Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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Würfel der Brömserburg, enthaltend. Diese letzte war augenscheinlichzur Deckung der selbst jetzt noch wichtigen Nheinüberfahrt aufgeführt worden.Sie ligt am untersten Ende der Stadt, nahe am Rhein und wird auchNiederburg genannt. Vermittelst eines neuern Mauer-Durchvruchesgelangt man in einen kleinen düstern Hof, von dem man auf schmaler,im Innern der ungeheuern Mauern angebrachter Treppe zum erstenStock hinansteigt. Jenseit einer Eisendraht-Brücke befinden sich, auf derSeite gegen den Berg, einige kleine Gemächer und gegen die Stadt dergewölbte niedrige Rittersaal, dessen Kamin, mit byzantinischen Säulen,Stcinbänken und rundem Steintisch aus den ältesten Zeiten herzurührenscheinen.

Auf der mit Gesträuch und Blumen bewachsenen Höhe der Stein-massc sieht man nicht allein die Stadt und ihre Umgegend, sondern auchdas gegenübergelcgene Bingen, den Mausthurm am Anfang des Binger-lochs, die Ruine Ehrenfels, den Rochusberg mit seiner Wallfahrts-Kapelle,die Dörfer Kemptcn und Gaulsheim, weiterhin Freiweinheim, Johannis-bcrg, Geisenhcim, die beiden Jngelheim, Gau-Algesheim und andreOrte. In einer kleinen Nische auf dem obern Theile der alten Bröm-serburg werden einige in derselben gefundene römische Alterthümer (Aschen-krllge und Lämpchcn w.) aufbewahrt. Man findet deren auch in den Zimmerngegen den Rhein, welche der jetzige Eigenthümer des merkwürdigen Stein-fels, Graf von Jngelheim, im Innern der Mauer hat einrichten lassen.Die Frau Gräfin von Jngelheim hat eine Reihe hübscher Zeichnungen,welche sie selbst entworfen, in Stein graben lassen. Sie werden zu einemwohllhätigen Zwecke verkauft. Im Wohnzimmer der Besitzerin ist derBlick auf Bingen, aus dem Fenster, 'welches zugleich als Spiegel dient,wirklich überraschend. 'Der untere Theil der Burg enthält ebenfalls Woh-nungen. Durch einen engen Schlupfwinkel gelangt man ins Burgverließ.

Ehrenfels. lieber zwei Riesenstaffeln springt der Blick zum demnoch ziemlich erhaltnen, obgleich dachlosen und verödeten Thürmen undGebäulichkciten der Burg Ehrenfcls hinab, die, inmitten der üppigstenWcinlaubkränze, in einer Höhe von 2ll) Fuß über dem Rhein gelegenist. Der höchste Thurm der Ruine erhebt sich bis z» 340 Fuß über demRhein. Im Anfange des 13. Jahrhunderts, auf Befehl des ErzbischvfsSiegfried von Mainz erbaut, diente das Hintergebäude der Burg zur Er-hebung des Wasscrzolls. Mehre Mainzer Kurfürsten resivirten in diesemSchlosse und »ach Johanns II Ableben wählte 1419 das Domkapitel indemselben seinen Nachfolger, Konrad III. In unruhigen Zeiten wurdenhier die Kleinodien des Domkapitels verwahrt. Die Feste wurde im30jährigen Krieg von den Schweden erstürmt und von denselben nach4 Jahren im besten Zustande verlassen. Erst in dem für die Rheinlandeso verhängnißvollen Jahre 1689 wurde sie, nebst allen benachbarten Städ-ten, Burgen :c., von den Franzosen zerstört. Es soll sich in diesem Schlosseder erste Feuergewehr-Schütze befunden haben. Mit seiner weithinreichcn-den Waffe, damals Museric genannt, nöthigte er die Fahrzeuge, welchestromabwärts links vom MauSthurm vorübereilen wollten, zur Entrich-tung des Zolles beizulegen. Sehr zu wünschen wäre es, daß diese ebensogünstig als malerisch gelegne Burg wieder hergestellt würde.

Der gegenwärtige Eigenthümer des Niederwaldes und der auf diesemBerge befindlichen Gebäude, Graf von Bassenheim, unterläßt nichts, waszur Verschönerung der an sich schon so angenehmen Ocrtlichkeit beitragenkann. Auf dem Jäger Hofe, »eben dem Jagdschlosse (wo ein achtmalwiederholendes Echo ist), findet man nothdürstig Speise und Trank, dochwird man besser thun, wenigstens mit der ersten im voraus sich zu ver-sorgen. Die Klippe, die sogenannte Zauberhöhle und der Rittersaal bietennichts besonders Merkwürdiges. Interessant ist der Blick in das Inneredes Rheingau-Gebirgs, über das sich die Hallgarten-Zange, die Raben-köpfe, die hohe Wurzel, die Nendmaucr und der Trompeter als abge-sonderte Gipfel erhebe». Auch das Gebirg am linken Nheinufer, gegen

den Hunsrück, hat einige bemerkenSwerthe Punkte in dem Weilerkopf,dem Waldalgcsheimerkopf, dem hohen Rheinberg, dem Geisberg und demFranzosenkopf, deren Höhe zwischen 1000 und 1740 Fuß beträgt.

