Handel und Gewerbe.
Handel. Die natürliche Lage von Mainz ist für Handel undVerkehr jeder Art sehr vortheilhast. Im Mittel-Alter eine der erstenHandels-Städte Deutschlands, wurde >254 der rheinische Städtebundin ihr gegründet. Im >3., >4. und 15. Jahrhundert war es ei-ner der Hauptstapelplätze des Handclszuges aus Italien nach denNiederlanden, und gelangte dadurch zu hoher Wohlhabenheit, welcheleider durch den verräthcrischen Uebcrfall Adolfs von Nassau, imI. >462, vernichtet wurde. Nur langsam blühte dieselbe im Laufe des>6. Jahrhunderts wieder auf; doch hatte der Welthandel indeß eineandere Richtung genommen und die Schrecken des 36jährigen Kriegesstürzten die unglückliche Stadt abermals in den Abgrund des Verder-bens. Unter der weisen Regierung seiner beiden letzten Kurfürsten, warMainz wieder zu hohem Flore gediehen, als die französische Staats-umwälzung ausbrach, und auch diese Stadt mit ihren Drangsalenheimsuchte. Seit der Wiedervereinigung mit Deutschland, vorzüglichaber seit dem Anschluß des Großherzogthums Hessen an den deutschenZollverein, haben in Mainz Handel und Gewerbe in einem verhältniß-mäßig bei weitem größern Maaßstabe sich entwickelt, als je zuvor.Sein Hafen-Verkehr gibt im Durchschnitt jährlich eine Gesammtmassevon >,666,666 Zentner angekommner und eine solche von >,266,666Zentner abgegangener Güter. Ein- und umgeladen werden zur Thal-fahrt über anderthalb Millionen Zentner, zur Bergfahrt >,766,666Zentner und zur Mainfahrt über eine Million Güter. Die Mengeder von hier abgegangenen Quantitäten an Floßholz, Nutzholz ?c. be-trägt nahe an 466,666 Kubikmeter, und der Schiffsverkehr wird imGanzen auf 7666 Fahrzeuge verschiedener Größe, ohne die Dampf-schiffe, berechnet. Auf dem Gctreidcmarkt werden jährlich zwischen466,666 und 566,666 Malter Getreide, nebst bedeutenden QuantitätenWicken, Linsen, Erbsen u. s. w. umgesetzt.
Gewerbe. Die beachtungswürdigsten Industrien zu Mainz sind:die große Leder- und Saffian-Fabrik von Maier, Michel und Denin-ger, die bedeutenden Lurus- und HauSmöbel-Fabriken von Bembe, Fi-scher, Hcininger, Kimbel, Knußmann, Rauch und vielen andern; dieFlügel-, Pianos- und andre musikalische Instrumenten-Manufakturenvon Alexander, Diehl, Korn, Maar, Müller, Schaubruch, Schott, Voll:c.; die Wagen-Fabriken von Becht, Berdelle, Gastcll, Harig, Hornund Rüder; die schäumenden Rheinweine von Dael, Humann, Lau-teren und Mappes, die Korkpropfen-Fabrik von Girbal, die Perlen-Fabrik von Wagner, die Muschelwaaren-Fabrik von Kopp, die Baum-wollen- und Wollen-Fabrik von Frcnap, die Roßhaartücher von Hein-rich, Kohlmaier und Ludwig, die Schriftgießerei von Kupfcrberg,die Buchdruckereien von Hellermann und Comp., Kupfcrberg, Pri-ckarts, Wirth und Th. v. Zabern, die Kupferdruckerei von Lehnhardtund Mänzel, die Steindruckereien von Börner, Götz, Gunst, Kupfcr-berg, Lehnhardt, Maper, Steinbach, Wasserburg, D. v. Zabern, Thv. Zabern und Zimmermann, die Buchhandlungen von Evler, Halcn-za, Kirchheim Schott und Thiclmann, Kunze, Kupferberg, le Rour,Stenz, Wirth und B. von Zabern. die Kunsthandlungen von Appiano,Evler, Halenza, Walter, Wirth und V. von Zabern.
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Vergnügungen und Spaziergänge.
Theater. Im Winter werde», ausser dem aufgehobenen Abonne-ment, wöchentlich regelmäßig vier Vorstellungen gegeben, im Sommeraber gewöhnlich deren nur zwei.
Gesellige Vereine. Die Gesellschaft der Freunde zur Eintrachtbildete sich >838 aus den beiden Logen „der vereinigten Freunde" und,.Ludwig zur Eintracht." Sie besteht aus etwa >66 Theilnchmcrn. —Main», IV,
Die Kasino- und Lese-Gesellschaft im Hofe zum Gutenberg gab sich>825 ihr jetziges Statut. Sie zählt >86 wirkliche Mitglieder (Aktien-Inhaber) und über 266 Ehren-Mitglieder.
