von Schwänen, Astrachan-Gänsen und andern Schwimmvögeln bevölker-ten Teich, an desten östlichem Ufer, auf den Trümmern des alten Kai-ser-Schlosses Biburk, die von Herzog Friedrich August erbaute Mos-burg sich erhebt. Es stehen darin einige merkwürdige Steinbilder, dieaus der aufgehobenen Zisterzienser-Abtei Eberbach hierher versetzt worden.Vorzüglich beachtungswerth find die beiden Steine aus dem 13. und 14.Jahrhundert, in der Vorhalle. Diese Stelle ist geschichtlich dadurch merk-würdig, daß 874 Ludwig der Deutsche einige Zeit sich hier aufhielt, unddaß um die Mitte des 15. Jahrhunderts Dudo von Biburk, Stadtbau-meister von Mainz, der 1462 diese Stadt an Adolf von Rassau verrieth,hier hausete. Schon mit Anfang des ll. Jahrhunderts hörte Biburk auf
eine Kaiserpfalz zu sein.
Wiesbaden. Die Landstraße von Biebrich nach Wiesbaden führtin einer Stunde über die sanftgerundete Höhe, von der man eine rei-zende Ausficht auf den Lauf des Rheins, von Nackenheim bis zum Ro-chusbcrg bei Bingen, und die freundliche Gegend zwischen diesen beidenEndpunkten hat. Gegen den ersten fesselt vorzüglich Mainz und das ihmgegenüber gelegene Kastel den Blick, sodann Hochheim, Großgerau, inblauer Ferne die weiße Häuser-Reihe von Darmstadt und der Mclibokus.Stromabwärts übersieht man fast den ganzen obern Rheingau, mit seinenzahlreichen Ortschaften, und demselben gegenüber einen nicht unbedeuten-den Theil der Provinz Rhcinhessen.
Gegen Wiesbaden hinab wandernd, sieht man von diesem letztendie Rheinstraßc vor sich, in welcher sich zwei Gasthäuser ersten Preises,Taunus- und London-Hotel befinden, nebst dem hübschen Bahnhof undmehren Landhäusern, die sich gegen den Kursaal hinziehen. Um zu die-sem zu gelangen, wendet man sich rechts gegen die Wilhelms-Straße,und folgt der mit derselben gleichlaufenden Platanen-Allee bis zumWilhelms-Platze, wo man den Kursaal vor sich und die von hundertLaden belebten Kolonnaden zur Rechten und Linken neben sich sieht.
Das erste von 1808 bis l8lt> aufgeführte Gebäude enthält einenprachtvollen Hauptsaal, der 130 Fuß lang, 60 Fuß breit und 50 Fußhoch ist. Die Emporbühncn ruhen auf 28 schönen Marmor-Säulen undin 10 Nischen stehen Bildsäulen und Büsten von karrarischem Marmor.Seitwärts, neben dem großen Saale, sind mehrere kleinere dem Hasard-spiel vorbehaltene Gemächer, und denselben gegenüber das Lokal derSpeiscwirthschaft. In einem der »ordern Pavillons ist ein Kaffeehaus,in dem andern ein Lesekabinet. Zur Kurzeit werden iin Kursaal all-wöchentlich Bälle und Konzerte gegeben.
Die Garten-Anlage hinter dem Gebäude ist recht hübsch; nur möchteman ihr mehr Schatten und dem Teiche mehr Klarheit wünschen. Zubeiden Seiten erheben sich von Jahr zu Jahr immer mehr Landhäuserin einem ziemlich guten Geschmack. Folgt man der Promenade, so ge-langt man in einer Viertelstunde nach der Dietenmühle, wo eineGarten-Wirthschaft ist. In einer halben Stunde erreicht man das Dorfund die Burg Sonnenberg.
Die Lage von Wiesbaden, am Fuße des Taunus-Gebirgs und ander Mundung von drei kleinen Thälern, ist sehr angenehm. Die mitt-lere Höhe der Stadt ist 330 Fuß über dem Meere. Sie hat eine Be-völkerung von 13,000 Seelen und eine Garnison von 400 Mann, ineiner hübschen Kaserne. Das muriatisch-salinische Wasser der hiesigenThermen, dessen man sich sowohl zum Baden als zum Trinken bedient,hat eine Wärme von 50 bis 56° Rcaumür. Die Zahl der Badhäuserbeläuft sich auf 22; man findet in denselben nur Wohnung und Bad.Die vorzüglichsten derselben sind: englischer Hof, Römerbad, Spiegel,Bär und Stern. Gast- und Badhäuscr gibt es 7, nämlich: vier Jah-reszeiten, Adler, Schützenhof, Rose, holländischer, kölner und pariserHof. Gasthäuser, in denen keine Bäder find, gibt es 25 bis 30. Dieangesehensten davon find: Hotel Zais, Allecsaal, naffauer Hof, Taunus-Hotel, London-Hotel, Einhorn und Hamburger Hof. An Privat-Woh-nungen zu jedem Preise, Speise-, Kaffee-, Wein-, Bier- und Garten-Wirthschaften ist kein Mangel.