Bürgen. Auf der Landspitze gelegen, welche sich zwischen dem linkenRhcinufcr und dem rechte» rer Nahe, an der Mündung dieses letztenFlusses, befindet, ist Bingen eine ziemlich lebhafte und freundliche Mittel-stadt von S600 Seelen. Ihre größte Merkwürdigkeit ist der Klopp,ziemlich unansehnlicher Ueberrest einer Burg, die im 30jährige» Kriegenoch fest und gewaltig gewesen, und die im Mittelalter als unüberwind-lich berühmt war. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts ligt sie inTrümmern. Die Ruine und das dazu gehörige Landgut find seit >840Eigenthum des kurländischcn Grafen von Mengden, der jene im byzanti-nischen Styl wieder herzustellen gesonnen sein soll. Die Authentizität desBurgverließes in dem Klopp, worin Kaiser Heinrich IV. als Gefangnergeschmachtet haben soll, (nachdem er auf Befehl seines treulosen Sohnes,Heinrichs V., auf der Burg Böckelheim (bei Waldböckelheim) niederge-worfen und später zu Nicder-Jngelheim entthront worden) läßt sich kaumbezweifeln. Der Thurm steht mitten in der Burg. Im obern Raumebefindet sich eine Aeolsharfe, die laut wird, wenn man die Thüre offenläßt. Die Aussicht auf vcrschiednen Punkten des Klopp, namentlich ausdem höchsten Thurm ist recht abwechseln, obgleich sie mit der auf demRochusbcrg, der Elisen-Höhe, dem Niederwald und selbst der Brömser-burg sich nicht vergleichen läßt.

Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß das tl-isti-I!»,» vl»g!u,n derRömer auf derselben Stelle sich befand, welche das Bereich des Kloppeinnimnit. Die zum c->tt>ttlu,>i gehörige bürgerliche Niederlassung, welchejedenfalls sehr klein war, mochte eine Länge von höchstens 370 und eineBreite von 140 Schritt habe». Sie lag unmittelbar am Fuße der Fe-stung, gegen die Nahe, und reichte bis zur heutigen Pfarrkirche,untern Ende der Schmidtgasse bis zum Gauthore und vom Fuße desKlopp bis zur Grube. Der übrige Theil der jetzigen Stadt, die Salz-I gasse und Liebfrauengasse, war theils Forum, «Heils Kirchhof. Hier wur-den mehre Legionarsteine gefunden, die sich gegenwärtig in« alte» Schlossezu Mainz befinden. Daß die steinerne Brücke über den vorgenannten Flugschon unter den Römer» bestanden, beweist ein uralter Bogen, jetzt auffestem Lande und dem Gasthause der Stadt Krenznach als Keller dienend.Die neuere voin Erzbischof Willigis von Mainz erbaute Brücke, hat 7offne Bogen und ist 160 Schritt lang. Zwei Steine ans ihrer Mitte be-zeichnen die Landesgränze zwischen dem Großherzogthum Hessen und demKönigreich Preußen.

Außer der alten, ziemlich großen, im Innern wie im Aeußern er-neuerten Pfarrkirche, der ehemaligen Kapuziner-Kirche, dein alten Amts-gebäude und dein Pfarrhause, worin der Mystiker Holzhäuser gewohnthat, enthält Bingen nicht viel Merkwürdiges, insofern man nicht dasneue Bad ohne Quelle und die Dampfmühle ohne Dampf als Merkwür-digkeiten gelten lassen will. Von größerem Interesse ist jedenfalls dersehr geringe Nebcrrest von dem ehemaligen Ruperts-Klostcr, auf demGipfel des gleichnamigen Berges, ain linken Rahe-Ufer, worin die heil.Hildegard im 12. Jahrh, ihre serasischen Verzückungen hatte und ihre Mitthei-lungen über dieselben schrieb. Die hier aus den Felsen sprudelnde Quelle, überwelche sich ein k. preuß. Zollgebäude erhebt, war früher ihrer Wunderkraftwegen berühmt und wird noch jetzt von vier Freunden eines köstlichen Natur-Labetrunkcs oft besucht. Am Fuße des Rupertsberges gewahrt man dieUeberreste der Elisabethen-Kapelle, welche ehedem einen Theil des Klo-sters ausmachte.

Auf Befehl des Marquis <l'll»x>ttI>-5, Gouverneurs von Mainz (vom5. Juni 1689), wurden die Mauern, Thürme w., von Bingen gebrochenund größtcntheils der Erde gleich gemacht. Der Befehlshaber des Klopp,Namens <lc l-> «uuüliiro, lies diese Feste ebenfalls sprengen.