räum von 56,090 Quadratfuß ein.*) Die Kirche ist auf 56 Pfeilergestützt und in Form eines Kreuzes gebaut. Es gehören dazu 20 Ka-pellen, 2 Sakristeien und t4 (früher 32) Altäre. Ehrfurchtgebietendist der älteste Theil des Doms, gegen den Licbfrauenplatz, zierlicherund prachtvoller der Bau auf der hintern Seite gegen den Leichhof, dieLeichhof-Straße und das Höfchen. Sehr zu bedauern ist es, daß ergerade hier durch die vorgebauten Häuser verborgen wird. Am bestensieht man ihn noch auf dem Leichhof und auf dem kleinen Raum hin-ter den Häufern It 12 u. 14. Man findet in und an diesem Gebäudeden Baustpl aller Zeiten, vom 9. bis zum >9. Jahrhundert, vereinigt.
Johannis-Kirchc. Aus der Stelle dieses schon an sich ziemlichalten gottesdienstlichcn Gebäudes soll die älteste Taufkirche der Stadt(der alte Dom) gestanden haben. Der Tradition zufolge wurde sie,nach einigen um das Jahr 540, unter dem Bischof Sidonius, von einerPrinzessin Berthoara erbaut, nach ander» von einer Theodolinde, derGemahlin eines Longobarden-Königs, oder von dem Franken-König Da-gobert, im I. 525. Erwiesen ist es, daß sie im 8. Jahrhundert stand.In ihrer jetzigen Gestalt ward sie im 17. Jahrhundert hergestellt. Siehing früher durch einen bedeckten Gang, das Paradies genannt (worinverschiedene Kaufladen waren), mit dem Dom zusammen und zwar aufder Stelle der heutigen LeichhofSthür. Unter der französischen Verwal-tung, wurde die Johannis-Kirche als militärisches Bcttmagazin ge-braucht. Erst 1820 ward sie der evangelischen Gemeinde überlassen,bis 1830 wieder hergestellt und den 7. November desselben Jahres ein-geweiht. Es sind drei Geistliche bei dieser Kirche, zu der eine Ge-meinde von nahe an 5000 Seelen gehört, angestellt. Im Innern, wieim Acnßern ist dies Gebäude sehr einfach. Das erstere wird durch denweit vorspringenden Orgelchor und die davorstehende hübsche Kanzel,wie durch die übrige» drei Emporbühnen, die auf Gypsmarmor-Säulen ruhen, verkleinert. Ein einfacher Altar, umschlossen von einemEisen-Geländer, steht vor der Kanzel und vor ihm der runde Taufstein.In der Kirchstube, gegen den Gutcnbergsplatz, ist über dem Eingang zuder 1829 abgebrochenen St. Georgen-Kapelle ein sehr altes Steinbild,und seitwärts am Boden ein Gedenkstein von 1490. Der frühereKreuzgang, ebenfalls auf der Seite des Gutenberg Platzes, ist seit lan-gem abgetragen.
Augustiner-Kirche und Seminar. Ebenfalls auf den Grund-mauern eines alten, schon in den frühesten Zeiten bestandenen Gottes-Hauses, erhebt sich die 1776 vollendete Augustiner-Kirche, die, bis zurAufhebung ihrer Gemeinschaft, den gleichnamigen Ordens-Geistlichengehörte. Sie ist groß und schön, hat zwei hübsche Decken-Gemälde,Szenen aus dem Leben des h. Augustin darstellend, eine vortrefflicheOrgel und vier Altar-Gemälde, wovon der Kopf des Marienbildeszur Linken des Chors, früher in der Liebfrauen-Kirche, besondern Kunst-werth hat. In dem mit Fenstern versehenen Kreuzgang sind viele Bil-der aufgehängt, wovon einige nicht üble. In dem ehemaligen gro-ßen und schönen Kloster-Gebäude befindet sich seit 1805 das bischöflicheSeminar. Dasselbe besitzt eine aus mehren tausend Bänden bestehende,in zwei von einander entfernten Säle» und einigen Nebenzimmernaufgestellte Bibliothek, die vorzüglich reich an geistlichen Werken undKlassikern ist. Es befinden sich darin auch einige Inkunabeln und sel-tene Prachtausgaben. Das fpsikalische Kabinet ist mit Instrumentenund betreffenden Werken zur Genüge versehen. Ei» kleiner und eingrößerer Garten gehören zu dieser Anstalt, die von acht Seminariste»besucht wird und worin drei ausgezeichnete Geistliche als Lehrer wirken.
Der Flöchenraum des Doms inKöln wird auf dq.aoo, der dessen in Tpcicr aufbq.ZZo, jener der Kalhcdrale in Paris ju sq.asa und der des Munster« inStrapdurg ,u NS.oSZ LuadratfuK berechne!.