Zu den Sehenswürdigkeiten Wiesbadens gehören nächst dem Kur-saal: das Schlößchen in der Wilhelmsstraße, worin sich die Bibliothekund das Museum, die Alterthümer-, Gemälde- und naturhistorischenSammlungen befinden; ferner das neue Residenzschloß, das Rathhaus,
das Ministerial-Gebäude, das Kasino, die Burg, der Urthurm, dieevangelische Stadtkirche, die Infanterie- und Artillerie-Kasernen, dasbürgerliche und das Militär-Spital, das Theater rc.
Die angenehmsten Spaziergänge und Ausflüge sind, mit Inbegriffdessen nach Sonnenberg, die nach rem Geisberg, der Platte, Klarcn-thal, Fasanerie, Adamsthalerhof und Walkmühle, Nerothal und Nero-berg, Chausscehaus und hohe Wurzel, Gcorgenborn und Schlangenbad,Dotzhcim und Frauenstein, Schierstein und Biebrich, Erbenheim undWarte, Bierstadt und Warte, Heidenberg w.
Homburg vor der Höhe. Diese von 4000 Seelen bevölkerteStadt, Residenz des Landgrafen von Hessen-Homburg, ligt etwa 300 Fußhöher als Frankfurt und 600 Fuß über dem Meere. Obgleich erst seiteinigen Jahren im Gebranch ist der Elffabeth-Brunnen, der vorzugsweisegetrunken wird, doch bereits verdientermaßen berühmt. Eben so wichtigwird auch der erst neuerdings gegrabene Stahlbrunnen werden. Nachdiesen beiden Quellen kommt der Sauer- oder Ludwigs-Brunncn und derBade- oder Salzbrunnen. Die vorzüglichsten Gasthäuser sind: hessischerHof, englischer Hof, goldner Adler, goldner Engel, goldne Rose undStadt Frankfurt. Die besten Bäder find die der Apotheker Thuquct undTheiß, nächstdem die im Adler und bei Busch. Die Zahl der Kurgästeist sehr im Steigen; sie belief sich 1842 über 1000. Die Preise find nochziemlich billig.
Die Hauptschcnswürdigkcit zu Homburg ist das landgräfliche Schloß,mit einer merkwürdigen Gemälde-Sammlung und interessanten Biblio-thek. Auch der zu dem Schlosse gehörige Park ist obschon nicht groß,doch mannigfaltig. An reizenden Spaziergängen in der nächsten Umge-bung der Stadt, wie an Gelegenheit zu genußreichen Ausflügen nachFriedrichsdorf, dem alten Römer-Kastell der Saalburg, dem germani-schen Ringwall auf dem Altkönig und dem aussichtreichen Feldberg fehltes nicht. Die beiden letzten Punkte können auch mit Leichtigkeit vonSoden und Kronthal binnen wenigen Stunden besucht werden. Nachdem 3 Stunden von Homburg einsernten Frankfurt fahren im Sommertäglich, sowohl Vor- als Nachmittags und Abends Post- und andereWagen, ebenso auch umgekehrt. Der neue Kursaal, von den Spielun-ternehmern, Gebrüder Blanc erbaut, befindet sich im untern Theile derNeustadt. Er enthält außer den Spielsälen eine Speisewirthschaft undein Lesekabinet.
Eltville oder Elfeld. Dieser freundliche Hauptort des Rheingaues,ein Städtchen von 2500 Seelen, zeigt sich von allen Seiten sehr malerisch,am meisten aber auf der Rheinscite. Hier imponirt besonders der gothi-sche Thurm des alten Schlosses, mit vier Erkerthürmchen. Er gehöttjetzt zum Amtshause. Weiterhin zeigten sich die Spitzgicbel der clzischenFamilien-Häuser mit dazwischen befindlicher Terrasse, die Stad kirche undihr hoher Thurm in drei Absätzen, von dem man eine prachtvolle Aus-sicht über das Rhemgau und sein Gcbirg, wie gegen Nieder- und Obcr-Jngelheim, Binge» und die übrigen Ortschaften des linken Rheinufers hat.
Schon zu den Zeiten der Römer-Herrschaft soll hier eine Nieder-lassung bestanden und dieselbe ,4lta vill» geheißen haben, was jedochvielfach bestritten wird. Erst im 11. Jahrhundert hat man sichere ge-schichtliche Nachrichten über diesen Ort, der aus einem unter den Karo-lingern gegründeten alten Weiler (woher der heutige Name) entstand.Seine Burg wurde vom Erzbischof Balduin von Trier, Verweser desErzstifts Mainz, 1320 erbaut, war seitdem die gewöhnliche Residenz derMainzer Kurfürsten von denen Johann I., Konrad m , Adolf II. undSebastian hier starben, brannte später ab, wurde im Anfang des 16. Jahr-hunderts wieder hergestellt, ging aber allmählig zu Grunde, als Diethervon Jsenburg die Martinsburg in Mainz erbaute, wo er und seine Nach-folger nun fast beständig residirten.
Gutenberg legte hier, nach seinem unglücklichen Prozeß mit Fust,eine Druckerei an, der sein Verwandter, Heinrich Bechtermünz und Wi-gand Spieß von Ortenberg vorstanden. Es gingen daraus von 1467bis 1469 einige Werke, namentlich das berühmte Voe-Kulsrium istino-teutauieum hervor, die äußerst selten geworden sind. Ein naher Ver-wandter Gutenberg's, Jakob Eensfleisch, von Sorgenloch, ligt auf demKirchhof begraben. Sein Grabstein befindet sich in der schenckschmidtburg-schen Kapelle, unfern der uralten Kirche.