Der >838 gestiftete gesellige Verein zählt 266 Mitglieder.—Dieisraelitische neue Ressource besteht aus 66 Mitgliedern. In alle dieseGesellschaften können Fremde eingeführt werden — Die der beiden k.k. östreick. und k. prcuß. Militär-Kasinos haben denselben Zweck, wie diebürgerlichen Vereine dieser Art. Häufig besucht sind auch im Winter dieVersammlungen der Karnevals-Gesellschaft, in der sogenannten Narr-halla, während den Monaten Januar und Februar im Saale des frank-furter HvfeS, und während den andern Monaten die Sonntags-Soireenin demselben Lokal. — Im Sommer sind die öffentlichen FreitagS-Konzerte in der neuen Anlage (s. das.) sehr stark besucht, ebenso imWinter die Karnevals-Bälle im Theater und an andern Orten. Inder guten Jahrszeit ziehen die Kirchwcihen in den benachbarten Dör-fern und in Kastel viele Besucher an.
Nächste Umgegend.
Kastel. Mainz gegenüber, am rechten Nhcinufer, liegt diegroßhcrzoglich hessische Stadt und einen Theil jdes Bereiches derBundcs-Festung Mainz bildende Festung zweiten Ranges Kastel.Der früher sehr niedrige und zum Theil sumpfige Boden, auf welchemdieser Ort erbaut war, ist in neuster Zeit mehr erhöht und ausge-trocknet worden. Doch veranlaßt das stehende Gewässer in der altenMainlache und in den Gräben auf der Nordostseitc immer noch zeit-weise Fieber, die erst durch eine vollständigere Verbesserung beseitigtwerden können. Auch fehlt es dem Orte an gutem Trinkwasser. Dievortreffliche Quelle des OchscnbrunnenS, am Fuße der Höhe von Er-benheim, diente bis jetzt nur dazu, die nördliche Niederung, hart anden FestungS-Werken, in einen Sumpf zu verwandeln. .Sie soll nunaber regelmäßig nach der Stadt geleitet und in derselben, in der Nähedes Eisenbahn-Hofes, ein hübscher Laufbrunne» errichtet werden.
Gleichzeitig mit dem c->»tru>»iu->^unti»c»in, lies Drusus das nachihm benannte Kastell erbauen, dessen innerer Umschluß höchstens 26 Mi-nuten im Umfang hatte. Dies Kastell befand sich auf der Nordseitedes heutigen Städtchens, und war mit dem linken Ufer durch eine2566 Fuß lange und 54 Fuß breit? Steinbrücke verbunden, deren Er-bauung in die Jahre S7 bis >6l unsrer Zeitrechnung, unter Trajan, be-stimmt werden muß. Sie ruhte auf 24 Pfeilern, wovon >8 im Rhcinbette,drei auf dem linken und drei auf dem rechten Ufer befindlich waren. Jederdieser Pfeiler war 36 Fuß dick und von dem andern 64 Fuß entfernt.Die Höhe der Bogen über dem mittlern Wasscrstand mochte 35 bis46 Fuß betragen. Auf der Ostseite des Drusus-Kastells bestand, wahr-scheinlich vom Jahr >56 unsrer Aera hinweg, eine bürgerliche Nieder-lassung, anfänglich Vious »oi-u- (neues Dorf), später Ort der Melonicrund, vom Anfang des dritten Jahrhunderts, Mattiakenstadt (ltivi>»s m->tliscoruin) genannt. Mehre in und bei dem heutigen Kastel ausgegra-bene Steinschriften bestätigen das vollkommen.
Die heutige Stadt Kastel besteht aus drei oder vier Längen- undebensoviel Quergassen. Die längs der Eisenbahn ist noch nicht ausge-baut, verspricht aber binnen wenigen Jahren die schönste und vorzüg-lichste von allen zu werden. Schon erheben sich an ihr das große Ge-bäude des Gasthauses ersten Preises: zum Bären und die der Gasthäuserzweiten Preises: Taunus, Anker (zugleich Bierbrauerei) und weißesRoß. In der frankfurter Straße sind die Gasthäuser des zweiten unddritten Preises: Mainzer Hof, drei Könige, Stadt Frankfurt, weißeTaube, goldnes Lamm und drei Kronen. In der Hcrrngassc ist daskleine Gasthaus Krone, und in der wiesbadner Gasse der Schützenhofund die bairische Bierbrauerei von Bauer. Kastel hat 3666 Einwohner,