Ignaz-Kirche, auf der Stelle der alten Kirche der Tempelberrn,in der ehemaligen Vorstadt Selnhoven. Auf der Ansicht der StadtMainz von Merian, vom Jahr 1633, ist sie mit zwei größern, gegenden Rhein gerichteten, Spitzthürmen und einem kleinern Hinterthurmgegen die Kapuziner-Gasse, versehen. Die jetzige schön gebaute Kirchewurde erst 1770 vollendet. Ihre gegen die Straße gerichtete Vorder-seite ist mit dorischen Säulen und hübschen Statüen, in 5 Nischen, ge-schmückt. Das Innre der in Kreuzform gebaute» Kirche ist sehr ge-räumig und imposant, besonders der Chor mit dem schönen Hochaltar,von dem nur der Schnörkel-Aufsatz mit der kolossalen Urne wegzu-wünschen wäre. Die drei großen und zwei kleinern Decken-Gemälde,Szene» aus dem Leben des heil. Jgnaz darstellend, sind von Zick undlobenswerth. Eine treffliche Orgel und vier Seiten-Altäre erhöhendie Schönheit dieses Gotteshauses noch mehr. Das steinerne Kruzifixauf dem Kirchhof, von 1519, ist sehr bemerkenswerth. Vorzüglich schönfind die Figuren des Heilandes, der beiden Schächer und der betendenFrau am Fuße des Kreuzes. Die beiden andern Steinbilder, Mariaund Johannes, find aus späterer Zeit. Der Jgnaz-Kirche schräg ge-genüber befand sich das Kapuziner-Kloster, mit der dazu gehörigenKirche, wovon nur noch einige unbedeutende, zu andern Zwecken ver-wendete, Gebäulichkeiten vorhanden sind.
Rochus-Kirche. Sie wurde 1721, gleichzeitig mit dem RochuS-HoSpitale und Armcnhause, gebaut und steht mit demselben unter ei-nem Dache. Der untere Raum ist sehr beschränkt, dagegen find dieringsum laufenden Emporbühnen ziemlich geräumig. Eine kleine Or-gel, vier runde durchsichtige Fenster-Bilder, ein Decken-Gemälde inKuppelform und ein kleiner Altar über dem untern, sind die einzigenMerkwürdigkeiten dieses Gotteshauses, das nur an Sonn- und Feier-tagen dem Publikum offen steht.
Stcfans-Kirche. Dies merkwürdige Gebäude befindet sich inschöner, freier Lage auf einem der höchsten Punkte der Stadt, etwa100 Fuß über dem mittlern Wasserstande des Rheins. Es wurde unterErzbischof Willigis, im Jahre 330, anfänglich von Holz, dann in derersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von Stein aufgeführt, bis gegenMitte des 13. Jahrhunderts war es jedoch schon so baufällig geworden,daß es durchaus neu errichtet werden mußte. Die Kirche ist ein schönesund kühnes, gothisches Bauwerk, und ihr achteckiger, 220 rhcin. Fußhoher Thurm ist die herrlichste Warte zur Uebersicht der Stadt Mainzund ihrer reizenden Umgegend, wobei vorzugsweise die Gegend, wodie alte Kriegsstadt »i-.gu»«i->cun> stand, nächstdem der weithin sichspiegelnde Rhein, mit dem Schlosse zu Biebrich, die Festung Kastclund viele andre Orte an seinen Ufern; der bräunliche Main, dasTaunus-Gebirge, an dessen Fuß Wiesbaden ligt, die Gipfel des Feld-berg und des Altkönig, der Odenwald mit dem Melibokus und seinemweißen Thurm, der runde Donncrsberg, die langgedehnte Häuser-Reihevon Darmstadt, Schloß Frankcnstein, Großgerau und viele andreOrtschaften die Blicke anziehen. In der Laterne des Thurms war wäh-rend der letzten Zeit der französischen Herrschaft ei» Telegraf ange-bracht. Das Innere der Kirche schmückt das einfache Grabmal ihresErbauers, über welchem sei» Schädel und das von ihm herrührende,seidne Meßgewand aufbewahrt werden; ferner schöne Stcinskulpturenund Messing-Säulen, einige altdeutsche Gemälde, worunter eins vonoder nach LukaS Kranach, ein merkwürdiger alter Stufen-Altar miteinem schönen eisernen Gitter, durch einen neuern Vorbau verborgen,das Grabmal eines Grafen von Eppstein und andre interessante Ge-genstände. In dem ebenfalls sehenswerthen Krcuzgange befindet sichei» sich selbst tragendes Doppel-Gewölbe, und nebe» vielen andernbereits auSgetretncn Grabsteinen der eines Mitgliedes der FamilieGensfleisch, rechts nahe an dem vorder» Eingang. Die übertünchten