Fresko-Malereien unter den Kirchen-Fenstern, auf der Nordseite, tretenimmer deutlicher hervor und verdienen aufgefrischt zu werden.
Emmerans-Kirche. Ungefähr i» der Längemitte der gleichna-migen Straße steht, der Mündung der kleinen Emmerans-Gasse ge-genüber, oberhalb dem ehemaligen Hofe zum Dusburg, dem jetzigenPfandhause, dies alte Kultus-Gebäude, das während dem 12. Jahr-hundert erbaut worden zu sein scheint. Seine einzige Merkwürdigkeitist das treffliche Gemälde von Maulpcrsch, auf dem von Marmorsäulengetragnen Hochaltar. Einige Grabmäler erlvschner Familien und einangeblich bocksfüßiger Heiliger verdienen noch gesehen zu werden.Die ehemalige Michaelis-Kapelle, am Emmerans-Kirchhofe, hat nochihr altes Thürmchen, wird aber als Waaren-Behälter gebraucht.
Peters-Kirche. Dieser 175t erbaute Tempel, der gleichzeitigals Pfarr-Kirche und der k. k. östr. Bundes-Besatzuug als Garnison-Kirche dient, ist hübsch, aber mit 25 Deckengemälden von ^p>>i»»i undmit andern Verzierungen überladen. Den Seiten-Altar zur Linken desChors schmückt ein schönes Gemälde von Heidcloff und ein uraltesKruzifir aus der frühern St. Peters-Kirche. In einer Seiten-Kapelleist ein ebenfalls ausgezeichnetes Decken-Gemälde von LeiterSdorfer.Die Orgel ist eine der volltönendsten in Mainz. Nächstdem zierennoch die Skulpturen von Henkel und einige gute Grabmäler das Schiffder Kirche; zwei andre befinden sich auf der Außen-Seite derselben.Ihre gleichförmige» Thürme haben eine Höhe von 200 Fuß und findmit einem harmonischen Geläute versehen.
Kristofs-Kirche, erwachsen aus einer schon 893 hier gestandenenKapelle, die in der Folge erweitert und zur Pfarrkirche erhoben wurde.Ihre Bauart und die ihres Spitzthurms hat nichts ausgezeichnetes.Das Innre ist eng und düster, und enthält ausser einem ehemals wun-derthätigen Kruzifir auf dem Kreuzaltar nichts bemerkenswerthes.
kZuintins-Kirchc. Sie stand schon zu Anfang des 13. Jahr-hunderts in ihrer jetzigen Form, und ist mit ihrem ziemlich hohen,nach den vier Himmels-Gcgenden gerichteten Thurm (von dem maneine schöne Aussicht hat), auf der Außenseite nichts weniger als impo-sant. Das Innre ist freundlicher und der Hauptaltar kunstvoll gear-beitet. Zwölf bunte Wappen in den Fenstern, einige andere gemalteScheiben und das Hauptaltarblatt beschäftigen die Aufmerksamkeit. Aneinem Stein neben der Kanzel, gegen den Chor, ist bei 22 andernWappen ein solches der Familie Gcnsfleisch, von 1424. Beachtet zuwerden verdient auch das Denkmal des Psarres Klemm, von 1827,dem Eingang vom Kirchhof gegenüber. Ein mit Reliquien versehenesKreuz ist von 1399. Das große Gemälde, Triumpf der Religion, sollvon Kraper, einen der besten Schüler von Rubens, sein. DaS 1428errichtete Beinhaus ist nicht mehr vorhanden und die darüber gebauteSt. Michaels-, früher heil. Geist-Kapelle, ist zur Sakristei umgestaltet.I» derselben ist ein guter Christus, ein Geschenk deö Grafen vonKcssclstadt. Eine zweite Kapelle auf dem Kirchhof gehörte zum knebel-schcn Hof. Sie ist jetzt Waaren-Behälter. Die Angabe, daß 1349,während der großen Pest ein Jude, der angebliche Vergifter des Markt-brunnens, an der Vorderseite der Quintius-Kirchc verbrannt wordenund daß bei dieser Veranlassung eine große Feuersbrunst entstandensei, wird durch keine Urkunde bestätigt.
Iosefs-Kapelle, im Gymnasium (s. daselbst).
Kapelle im Zuchthaus (vergl. daselbst).
Synagoge, in der untern Juden-Gasse, v 408. Ein hohes,wenig ansehnliches Gebäude, mit eigenthümlicher Ausschmückung imInnern und deswegen schcnswerth.
Ehemalige kirchliche Gebäude. Die Altmünster-Kirche istzu einem Militär-Krankenhaus (s. das.) umgebaut. Auf der Stelle der
-) SS soll schon Lis eine Ptarrci zum heil. Tu,'»»» qogel'cn haben.
