Nassauer Hof genannt. Derselbe wurde in Mitte des vorigen Jahr-hunderts zum Seminar eingerichtet. Ein provisorisches Gymnasiumwurde >814, und 4 Jahre nachher die gegenwärtige Lehranstalt von dergroßh. Hess. Staatsrcgierung hier organisirt. Es gehört dazu die sehreinfache St. Josefs-Kapclle, worin jeden Sonn- und Feiertag Gottes-dienst gehalten wird; ferner eine aus einigen tausend Bänden beste-hende Schulbibliothek, ein hübsches fpstkalisches Kabinet und eine Mi-neralien-Sammlung. Bei dieser in acht Klassen gesonderte» Lehranstalt,die von 260 Schülern besucht wird, sind 18 Haupt- und Ncbcnlchrerangestellt. Das Unterrichtsgeld beträgt für jeden Zögling 18 bis 22 ff.jährlich. In kurzem soll das Gymnasium in das Lyceums-Gebäudeverlegt und das bisherige Gymnasiums-Gebäude für die städtischenMädchen-Schulen eingerichtet werden.
Realschule. Diese 1836 errichtete großherzoglichc Lehranstalt be-findet sich in dem großen, im Hintergrunde eines geräumigen Hofesgelegenen Gebäude des frühern Wclschnonncn-Klosters, ll 81. DerEingang ist in der Steingasse. Die Zahl der Lehrer beläuft sich auf14 und die der Schüler auf 260. Letztere entrichten jeder 12 fl. jährlich.
Anstalt für Stammelnde. Sie besteht seit 1835 unter derLeitung des Herrn Hellermann mit bestem Erfolg. Das Lokal ist ineiner sehr gesunden Lage, in der Stefans-Straße, ?. 57s^.
Englisches Fräulcinstift, O 457, in der vorder» Rindsfuß-Gasse. Die in demselben bestehende Unterrichts-Anstalt wird von jun-gen Mädchen wohlhabender Bürger-Familien besticht.
Elcmcntar-Schulen. Es gibt sieben katholische und eine evan-gelische Pfarrschulen, jede mit zwei bis drei Klassen für Knaben undMädchen, unter 37 Lehrern und Lehrerinnen. Im Waisenhaus bestehtauch eine Schule, ebenso im Zuchthaus und die Freischule im Karme-liter-Kloster. Die Gesammtzahl aller Elementar-Schulen beträgt 42;dazu komme» noch 18 christliche und drei israelitische Privatschulc»,welche alle zusammen von etwas mehr als tausend Kindern (zwischen5 und 14 Jahren) besucht werden.
Jesuiten-Kaserne. In der alten Universitäts-Gasse, v. 108V„erhebt sich dies große Gebände, mit seinem Nachbar, dem Schauspiel-hause, das höchste in der Stadt. Früher N»in»5 »nivei-xit-ili«, Haupt-sitz der mainzcr Universität, worin von 1562 bis 1773 die Jesuiten dieoberste Leitung der Studien handhabten, ist dieser zu Anfang des vo-rigen Jahrhunderts gebaute Muscnsitz seit 1793 eine Kaserne und dientals solche einem Theile der k. k. östr. Bundcs-Besatzung.
Stadthaus, in der gleichnamigen Gasse, L. 170 bis 172. Diesnicht besonders großartige Gebäude, früher zum spitzen Würfel ge-nannt, enthält in ziemlich beschränkten Räumen die Geschäfts-Zimmerder verschiedenen städtischen Behörden, nebst einem kleinen Saal, worindas Bild Thorwaldsens, Ehrenbürgers von Mainz, gemalt von vr,Heuß, aufgehängt ist. In dem in den obern Räumen befindlichenstädtischen Archiv sollen sich sehr wichtige Urkunden und Handschriftenüber die ältere Geschichte von Mainz befinden. Im Mittelalter wardas Stadt- und Rathhaus (l>r ->et «rium) zuerst bis 1527 auf der Stelledes heutigen Gasthauses zum europäischen Hof und der Neben-Gebäu-,de, das sogenannte Vikariat mit einbegriffen. Von da wurde es indie alte Münze am Speisemarkt, jetzt e. 55'^, verlegt, wo es bis Endedes letzten Jahrhunderts blieb.
Justiz-Palast. In der Klarcn-Straße, L, 163, liegt dies groß-artige 1715 von vier Brüdern der freiherrlich dalberg'schen Familiegemeinschaftlich aufgeführte Gebäude, das der daran angebrachtenEberköpfe wegen gewöhnlich zu den drei Sauköpfen genannt wurde.Schade, daß es nicht auf einem freien Platze oder in einer breiterenStraße sich befindet, wo seine Vorder-Seite durch ihre Größe »ochmehr imponiren würde. ES wurde 1793 mit den angränzenden Häu-sern dergestalt zusammengeschossen, daß nur die Mauern aufrecht blie-
ben. Die Stadt kaufte es in solchem Zustande >809. Es wurde 1817ausgebaut, 10 Jahre nachher an die Staats-Rcgierung abgetreten undvon dieser zum Justiz-Palast eingerichtet. Die Ober-, Kreis-, Zuchtpo-lizei-, Handels-, Nhcinzoll- und Friedens-Gerichte halten darin ihreSitzungen. Für die Verhandlungen der Assise» ist der große Miticl-saal bestimmt. Im Hintergründe des zu diesem Gebäude gehörigenHofcS ist das neue Korrcktions-Gefängniß, dessen innere und äußereEinrichtung recht zweckmäßig ist.
