Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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benfestc Defensi ons-Kaserne, deren Hinterseite als eine Festung inder Festung sich zeigt.

Goldene Luft. Seitwärts vom Windmühl-Hügel lag der Hoszur goldnen Lust, später fürstenberger Hof genannt, jetzt das Hausöl, welches noch unter dem letzten Namen bezeichnet wird. Auf derSüdseite des zu diesem Hofe gehörigen Umschlusses, unfern eines vor-springenden Erkers, der sogenannten LutherS-Kanzel, welche derReformator jedoch nie betreten, ragen römische Gußmauern aus demBoden hervor.

Durch die Stefans-Straße, oder die goldene Luft, den Weiher-Garten und über den Domkustoreiplatz, gelangt man wieder zum Mittel-punkte der Stadt, dem Gutenbergs Platze. Auf diesem Wege kommtman vorüber an der Eppich- oder ewigen Mauer, vermuthlich einerder ältesten Straßen.

Domkustoreiplatz. Hier ist das Hotel des Landes-Bischofs indem ehemaligen Domkustorei-Gebäude. Dieser Stadttheil, und derweiter oben zwischen dem Ballplay und der Stefans-Kirche gelegene,enthält mehre große und schöne Gärten.

Zitadelle. In ihrer heutigen Gestalt wurde sie unter dem Kurfür-sten Joh. Fil. von 1659 bis lökl erbaut, wie die Inschrift auf der lin-ken Seite des mit einer Zugbrücke versehenen Thores besagt. Die Zita-delle ist nicht ganz regelmäßig, indem ihre gegen den Rhein gewendeteSeite eine Länge von 1051 rhein. Fuß hat, die gegen die Stefans-Kirche eine solche von 892 Fuß, die gegen den Hügel-Rücken gekehrteeine solche von 965 Fuß, und die letzte, gegen die Karlsschanze einesolche von 8ö5 Fuß.

Die Zitadelle hat 4 Basteien. Die gegen den Rhein und dasNeuthor gerichtete trägt den Namen tierm-nicus, die darüber befind-liche, an deren Anfang der Eichelstein steht, jenen des vrus«s, diegegen die Johanns-Bastei und die Defensions-Kaserne, den des ^-.citu», während die gegen die Stadt gerichtete, Alarm-Bastei gcuanntwird.

Frstnngs-Nmschluß. Der heutige innere Umschluß der Bun-des-Festung Mainz begreift, vom Bocksthor hinweg, die Basteien Fran-ziskus, Salvator am Ncuthor, die vier bereits genannten Basteiender Zitadelle, darüber die Johanns-Bastei, ferner die Filipps- undMartinö-Basteien rechts und links vom Gauthor, die Bonifaz- undAlcrandcr-Basteien, die Georgs- und Pauls-Basteien rechts und linksvom Münsterthor, die Leopolds-, Felizitas- und Damian-Bastcien zwi-schen dem Münster- und Raimundithor, an welchem letzten sich dieRaimundi-Bastei erhebt. Längs des Rheins befinden sich, von untennach oben, die Schloßthor-Batterie, das neue Werk, die Brück-, Eiscn-und Fischthor-Batterien, die gesenkte Flanke, das große neue Kasemat-tenwerk am Holzthor und die Bocksthor-Batterie.

Der innere Umfang der Stadt mißt 6570 Schritt oder 16,425Fuß. Ihre größte Länge beträgt 2040 Schritt oder 5l00 Fuß, diegrößte Breite 1508 Schritt oder 3770 Fuß, und die kleinste Breite560 Schritt oder 1400 Fuß. Ihre Grundfläche wird auf 17 MillionenGeviertfuß oder 420 Morgen berechnet. Seit 60 Jahren ist die Stadt,vorzüglich a» ihrem obern Theile, um eine Breite von 100 bis 120Fuß vergrößert worden.

Die Entfernung des Stefansthurms vom Domthurm beträgt ingrader Linie 1615 rhein. Fuß, die der Petersthürme von dem letzten2258 und die der Petersthürme von dem Stefansthurme 3238 Fuß.

Es gibt inner dem Festungs-Umschluß 116 Straßen und größereGassen, 72 kleine Gassen und Neile (Sackgassen), 15 größere und ebenso viel kleinere Plätze, 4 Landthore und 9 Wasscrthore. Die Zahl derkirchlichen, zum öffentlichen Gottesdienst verwendeten Gebäude beläuftsich auf 13, mit 15 Thürmen, wovon 9 Kirchen und 2 Kapellen fürden katholischen, 1 Kirche für den evangelischen und 1 Synagoge für

den israelitischen Kultus bestimmt find. Andere öffentliche Gebäudezählt man 140 und Privathäuser 2084.