1756 gegründeten Kirche des Klosters der welschen Nonnen, inder gleichnamigen Gasse, v 82, befindet sich jetzt eine k. pr. Infan-terie-Kaserne. Jene, deren einzige Merkwürdigkeit in einem gutenDecken-Gemälde von Heidcloff bestand, diente der evangelischen Ge-meinde, nachdem sie die Altmünster-Kirche geräumt, einige Jahre hin-durch als Gotteshaus. In der Kirche des Klosters der armen Kla-risscn befindet sich die Entbindungs-Anstalt (s. das.) und Hebammen-Schule. In jener des Klosters der reichen Klarissen sind die zuder Militär-Bäckerei (vergl. das.) gehörigen Korn- und Mchlspcichereingerichtet. Die früher zum Karmeliter-Kloster gehörige Kirche istnun das städtische Kaufhaus. In dem ehemal. Kloster-Gebäude ist dieKleinkinder-Bcwahranstalt (s. das.) und das Versammlungs-Lokal derMainzer Sektion des gr. Hess. Gcwerbs-Vereins (s. das.). Die hei-lige Geistkirche dient als Waarenhaus und einstweilen im Winternoch zum Turnunterricht.
Ganz beseitigte öffentliche Kultus-Gebäude.
Die 988 erbaute Liebfrauen-Kirche, auf der Stelle des heutigengleichnamigen Platzes, unten am Dom. Sie war ein Muster desschönsten gothischen StplS und hatte ein bewunderungswürdiges Portal.Die französ. Verwaltung lies sie 1893 abreisten. Die Kirche des Agnesen-Klostcrs, am obern Ende der Ludwigs-Straße, abgetragen 1809. DieWcißfrauen-Klosterkirche am Thiermarkt, jetzt Straße, beseitigt 1812.Die Pauls-Kirche, am Münstcrthor, demolirt 1669. Die Odenmünster-Kirche, am Petersplatz, beseitigt 1742. Die Schloßkirche zum heil.Gangolf, unten am deutschen Hause, auf der Stelle des jetzigen?Gar-tenS, abgebrochen 1814. Die alte Peters-Kirche, oben am Sichcrhcits-hafen, abgetragen 1774 und an den Schloßplatz versetzt. Die Kirchedes Franziskaner-Klosters, in der gleichnamigen Straße, beseitigt 1833.Die Kirche des Dominikaner- oder Prediger-Klosters, auf der Stelleder Fruchthalle und gegen den Dominikanerplatz, abgetragen 1816.Die Jesuiten-Kirche, der Universitäts-Kaserne gegenüber, demolirt 1811.Die heil. Mauritius-Kirche auf dem gleichnamigen Plätzchen, abgerissen1804. Die Kapuziner-Kirche, nahe am Neuthor, zerstört 1793, späterbeseitigt. Die Benediktiner-Kirche auf dem Jakobs-Berge (Zitadelle)hatte dasselbe Schicksal. Die Lyzcums-Kirche, jetzt Wohnung, undviele andere kleinere Kirchen oder Kapellen.
Militär- und Zivil-Gebäude, Denkmäler und Anstalten.
Holzthorthurm. Er wurde im altdeutschen oder gothischen Stnlim 15. Jahrhundert erbaut, steht auf'der alten Stadtmauer am Rhein,ist über 100 Fuß hoch, oben mit vier Eckthürmchen besetzt und dientals Gefängniß für schwere Verbrecher. Im Thorbogen ist die Höheder Ucbcrschwemmnngen von 1565 und 1784 angedeutet. Der etwasniedrigere vilzbacher Zollthurm, am Bocksthor, war in demselben Ge-schmack erbaut, eben so auch der alte Gauthorthurm, der später verän-dert worden ist,
Zeughaus. Seitwärts von den an den Grundpfeilern der alten2500 Fuß langen Römer-Brücke befestigten 16 Schiffmühlen, zeigt sichdie großartige Vorderseite des 1736, unter dem Kurfürsten Filipp Karl,erbauten Zeughauses. Um den großen Waffensaal in demselben zusehen, wendet man sich an den hinter dem Gebäude wohnenden k. k.östr. Zeugwart. Die Merkwürdigkeiten des Waffen-Saales bestehen,nächst verschiedene» alten Rüstungen, Hellebarden und andere Waffen,in 32,000 Flinten, einige» tausend Pistolen, Säbeln, ungeheuernFeuerschlünden w. Ein Hintergebäude des Zeughauses, dessen Funda-ment auf dem erste» Pfeiler der Römer-Brücke ruht, wird unter demsonderbare» Name» der Sautanz bezeichnet.
Deutsches Haus. Durch eine offene Altan-Eallcrie reihet sichan das Zeughaus der großherzoglichc Palast, das von 1714 bis I7l6i erbaute Dcutschordcnshaus. Von >804 bis >813 diente es mehr-