1443 bis 1450, wie Fusts und Schöffers, bis 1453, sieht man zwei 1828gesetzte Denksteine, und am Fenster-Gewände im ersten Zimmer zu ebe-ner Erde das Wappen der Familie zum Jungen, drei Jagdhörner.Die Hintere rundbogige Hofthür scheint aus dem 12. Jahrhundert her-zurühren. Einige andere Theile dieses Hauses sind ebenfalls sehr alt.
Haus zum Korb, in der Korbengasse, Q. 409. Das zweiteDruckhaus FustS und Schöffers. Es besteht noch heute in derselbenForm, wie es im 14. Jahrhundert erbaut worden. An der Ecke springtein langgedehntes Thürnichen vor. Der Hauseingang ist spitzbogig,der Giebel staffelförmig und die Hintere Mauer mit Zinnen versehen.Die auf gestauchten Säulen ruhende Bogen-Halle im Hofe ist sehr al-terthümlich.
Hof zum Hu m brecht, später Dreikönigshof, L. 83 und 89, inder Schuster-Gasse. Dies dritte Druckhaus FustS und Schöffers hingfrüher unmittelbar mit dem dahinter liegenden Hause zum Korb zu-sammen. Hier wurde, wie eine im Hose befindliche Inschrift besagt,1457 die erste vollkommen eingerichtete Buchdruckerei errichtet und dasGebäude deshalb der Druckhof genannt, worin bis 1553 jene alteDruckerei blieb. Das jetzige Gebäude im Hofe wurde 1534 gebaut.Früher stand hier eine Kapelle, in welcher die Reliquien der heiligendrei Könige niedergelegt worden, als man sie nach Köln brachte, wo-her auch der Name Dreikönigshof rührt.
Stadions-Kaserne und östreichische Hauptwacht, k. 292.Ein großes Gebäude am Flachsmarkt, der Schuster- und Stadions-Gasse, auf der Stelle des alten Hauses zum Affen, später stadionerHof. Es dient jetzt als k. k. östreichische Infanterie-Kaserne und hängtzusammen mit der in neuerer Zeit im guten Styl angebauten, miteiner Trofäe geschmückten, k. k. östreichischen Hauptwacht.
Militär-Bäckerei, in dem ehemaligen Kloster der reichen Kla-rissen, deren große Kirche zum Korn- und Mehlspeicher eingerichtetworden. Die Gebäulichkeiten sind ziemlich ausgedehnt, haben jedochnichts bemerkenswerthes.
Marktbrunnen. Die Zeit seiner ersten Errichtung ist unbe-kannt. Er stand schon, als von 1347 bis 1349 die schreckliche Pestwüthete, woran in Mainz über 6999 Menschen starben. Ein Jude,der damals das Wasser des Marktbrunnens vergiftet haben solltewurde verbrannt und der Brunnen kam außer Gebrauch. KurfürstAlbrecht lies ihn 1527 wieder herstellen und an den drei Säulen ver-schiedene Steinbilder anbringen, welche sich zum Theil auf die Sagevon der Vergiftung, zum Theil auf Franz I. Gefangennehmung beiPavia und die Beendigung des Bauern-Krieges beziehen. Der Brun-nen wurde 1767 und 1336 wieder erneuert und verdient nicht unbeach-tet gelassen zu werden.
Preußische Hauptwacht, auf dem Liebfrauenplatz. Sie wurde1823 in den ehemaligen Kreuzgang der 1893 abgetragenen Liebfrauen-kirche hineingebaut und ist ein ihrem speziellen Zweck ganz entsprechendesrecht hübsches Gebäude, mit einer von 6 Pfeilern getragenen Vorhalle.Der Hauptwacht schräg gegenüber bemerkt man den Schnörkelbau deschemal. Gasthauses zum römischen Kaiser, aus zwei Spitzgiebeln aufbeiden Seiten und einem achteckigen Thürmchen in der Mitte bestehend.
Domkustorie-Gebäude, t 222, am gleichnamigen oder Bi-schofsplatz. Es dient jetzt als Wohnung des Landes-BischofS, hat äußer-lich nichts besonders ausgezeichnetes und ist nur dadurch merkwürdig,daß cö das alleinige, noch vorhandene größere, der früher so zahlreichenGebäulichkeiten des alte» Mctropclitan-KapitelS von Mainz ist. Da-hinter ist ein ziemlich großer Garten.
