inals dem Kaiser Napoleon und seiner Gemahlin Joscsine als Absteige-Quartier. Für eine kurze Zeit war es auch zu den Studiensälc» derArtillerie-Schule eingerichtet. Später wohnten der Erzherzog Karlvon Oestreich, der Herzog vom Württemberg und der Prinz Wilhelmvon Preußen, als Gouverneure der Bundesfestung Mainz, in diesemschönen Gebäude, das hinfort jährlich während einiger Monate diehöchststehcndcn Glieder des großherzoglichen Hauses als Residenz be-nutze» werden. Dieser Palast —wozu zwei Pavillons auf der Stadtseitcgehören, von denen der eine früher als Kapelle (auf dem Punkte derältern Elisabeth-Kirche), später als Wachthaus diente —wurde durch dieGnade des Landesherr» als Hauptlokal zu der großen Gewerbe-Aus-stellung im I. l842 verwendet. In seinem durch zwei Stockwerke ge-henden Mittel-Saale ist ein gutes Decken-Gemälde von Zick. Auchsind darin die Bildnisse des Kurfürsten Franz Ludwig, in der Trachteines DcutschordenS-Meistcrs und seines Nachfolgers, des KurfürstenKlemens August von Köln, aufgehängt.
Altes Schloß. Das ehemalige kurfürstliche Schloß, dessen älte-rer mit dem Rhein in gleicher Linie sich hinziehender Flügel von 1627bis 1678, unter den Kurfürsten Georg Friedrich und Damian, an denVordcrtheil des früheren kurfürstliche» Residenz-Schlosses, der Mar-tinsburg, sich anlehnend, erbaut wurde, dient jetzt größtentheils zumLagerhaus des Freihafens. In den auf der Seite gegen das Deutsch-ordenshaus dem Schlosse angehängten neuere Gebäuden befinden sichdie Büreaur des gr. Hess. Hauptzollamts, von denen sich eine unter derfranzösischen Herrschaft erbaute hohe Mauer gegen den neuen Flügeldes Schlosses zieht, und den Schloßhof von dem Schloßplatze absondert.
Der vorbezeichnetc neue Bau, der sich vom Rhein gegen dieBleichen erstreckt, datirt von 1752 und den folgenden Jahren. Auch die-ser Flügel war in den letzten Jahren ein Waaren-Speicher. Er wurdein dem kurze» Zeitraum von einem halben Jahre, mit einer Ausgabevon 35,666 st. aus dem städtischen Aerar, unter Leitung des Provinzial«Baumeisters Jgn. Opfermann, so zweckmäßig wieder hergestellt, daßer, bei der im September desselben Jahres stattgefundenen Versamm-lung der deutschen Naturforscher und Aerzte, bereits zu jenen Zweckedienen und die Sammlungen der rheinischen naturforschendcn Gesell-schaft, wie die Alterthümer-Sammlung von Mainz, in sich aufnehmenkonnte.
Seine Hauptzierde ist der große Akademiesaal, dessen Wändeund Säulen mit mehrfarbigem Gppsmarmor bekleidet sind und dessenDecke von dem berühmten Zick gemalt ist. Dieser Saal, früher zuKonzerte», später zu den Verhandlungen des Jakobincrklubbs, dannder Assiscn und neuerdings zu den öffentlichen Sitzungen der deutschenNaturforscher verwendet, geht durch zwei Stockwerke und ist im ober»Theile mit einer ringsum lausenden Gallcrie versehen. Er ist mit denBildnissen des GroßhcrzogS Ludwigs II, und des Kurfürsten FriedrichKarl geschmückt.
Während der Belagerung von 1795 wurde das Schloß in einMilitär-Krankenhaus verwandelt und sowohl dadurch, als durch daszwei Jahre nachher erfolgte Auffliegen eines in der Nähe befindliche»Laboratoriums, sehr verwüstet. Später diente es einige Zeit als Ka-serne, sodann, wie zum Theil noch jetzt, als Lagerhaus.
Gendarmerie-Kaserne, große Bleiche, D. 352 und 353. Diesgr. Hess. Staatsgebäude ist hübsch und seinem speziellen Zweck ganzentsprechend eingerichtet.
Artillerie- oder Militär-Bauhof, am untern Ende der mitt-lern Bleiche, 15 113, 136 bis 142, ein ausgedehntes, nicht besondershohes Gebäude, das sich, vom Schloßplatz hinweg, mit seinen Zuge-hörungen und Höfen, über zwei Quadrate erstreckt. Es wurde unterder Regierung des letzten Kurfürsten aufgeführt, hat noch seine ur-sprüngliche Bestimmung und dient nächstdem als k. k. östr. Artillerie-
Kaserne. An seinem obern Eck ist ein k. pr. Wachthaus und ein Mili-tär-Spritzenhaus.
