Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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Uwischen Mainz u»»Ä IZingen.

??hein von Main; bis Bicbrich. Auf der ganzen Strom-länge des Rheins, von seinen Quelle» bis zum Meere, gibt es viel-leicht keinen malerischer» Punkt, als den von Mainz und seiner Um-gegend gebotnen. Die Stadt mit ihren denkwürdigen Bauwerken:dem rothen, sechsbethürmten Dom; dem fast 220 Fuß hohen Thurm-oktogon der Stefanskirche, auf dem 100 Fuß über den Rheinspiegelerhöhten städtische» Gipfelpunkte; der schwarzgrauen Rundmasse desEichelsteins, dieses zu Ehren des Erbauers von äl»xuvtiseu,» vor län-ger als 1800 Jahren errichteten Römer-Denkmals; dem ehemaligenkurfürstlichen Schlosse; dem deutschen Hause und vielen andern Gegen-stände», die nicht allein eine geschichtliche Wichtigkeit habe», sondernauch der Landschaft zu eigenthümlicher Zierde gereichen, dehnen sich vorden Blicke» des Reisenden aus, der Mainz auf der Nheinscite begrüßtoder verläßt.

Ein schönes Bild gewährt die allmählig in Form eines unregelmä-ßigen Dreiecks gegen den Hügel sich erhebende Häusermasse, in der sicheinige hervorspringende Punkte harmonisch grupiren. Nächst den be-reits angedeuteten Gebäuden sind noch zu nennen: der deutsch-gothi-sche Holzthurm, die Gasthäuser längs des Rheins, das Zeughaus, diemit zwei Thürmen geschmückte Peterskirchc, die hübsche Perspektiveder großen Bleiche, beendet durch ein freundliches Gebüsch, auf dersanft abfallenden Schulter des Hochwalls, der das Römer-Kastrum, denheutigen Kästrich-Weinberg, deckt; ferner die mächtigen Massen der Jg-naz- und Augustiner-Kirchen, die hohen Basteien und Kasernen der Zi-tadelle, die Thürme der Quintins-, Emmerans- und Kristofs-Kirchen,die hohen Giebel des ehemaligen Universitäts-Gebäudes, des neuenSchauspiel-Hauses, der verödeten Karmeliter- u. Neichklaren-Kirchen, zc.

Wendet man den Blick nach der andern Seite des Rheins, sotaucht das langgcdchnte, weiße Zangenwerk, gleichzeitig Kaserne undBrückenkopf, zu Kastel, aus den Fluten auf. Das ebengenannteStädtchen, verschönert durch den großen Bahnhof und belebt durch dieTaunus-Eisenbahn, streift allmählig seine unscheinende Puppe ab, undstatt ärmlicher Hütten ersteigen palastähnliche Gebäude einem Boden,der vor wenigen Jahren kaum mehr als ein Sumpf war.

Aus der Ferne winkt, stromaufwärts, der Odenwald, mit demweißen Thurm auf dem Gipfel des Mclibokus. Gegen Nordost zeigensich die abgerundeten Formen des großen und kleinen Fcldberg unddes archäologisch merkwürdigen Altkönig. Auf der Nord- und Nord-westscite dehnt sich die lange Kette des Taunus- oder Rheingau-GcbirgSaus, auf dessen Hanptübergang, der Platte, das gleichnamige her-zoglich nassauische Jagdschloß schimmert.

Die meisten Reisenden, welche sich von Mainz stromabwärts be-geben, bedienen sich der bei weitem angenehmsten, schnellsten und wohl-feilsten Gelegenheit, welche durch die ebenso praktische als bequemeDampfschifffahrt geboten wird. Bei jeder Beleuchtung, vorzüglich beider des Morgens und Abends, bietet die l700 bis 1800 Fuß breiteSpiegelfläche des vaterländischen Stroms in der schönen Jahreszeit einherrliches Bild.

Fast mit zu großer Schnelligkeit schwimmt man, an den lg Schiff-mühlen vorüber, der von einem hohen Pappelrahmen in Hufciscnformeingefaßten Spitze der Pctersau zu. Diese ganz zum Großherzog-thum Hessen gehörige Insel nähert sich dem rechten Ufer, von dem sienur durch einen schmalen, seichten Rheinarm geschieden ist. Es befin-den sich auf ihr drei Häuser - Gruppen und einige Festungswerke.Die IohanniS- oder Ingelheimcrau zur linken, zu Mainz gehörig,

hat fast in ihrer Längcmitte ein stattliches, von kleinern WirthschaftS-Gebäuden umgebenes, HauS und ist sparsamer bebüscht.

