Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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finders der Buchdruckerkunst, tragen solle." Auf der Südost-Scite desPlatzes, gegen die Johannis-Kirche, sollte ein Theater erbaut werden,was jedoch, da man den Plan zu großartig gegriffen, nicht in Aus-führung gebracht wurde. In einem etwas kleinern Maßstabe führte manspäter, auf der entgegengesetzten Seite, das jetzige Schauspielhausauf.

Demselben gegenüber befindet sich das schöne Gutcnbergs-Denkmal, von Thorwaldsen.

Alte Universitats-Straffe. Wendet man sich vom Gymna-sium gegen die alte Univcrsitäts-Straße, so gelangt man nach der sog.Jesuiten-Kaserne, e. 108'/,. Derselben gegenüber stand, zum Theilauf dem Platz wo der Kremplcrmarkt gehalten wird, die von 17431746 erbaute Jesuiten-Kirche, welche die alte Franziskaner- oder Mi-noritcn-Kirche ersetzt hatte. Durch einen bedeckten Gang, über einenThorbogen, stand diese Kirche und das damit zusammenhängende Je-suiten-Kollegium, in Verbindung mit dem Universitäts-Gebäude. DerErfinder der Buchdruckerkunst soll in der ältern Franziskaner-Kirche einGrabmal gehabt haben. Wahrscheinlich wurde es, während des 30jäh-rigen Krieges zertrümmert, wo die Schweden das Jesuiten-Kollegiuminnc hatten und übel darin hausten. Dies letzte und die Kirche, beider Beschießung von 1733 in Brand gesteckt, wurden von 1809 bis1816 abgetragen, und an ihrer Stelle die Häuser O. 109. bis 114erbaut.

Höschen. Wo jetzt das große Haus O. 1i6 sich erhebt, standvor der französischen Revolution die schöne, achteckige Sebastians-Ka-pelle, am Eingang des Höfchens. In ältern Zeiten rcsidirtcn die Bi-schöfe, während ihres Aufenthalts in Mainz, in dem in diesem Hofestehenden Bischofshof, zu welchem der Thiergarten und die Gotthards-Kapclle gehörten. An der Stelle des erstern erhebt sich das Haus lt.14, worin sich die Buch- u. Kunsthandlung von Viktor von Zabernbefindet.

Speisemarkt. Unmittelbar vom Höschen gelangt man, in derRichtung gegen den Rhein, nach dem Speiscmarkt. Dieser 174 Schrittoder 435 Fnß lange, nicht besonders breite, unregelmäßige Platz, des-sen Form im obern Theile der eines Vierecks ziemlich nahe kommt,hängt mit dem kleinen Henmarkt und dem Liebfrauenplatz zusammen,deren Größe, nach endlicher Wegnahme der beiden zwischen ihnen unddem Nachbarplatz sich noch erhebenden Häuser, der des Speisemarktsgleichkommen wird. Das Hauptgebäude an diesem letzten ist der Dom.

Liebfrauenplatz. Von der in der Belagerung von 1793 zer-störten Licbfrauen-Kirche, einem Meisterstück gothischer Baukunst, ist jedeSpur verschwunden. Sie wurde nach dem Gutachten des französischenDcpartemcntal-Baumeisters, 8-.ii.t r»>' 1804 gänzlich demolirt. Hierund da, auf dem Boden des Platzes, gehen noch ihre starken Grund-mauern zu Tag. Die preußische Hauptwacht ist gegen den ehemaligenKreuzgang angebaut, der zum Theil noch vorhanden ist.

Schuster-Gasse. Sie erstreckt sich vom obern Theile des Spei-semarkts in nordwestlicher Richtung bis zum Flachsmarkt, ist weder re-gelmäßig noch besonders schön, dagegen kann man sie als die vorzüg-lichste Handels- und GewerbS-Straße der Stadt betrachten. Die in ihrstehende QuintinS-Kirche ist ein sehr altes Gebäude. Früher begannnahe dabei das Juden-Stadtviertel, und die Synagoge stand unferndes heutigen Stadthauses.

Der berühmte Hof zum Gutenberg, ein Haus der FamilieGensfleisch, wovon der Erfinder der Buchdruckerkunst den Namen trägt,bildet das Eck der Schuster- und vordem Kristofs-Gassen. Es ist dasheutige Kasino-Gebäude,, e 192.

Flachsmarkt und Flachsmarkt-Straße. Der erste, ein sehrunregelmäßiger Platz von 86 Schritt oder 215 Fuß Länge, enthält,nächst der eben gedachten Stadions-Kaserne und der mit derselben

zusammenhängenden k. k. östr. Hauptwacht, nichts bemcrkenswertheS.Ein Theil des früheren Hauses zum Spott, O. 213, hatte später denErfinder eines unbeweglichen I>e^,etuuni,»ol>ilv und eines neue» Son-nen-Systems zum Eigenthümer.

