcr, welche auch reichhaltige Lesebibliothckenbesitzen, auszeichnen.

Der schön geschmückte Corridor im obern Stock, den Bädernvis-a-vis, bietet dem badenden und wasscrtrinkcnden Publikum beischlechter Witterung Schutz und sonstige Bequemlichkeiten dar. Ausser-dem verdienen unter den prachtvolle» Etablissements die Gasthöfe zumAllecsaal, zur Post, zu den beiden Indien, zur goldenen Kette, zumKaisersaal, zum russischen Hof und zum Herzog von Nassau und vonden Privathäusern die Stadt Mainz, der Pariserhof, das Kleeblatt, derKranich und der Berlmerhof erwähnt zu werden.

Schwalbach hat drei Kirchen, eine katholische im oberen Theile derStadt, und zwei evangelische, wovon die eine, welche auch im Som-mer den Engländern zu ihrem Gottesdienst eingeräumt wird, in derMitte und die andere, sich durch gothische Bauart und schönes Glocken-geläute auszeichnend am untern Ende der Stadt in der Nähe des ge-meinsamen Friedhofes liegt. Als eine Hauptzierde dieses Orts kannauch das schloßartige Schulhaus angesehen werden. Neben guten Ele-mentarschule» besteht noch eine Real-, eine höhere Töchter, und eineKleinkinderschule.

Für geselliges Vergnüge» und Unterhaltung des Kurpublikums istin reichlichem Maaße gesorgt. Eine zahlreiche Musikgesellschaft spieltwährend der Saison des Vor- und Nachmittags zur Zeit des Wasser-trinkens in der Nähe der Brunnen. Im Alleesaal ist jeden Abend Har-monie, und Sonntags finden daselbst in der Regel Bälle statt. Auchdas Roulet wird leider zu häufig in Bewegung gesetzt. Zwei Leih-bibliotheken und ein Leseeabinet biete» Gelegenheit zur Lectürc dar undmusikalische Instrumente sind billig zu miethen. Für den, der die maleri-schen Umgebungen nicht zu Fuß besuchen will, stehen Esel, Pferde undWagen in Menge und Auswahl zu Diensten.

An freundlichen Spazicrgängen fehlt es in Schwalbach nicht, an-genehm und vielbesucht sind die Wege nach dem Ehebaum, nach demSchönbaum, »ach dem Wiesenbrünnche» und zu dem dreifachen Echo,

oder auf den Grauenberg mit der Aussicht in das Thal. Interessanternoch sind einige Ausflüge in die nahen Umgebungen von Schwalbach:1. nach Adolphseck, einer Burgruine mit einem Dörfchen an derAar. Zu ihr hin führt ein lieblicher Weg durch ein enges, von Fels-wände» »mragtes Thal. Das Schloß liegt auf einem hohen, abgerundetenBerge, in kühner, malerischer Umgebung. Graf Adolph von Nassausoll es, ehe er Kaiser wurde, für seine Geliebte erbaut haben, die erans dem Kloster entführte, wo er an Wunde» darnicdergelegen und sieihn sorgsam gewartet hatte. Der Schloßgraben war in den Fels ein-gehauen, und das Schloß rings mit Fischweihcrn umgeben. Kaiser Alb-recht von Oesterreich, Adolphs Gegner, zerstörte im Jahr 1302 dieBurg, welche jedoch später wieder hergestellt wurde. Noch ihm Jahr1ö95 stand sie bewohnbar da, ist aber seitdem zerfallen. Eine» höchstangenehmen, freundlich-stillen Aufenthalt bietet dem Fremde» der Kling'-schc Garten; man findet da Erfrischungen jeglicher Art. 2. Der Ei-senhammer, Stunden von Schwalbach entfernt. Ein Weg zumReuen und Fahren geeignet, führt dahin, an meist nackten Berghöhcnsich hinziehend, und in lieblichen Windungen dem Lauf der Aar folgend,welche lachende Wiesen bewässert und mehrere Eisenwerke in Bewegungsetzt. 3. Hohenstcin, 2 St. von Schwalbach, ein Bergschloß von er-habenem Charakter, das ursprünglich den Gauerben von Hohenstcin zu-gehörte, von diesen an die Grafen von Katzencllenbogen kam, und im3vjährigen Kriege zerstört wurde. Dort war noch in der Mitte desvorigen Jahrhunderts der Sitz eines Amtes, und die noch ziemlich er-haltene Burg hatte eine kleine Besatzung von Hessischen Invaliden. Ma-jestätisch trotzt die alte Ruine, auf das Fundament ungeheurer Fclsen-masscn gestützt, den Stürmen der Zeit, und hoch herab schaut sie in dieTiefe des Thales, in welchem ein ärmliches Dörfchen erbaut ist. Im Vor-hofe der Burg steigt ein durch Felsen gehauener Brunnen bis zu denAbgründen des Thales herab, aus welchem er sein Wasser schöpft. Zuden hohen Thürmen führt eine bequem hergestellte Treppe, und obenim schwindelnden Luftraum sind Sitze und ein Gelände angebracht, umDemjenigen, der sich an der Ausficht in die wildromantische Landschaftumher erlaben will, Ruhe und Sicherheit anzubieten. In der demSchloß nahe gelegene» freundlichen Försterwohnung kann man Erfri-schungen erhalten. Nicht weit davon sind die Ruinen der Feste Grei-fen stein uns Kattclnberg, auf der Katten- oder Hcssenalb. 4. DerPaulinenbcrg, eine gleich oderhalb Schwalbach und vis-.4-vis demPaulincnbrunncn gelegene Gartenwirthschaft, wo man die schönste Aussichtauf die Stadt genießt. 5. Auch nach Schlangenbad und in das ro-mantische Wispcrthal, sowie in die Aar- und Lahngegcnd machen dieFremden häusig Ausflüge.