Rochus-HoSpital, 4.125, in der engen Armenhaus-Gasse, wodies große und schöne Gebäude viel weniger bemerkt wird, als wennes auf einem freien Platze stünde. Es wurde 1721 gebaut und ent-ging 1793 der fast allgemeinen Verwüstung. Unter der französischen >
Verwaltung wurden, zu Anfang 1798, die übrigen früher in Mainzbestandenen Hospitäler mit diesem ursprünglichen Armen-Hause (wozueine hübsche von einem Thürmchen überragte Kirche gehört) verbunden.Im Armen-Hause befinden sich gegenwärtig an 499, und im Kranken-Hause etwa 159 Personen.
Waisenhaus, u 194, in der Kappelhof-Gasse. Dies äußerlichsehr bescheidene Gebäude und die damit verbundene Wohlthätigkeits-Anstalt, deren innere Einrichtung ganz zweckmäßig ist, wurde 1665 ge-gründet. Es befinden sich darin etwa 99 Kinder und einige 59 Lehr-linge bei Handwerkern. Im Hofe steht ein Denkmal zur Erinnerungan Anton Mentgcs, der 34 Jahre Lehrer in diesem Hause war.
Zuchthaus, li. 2l5, in der gleichnamigen Gasse. Mit der dazugehörigen Kapelle wurde es 1738 erbaut. Am Haupteingang ist einWachthauS. Das Korrektions-Gebäude umschließt drei Höfe und istziemlich geräumig aber düster und gedrückt. Ueber einer Hinterthürist ein allegorisches Steinbild, ein mit lustigen Leuten besetzter Wagen,der von zwei Schweinen, worauf ein Reiter, zwei Löwen und zweistolz ihre Geweihe tragenden Hirschen gezogen wird, nebst einer dar-auf sich beziehenden Inschrift.
Defensions-Kaserne, auf der Eisgrube. Ein großes, imposan-tes, bombenfestes Gebäude von rothem Sandstein. Es wurde von 1839bis 1842 aufgeführt, und ist auf der Rückseite mit Schießlöchern fürKanonen, zwei kleinen Eckthürmchen und einem großen vorspringendenMittelthurm versehen. Längs dieser ganzen Seite der Kaserne ziehtsich ein gemauerter Graben hin. Beim Bau derselben wurden dieGrundmauern eines Römer-Tempels ausgegraben und nebst dem nochviele andere römische Alterthümer gefunden, die abhanden gekommensind.
Vereine.
Verein für Kunst und Literatur. Derselbe besteht seit 1823.Sein Zweck ist, Sinn und Liebe für Kunst und Literatur zu fördern;in Verbindung mit den Kunstvcreinen zu Darmstadt, Karlsruhe,Mannheim und Straßburg, welche mit dem in Mainz eristirende» denrheinischen Kunstverein bilde», jährliche große Kunstausstellungen zuveranstalten und in Folge derselben sowohl Gemälde für sein bleiben-des Eigenthum, als zur Verlosung an Aktionäre zu erwerben. DieGesellschaft zählt etwa 189 wirkliche und 36 Ehrenmitglieder. Derjährliche Beitrag der ersten beläuft sich auf 5 fl. 24 kr.
Musikalischer Verein, bestehend aus der 1831 gestifteten Lic-der-Tafel und dem fünf Jahre später entstandenen Damen-Gesang-verein, welche zusammen etwa 389 aktive und nichtaktive Mitgliederzählen, die zwischen 6 fl. bis 7 fl. l2 kr. jährliche Beiträge entrichten.Der 1842 gebildete Instrumental - Musik-Verein, von etwa 59 Mit-gliedern, war auch mit der Liedertafel verbunden, hat sich aber vorkurzem davon getrennt.
Rheinische naturfvrschende Gesellschaft. Sie wurde 1834gegründet, zählt etwa 399 aktive und befördernde, nächstdcm auch vielekorrcspondirende Mitglieder. Der jährliche Beitrag beläuft sich auf 7 fl.Die bereits sehr ansehnliche naturgeschichtliche Sammlung dieser Ge-sellschaft ist im alte» Schlosse (s. das.) aufgestellt.
Gartenbau-Verein. Er wurde 1839 gestiftet, besteht aus 169aktive» und 29 korrespondircnden oder Ehrenmitgliedern. Die erstenzahlen jährlich 3 fl. 39 kr.
Lokalgewcrb-Verein. Die mainzcr Sektion des gr. Hess. Lan-deSgewerb-VereinS besteht seit 1849. Sie zählt etwa 699 Mitglieder,wovon jedes jährlich 3 fl. entrichtet.