Dieser Theil des Rheins ist auf beiden Seiten von hohen Pappel-Alleen eingeschlossen, zwischen denen man zur Rechten das Fort 51»»-tekello, den langgedehntcn Hügelrücken von Erbenhcim bis Hochheim,mit der mittelalterlichen Warte bei dem ersten Dorfe, und in der Ent-fernung von 8 Stunden den Feldberg und seine Nachbarn gewahrt.Zur Linken zeigt sich das freundliche Gartenfcld (einer Art Vor-stadt von Mainz), mit seinen Schiffswerften, Borraths-Behältern,Bleichen, Fabriken, Kunstgärtnereien, Wein- und Tanzwirthschaften,Privatgärtcn, dem Sicherheitshafcn, dem Turnplatz, der Militär-Schwimmschule :c., über die sich der Hartend erg, mit dem Fortgleichen Namens und einer Windmühle, erhebt. Die FestungS-Liniezieht sich von da einerseits gegen den Hauptstein und a>»f der andernSeite gegen die Jnundations-Schanze am Rhein.

Biebrich. In kaum mehr als einer Viertelstunde rudert derDampfer von Mainz bis Biebrich, vorüber an der Herzogsali,oder dem Biebricherwörth, von dem ein aus aufgehäuften Steinengebildeter sehr langer Sporn zwischen die Petersau und Jngelheimcrauvorspringt, um das Fahrwasser des Rheins gegen Biebrich zu leiten.Dies letzte, ein freundlicher Flecken oder ein Städtchen von 3000 Ein-wohnern, wird gebildet aus den beiden frühern Dörfern Biebrichund Mosbach, die jetzt zusammengebaut sind und den Namen desersten tragen.

Nahe am Ufer, auf einer nicht hohen Garten-Terrasse, zeichnetsich die schöne Linie des Schlosses, Sommer-Residenz des Herzogs vonNassau. Dasselbe besteht aus zwei Pavillons an beiden Enden, einemRundbau, mit einer halbmondförmigen Doppeltreppe in der Mitte,den beiden Zwischengebäuden und einem Seitenflügel gegen den Gar-ten. Das im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts von dein FürstenGeorg August Samuel von Nassau-Usingen aufgeführte Gebäude istzwei Stockwerk hoch. Der höhere Mittelbau enthält auf ebener Erdeeine Kapelle und darüber einen prächtigen Marmorsaal.

Die Wohnung des regierenden Herzogs ist im linken Pavillon,gegen Südost. Daran stößt ein langer, schöner Speisesaal, aus demman in den 50 Fuß hohen Marmorsaal und von diesem in den Ge-sellschaftssaal gelangt. Auf dem Söller vor dem Marmorsaal, vonwo sich die beiden Sicheltreppen gegen die Orangerie-Terasse senken,hat man eine herrliche Aussicht, cinerseit auf Mainz und Kastel, an-derseit auf verschiedene Orte des Nheingaus, unter denen sich besondersdas malerische Eltvillc auszeichnet. Näher liegen Nieder-Walluf undSchierstein; jenseit, am linken Nheinufer, das Dorf Mombach, hinterdem immer höher anschwellende Hügclwellen bis zum Donnersberg undzum Jakobs-Berge sich erheben.

Von den übrigen Gemächern des Schlosses verdienen noch der ehe-malige Audienzsaal, der grüne Billardsaal, das blaue Zimmer, derWintcrsaal und die Zimmer im obern Stock gesehen zu werden. Essind darin mehre große, schöne Porzellan-Vasen, einige solche von Kri-stall und Malachit, seltne englische Kupferstiche, interessante Porträteund andre bemerkenswerthe Gegenstände befindlich. Fürst Karl verlegte1744 seine Residenz von Usingen ganz nach Bicbrich.

Der hinter dem Schlosse sich ausdehnende fast 160 Morgen großePark ist eine Viertelstunde lang, über lv Minuten breit und hält eineStunde im Umfang. Er wurde von dem Garien-Direktor Sekell ange-legt. Nächst einigen Treibhäusern und einem Blumen-Garten, enthälter herrliche Kastanien-Alleen, einen hohen Springbrunnen, einen großen