Goldcuc Roß- und Löwcnhof-Kasornrn. Diese beiden ziem-lich großen, aber nicht besonders ansehnlichen Gebäude sind einandergegenüber auf der großen Bleiche gelegen. Das erste ist unter 15 13und 14, das andere unter N 343 bis 347 bezeichnet. Durch ei» aufihrem Vordcrgicbcl angebrachtes stark vergoldetes Pferd, i» sich bäu-mender Stellung leicht erkenntlich, enthielt die letzte früher den kur-fürstlichen Marstall nebst der
Noitbahn, die im ersten Viertel dieses Jahrhunderts als Schau-spielhaus diente. Der köwcnhof wurde an der Stelle verschiedenerHofgcbäude, wie der Schreinerei, Sattlerei und Schmiede, des Pro-viant-Hauses, der Kutschen-Remisen :c. aufgeführt. Er diente ebenfallseinige Zeit zum Marstall.
Nrubrunuen. Auf einem kleinen, viereckigen Platze gewahrtman den von dem Kurfürsten Franz Lothar erbauten, anfänglich nachseinem Familien-Namen benannten Schönborn, oder neuen Brunnen.Derselbe erhält sein gutes Trinkwasscr durch eine 1842 erneuerte Lei-tung vom Dorfe Bretzenheim, eine halbe Stunde von der Stadt. Ausdem auf drei Staffel» ruhenden Becken erhebt sich ein 42 Fuß hoherObelisk in ägyptischem Geschmack, mit Sinnbildern des Handels, derKünste, des Staatswescns und des Kriegs geziert. Die früher auf derVorderseite angebrachte Metall-Tafel, mit einer Inschrift zum Lobe derVorsehung, befindet sich seit 1866 auf der Rückseite. Zwei Löwen mitägyptischer Kopfbedeckung, von Jos. Scholl, lassen das Wasser ausihren Rachen fließen. Rechts und links sitzen die Götter des Rheinsund des Mains.
Stadtbibliothek. Auf der andern Seite des Neubrunnen-Pla-tzes befindet sich das Gebäude der Stadtbibliothek oder Bursche, 15. 39,das an sich keineswcges ansehnlich und bequem, doch reiche Bücherschätzeenthält. Früher weniger bedeutend, wurden diese besonders durch dieEinverleibung der Bibliotheken des 1772 aufgehobenen Jesuiten-Klo-sters, der Karthäuser- und andrer Klöster vermehrt. Obgleich nichtmehr so reich an Inkunabeln und andern alten Drucken, als früher,bietet sie in dieser Beziehung immer noch wichtige Gegenstände, na-mentlich einige Donat-Fragmente, die zweite Ausgabe dcs Psaltersvon Fust und Schöffer, von 1459, das Katholik»» von Gutcnberg, von1466 und die Bibel von Fust und Schöffer von 1462. Jedenfalls ge-hört die mainzer Stadtbibliothck zu den bedeutendsten in Süddcutsch-land. Sie enthält über 166,666 Bände und wird fortwährend ver-mehrt, indem jährlich 1666 fl. zu neuen Anschaffungen bestimmt sind.In der aus etwa 666 Bänden bestehenden Manuscripten-Sammlungist manches werthvolle, vorzüglich gute Handschriften juristischer Quel-len, Vokabularien und Kirchenväter, sehr alte Evangelien, ein Gebet-buch mit Miniatur-Zeichnungen und mehr als ein schön geschriebenerKoran. Dazu kommt noch eine beträchtliche Sammlung alter Urkun-den, die zur Erläuterung der vaterländische» Geschichte verwendet wer-den kann. Die vier letzten Bibliothekare, Förster, Fischer, Bod-mann und Lehne, waren als Gelehrte und Schriftsteller gleich aus-gezeichnete Männer. Gegenwärtig befindet sich der, auch als Litcratgeschätzte, I>r Külb an der Spitze dieser Anstalt.
DaS ebenfalls hier befindliche Münzkabinet umfaßt alle Main-zer Münzen, ferner eine nicht unbedeutende Anzahl griechischer, römi-scher und eine Auswahl neuerer Münzen. In der Gemälde-Samm-lung zählt man 66 Nummern. Die ausgezeichnetsten davon betreffenWerke von Domenichino, Annibal Caracci, Guercino da Cent», Lo-renzo di Credi, Tremoullier, Filipp von Champagne, Albrecht Dürer,Jordaens, Lukas von Lcyden, SnydcrS, Otto Venius und Grünewald.
Hier ist auch die von dem Augustiner Johann verfertigte astro-nomische Uhr, ein vollendetes Meisterwerk, ausgestellt; ebenso ein Holz-