Merkwürdige Gebäude, Denkmäler und Anstalten.

Kirchliche Gebäude und Denkmäler

Dom. Geschichte. Unstreitig das merkwürdigste Gebäude derStadt ist der Dom. Er wurde auf der Stelle eines früher hier ge-standenen, vielleicht schon im 8. Jahrhundert aufgeführten Gottes-Hau-ses, von dem ersten Kurfürsten von Mainz, Willi gis, von 978 bis1009 erbaut. Der alte gegen den Liebfrauenplatz gerichtete Chor dürftevielleicht ein Ueberrest der früheren karolingischcn Martins-Kirche sein.

Am Tage seiner Einweihung abgebrannt, wurde der Dom bis1038 zum zweitenmal aufgerichtet, stand jedoch nur 153 Jahre. Dannabermals vom Feuer verheert, stellte man ihn bis 1239 wieder her.Nachdem eine dritte Feuersbrunst, ein Vierteljahrhundert später, ihnvernichtet, wurde er bis 1340, fast von Grund aus, in seiner gegen-wärtigen Form aufgeführt. Ausser diesen drei Hauptunglücksfällenwurde der Dom »och mehrmals von Brand und Zerstörung heimge-sucht, namentlich in neuerer Zeit durch den Blitzstrahl am 22. Mai1767 und durch die Beschießung in der Nacht vom 28. zum 29. Juni 1793.

Bis gegen Ende 1303 blieb der Dom, als Futter-Behälter, imZustande der Verödung. Durch das kräftige Einschreiten des BischofsColmar wurde die Wiederherstellung jedoch so eifrig betrieben, daßdie Kirche den 18. August 1804 wieder eingeweiht werden konnte.Alle erforderlichen Ausbesserungen find jedoch heute noch nicht beendet.Die Verheerungen, welche die Einquartierung von 6000 Mann französ.Truppen, im November 1813, in der Kirche (aus der man späterein Schlachthaus machte) angerichtet, find so gut als möglich wiederausgeglichen worden.

Bei einer 1075 im Dom gehaltenen Synode kam es, wegen derwiederholten Verkündigung des Zölibat-GesetzeS, zu ärgerlichen Auf-tritten. Zwei Jahre nachher wurde Herzog Rudolf von Schwaben,Gegenkaiser Heinrichs V., in dieser Kathedrale gekrönt und 1080 PapstGregor VII. abgesetzt.

Willigis- und Adalberts-Thürcn. Zu den größten Merk-würdigkeiten des Doms gehören die erzenen Thüren von Willigis,welche den Haupteingang auf der Nordwest-Seite schließen. Adalbertl.,den die Bürger von Mainz aus der harten Gefangenschaft befreiten,in welcher Kaiser Heinrich V. ihn hielt, ertheilte ihnen aus Dankbar-keit einen Freiheitsbrief, dessen Inhalt auf die Thüren eingegraben ist.Sie gehörten früher zur Liebfrauen-Kirche und wurden 1804, bei De-molirung derselben, abgenommen, wonach man sie an den vorbezeich-neten Domcingang brachte, in welchen fie genau paßten.

Denkmäler. Erste Reihe. Zur Linken dieses Eingangs, istder Altar in der Bonifazius-Kapelle, ein Andenken Rodensteins, von1652, mit einem Bilde nach Rubens. Die auf dem Altar stehendenBildsäulen der Jungfrau Maria, des h. Bonifaz und des h. Martin,sind aus Ebenholz geschnitzt und sollen von Albrecht Dürer (der mit-hin auch Bildhauer gewesen sein würde) von 1520 herrühren. Vordem Altar ist eine schöne Holzgruppe von eilf Figuren aus einemStück, aufgestellt, die Auferweckung des Lazarus darstellend, ein Ge-schenk des Domherrn Grafen von Kesselstadt. Daneben, in derMagnus-Kapelle, befindet sich das vortreffliche Denkmal TheodorichsWalbott v. Bassenheim, von 1610, eine Grablegung. Der dahintersich erhebende Altar, ist mit hübschen Basreliefs und andern Skulptu-ren aus verschiednen Jahrhunderten, auf Kosten des Domdekans Dr.Werner, geschmückt. In der Kapelle der h. Barbara ist der AltarHcppenheims, von 1657, mit einem guten Gemälde, und in der Vik-