Entbinbnngö-Anstalt, Rosen-Gasse, v 64. Verbunden miteinem Institut zur theoretischen und praktischen Bildung für Hebam-men, besteht diese Anstalt seit 1806 in den Gebäulichkeiten des ehema-ligen armen Klarissen-KlosterS. Die Kirche ist zu Sälen und Wohn-zimmern umgebaut. Es befindet sich darin eine Sammlung anatomi-scher Präparate und eine solche chirurgischer Instrumente. Ein Saalist für die unentgeldliche Einimpfung der Kuhpocken bestimmt.
Lyzoum. Eine abgeschlossene Häuscrinsel, umgränzt von kleinenGassen, hinter dem Hofe zum Gutenberg und der Kristofs-Kirche, wurdediese weitläufige Gebäude-Masse auf der Stelle der früheren Patri-zierhäuser zum Geldhus, zum Hammerstein und zum Eselwcck, späteriscnburgcr Hof, 1702 und folgende Jahre, nebst der dazugehörige» jetztzu anderm Gebrauch verwendete» Kirche, von den Jesuiten aufgeführt.Nach Aufhebung ihres Ordens blieb es bis gegen Ende 1792 ei» Se-minar. Sodann wurde das Lpzeum hier eingerichtet. Von 1814 bis1341 als Kaserne für k. pr. Truppen benutzt, ist es jetzt nach wie vorstädtisches Eigenthum. Einstweilen ist darin in einigen Sälen die so-genannte Metzlcr'sche Gemälde-Sammlung, welche der Stadt gehört,aufgestellt. In kurzem sollen sämmtliche städtische Pfarrschulen und dasGymnasium hier ihre Lehrlokale erhalten.
Kleiiikinvcr-Bcwahranstalt, im ehemaligen Karmeliteu-Klo-ster, i» der gleichnamigen Gasse, e, 281. Sie besteht seit >839, wird,unter Beihilfe der Stadtkasse, durch Privat-Beiträge erhalte» und vonnahe an 200 Kindern beiderlei Geschlechts besucht. Unterricht undAufsicht sind mehren Lehrern und Lehrerinnen anvertraut.
Gebäude, welche sich auf die Erfindung der Buchdrueker-kuust beziehen. Hof zum Gensfleisch, später wambolder Hof,v, 55. Dieß große Gebäude bildet das Eck der großen Emmerans-und Pfandhaus-Gasse. Es ist die geschichtlich erwiesene Geburts-Stättedes Erfinders der Buchdruckerkunst, wo er 1398 das Licht der Welterblickte. DaS alte Gebäude wurde zu Anfang des >8. Jahrhundertsabgebrochen und das gegenwärtige aufgeführt. Der jetzige Eigenthü-mer desselben lies 1825 in der Vorhalle eine schwarze Marmor-Tafeleinsetzen, deren Inschrift die vorangedcutcten Umstände bestätigt.
Hof zum Gutcnberg, das heutige Kasino-Gebäude, O. 192,am Eck der Schuster- und vorder» Kristofs-Gasse. Hier stand dasPa-trizierGebäudc, nach welchem der Erfinder der Buchdruckerkunst sich denNamen Gutenberg beilegte. Es wurde 1633 von den Schweden abge-rissen und auf dessen Stelle 23 Jahre später das jetzige Haus aufge-führt. Die schon 1507 von Jvo Wittig zu Ehren des Johann Gens-fleisch von Gutcnberg auf dieser Stelle gesetzte Inschrift, ist zu Anfangdes vorige» Jahrhunderts abhanden gekommen. Zu der 1824 von derKasino-Gesellschaft in dem zu diesem Gebäude gehörigen Garten ge-stifteten Inschrift, wurde 1827 durch den Verein für Kunst und Litera-tur noch ein sechs Fuß hohes Standbild GutcnbergS, auf einem fünfFuß hohen Sockel, in Mitte der Garten-Anlage hinzugefügt. DieseBildsäule ist von Jos. Scholl. Ihre Vorderseite zeigt eine zum grö-ßer« Theile von Jvo Wittig entlehnte Inschrift in lateinischer Spra-che. Die deutsche Inschrift auf der Rückseite ist von Lehne.
Hof zum Jungen, auch brimser oder brömser Hof genannt, ll,>21 u. 122. Er ligt am Franziskaner-Plätzchen und der Franziskaner-Gasse. Im Hofe dieses ersten Druckhauscs Gutenbergs und Fust's, von