Mitternacht. Dahinter ist der in drei scharfen Spitzen auslau-fende Mitternachtöplatz. An diesem Platze begann die römische Rhein-brücke, deren erster Pfeiler zum Theil »och unter dem alte» Hofezum Rumpel, später zum Sautanz, vorhanden ist.

Karmcliterplatz. Will man sich aus der Schuster-Gasse nachdem Rhein begeben, so führt der angenehmste Weg dahin vom Hofezum Gutcnberg durch die vordere Kristofs-Gasse, vorüber an derKristofs-Kirche und über den Karmeliterplatz.

Gräber-Gasse. Die Blasius-Kapclle, am Eck der Augustiner-Gasse und des Kirschgartens, ist, nebst vielen andern gottcsdienstlichenGebäuden, welche Mainz früher aufzuzählen hatte, verschwunden. Diegegenüber sich öffnende Gräber-Gasse enthielt mehre Patrizicrhäu-ser, namentlich den Hof zum alten Walpoden, das Stammhaus desStifters des rheinischen Städtebundes, jetzt ein Garten, dem ehemali-gen Hof zum Astheimer, ». 286, gegenüber, und weiter unten die Höfezum Römer und zum Lateran It. 95, 277 und 280, an deren Stelle,einer unverbürgten Sage nach, die Kaiserpfalz der Karolinger gestan-den haben soll.

Augustiner-Gasse. Das großartigste Gebäude in der 400 Schrittoder 1000 Fuß langen Augustiner-Straße (das, wenn es sich auf einemfreien Platze befände, einen sehr günstigen Eindruck machen würde) istdie Augustiner-Kirche, nebst dem damit zusammenhängenden Semi-nar-Gebäude.

Folgt man von hieraus der Neben-Gasse links, so kommt manzum Zuchthaus, während die zur Rechten zum Waisenhause führt,dem gegenüber das Barbara-Spital gelegen war.

Huubsgassc. Die erst nach Anlegung der neuern FestungS-Werkeentstandene Hundsgasse, zeigt an ihrem linken Ende zwei unvollendete,nicht große Gebäude, die nebst andern Zugehörungen bestimmt waren,ein Krankenhaus zu werden. Dahinter, in der Kapuziner-Gasse, istdie schöne thurmlose JgnatiuS-Kirche Durch das Neuthor geht dieStraße nach Oppenheim, von der, am äußern Schlage, eine andrcrechts nach Hechtsheim sich zieht.

Kirschgarten und Weihergartcn. Vom Proviant-Magazingeht eine Straße rechts durch den Hopfen-Garten und die Armen-Haus-Gasse (worin das Rochus-Hospital gelegen ist) zum Kirschgar-ten einerscit, und auf der andern Seite zum Weiher-Garten. Die Na-men dieser Oertlichkeiten beweisen, daß sich hier beträchtliche Gärten,,c.befunden haben. Wirklich gab es noch zur Zeit des 30jährigen Kriegeszwei ziemlich große Teiche in der Gegend des Weiher-Gartens undeinen solchen im Kirschgarten, wovon ein Ueberrest im Hofe des Le-der-Fabrikanten König, r. 135, am Härings-Brunnen, noch vorhan-den ist. Der Abfluß dieser Teiche seinige Mühlwerke in Bewegungsetzend) zog sich der Länge nach durch die Gräber-Gasse, welche vondiesem Graben, und nicht von Gräbern, ihren Namen entlehnt. DasHaus der Nibelungen, eines alten schon vor 1331 erloschenen Main-zer Geschlechts, lag am Grabenborn, im Kirschgarten.

Eisgrnbe. Der beim Proviant-Magazin zur Linken ansteigendeWeg, führt links zur Zitadelle, und rechts zur Eisgrube, oder zumDreckposten, am Anfang der ArmenhauS-Gasse, wo der 1840 gebohrteartesische Brunnen ein alkalisch-erdiges Wasser gibt. Auf der Eis-grube (die im Alterthume mit in den Umfang der römischen Kriegs-stadt begriffen war) stehen die aus kurfürstlichen Zeiten herrührendesogenannte rothe Kaserne, zwei neben einander befindliche, ziemlichlange, wenig ansehnliche Gebäude, jetzt von k. k. östr Infanterie be-setzt, und die von 1839 bis 1842 aus rothem Sandstein erbaute, bom-