Schwaibach besitzt gegenwärtig vier tüchtige Aerzte: 1. Gehcimer-rath k>>'. Fenner von Fcnneberg, 2. Mcdizinalrath vr. Müller, 3. Me-dizinalassistent vr. Müller und 4. Mcdizinalaeccssist 1>r. Gcnth.

Q e st r i ch.

Flecken von fast 2vl>9 Einwohner», einer der wichtigste» und inte-ressantesten Orte des alten Rhcingaus, mit einer weißen Kirche, derältesten des Landes, und einem niedrigen Thurm, mit schwarzer sonder-barer Kappe. Der Krahncn am Ufer deutet auf ziemlich starke» Han-delsverkehr, der Eisdamm und das Flußbad auf Wohlhabenheit derEinwohner hin. Freundliche Landhäuser schmücken diese Gegend. Dasvorzügliche Gasthaus zum Schwan, dessen Eigenthümer Beiserlindcn,durch seine treffliche Tafel und seine guten Weine sich einen fast euro-päischen Ruf erworben, wird stark besucht. Die übrigen Gasthäusersind bei Adam Pctri, Endres, Christof Berg und Krone (auch Bier-brauerei), letztere beide am Markt. Unfern der uralten Kirche ist eingroßes neues, mit einem Thürmchen geschmücktes, Schulgebäude.

Die früher vor dem Orte gelegene Lützel- oder Grafen au, die

alte Malstätte des Lanses, wurde im 13. Jahrhundert vom Rhein ver-nichtet, wonach man die Gerichtstage und Versammlungen nach dem inder Nähe befindlichen, jetzt nicht mehr eristircnden, Dorfe Klingel-münde verlegte. Hier erwartete die Bevölkerung der Landschaft jedenneu erwählten Erzbischof, wenn er mit glänzendem Gefolge auf demRhein ankam, um die Huldigung jener zu empfangen und deren Frei-heiten zu bestätigen. Die Feierlichkeit wurde immer unter freiem Him-mel vorgenommen, und der Kirchenfürst war bei dieser Gelegenheitvor einem weiten Kreis von Prälaten, Ritter», Abgeordneten und Rei-sigen umgeben. Der Landtag versammelte sich hier noch im 17. Jahr-! hundert. Das Patrizier-Geschlecht der zum Jungen hatte in Ocstrick»! eine Burg. Im Wjährigcn Kriege wurde der Ort fast gänzlich zerstört.