Unterhalb der Schiffbrücke find, an den Grundpfeilern der altenRömer-Brücke, 16 hölzerne Schiffmühlen befestigt. Auf der Landseiteziehen, hinter den niedrigen Häusern der Dampfschifffahrts-Gesellschaf-ten, die beiden imposanten Facaden des Zeughauses und des deut-schen Hauses, oder großherzoglichen Palastes, die Blicke an
Schloßplatz. Der Platz vor dem großherzogl. Hess. Hauptzollamt(einem Anbau des kurfürst. Schlosses), war früher umschlossen von demKanzlei-Gebäude — wonach er den Namen hatte — dem alten Schlosse,dem ältesten Marstall, dem Waschhause und der St. Gangolfs-Kirche.Weiter oben befand sich der Schloßgarten, zwischen dem Schlosse, demMarstall, dem Bandhaus, der Peters-Kirche, dem Petersweg und dermittelalterlichen Stadtmauer. Er wurde 1777 in einen Ererzir- undParadeplatz verwandelt, zu welchem Zweck er noch jetzt dient. Seinvon Bäumen umschlossenes unregelmäßiges Viereck hat einen Flächen-inhalt von 1129 rhein. Quadrat-Ruthen. Zm Umfange mißt er 770Schritt oder 1930 Fuß.
Die drei Bleichen. Die Gegend, welche von den durch Kur-fürst Johann Filipp 1660 angelegten, und durch seinen Neffen LotharFranz beendigten, parallel neben einander sich hinziehenden drei Bleich-straßen eingenommen wird, bestand, bis zu dem vorangedeuteten Jah-re, größtenthcils aus Blcichgärten und sumphigen Wiesen, worauf hierund da Schweineställe, und andere Oekonomie-Gcbäude, :c., standen,weshalb dieser Bezirk unter dem Namen der Sauweiden begriffenwar. Er wurde von einem Bache bewässert, der sich in der Gegenddes heutigen Altmünster-Weihers in zwei Arme schied, unfern des Ju-denthurms sich wieder vereinigte, und nun beim Raimundithor in denRhein mündet.
Das gewesene^ Gasthaus zum englischen Hof, L. 34, war früherder wolf-metternichsche Hof. Daneben erhebt sich der neue Brunnenund hinter demselben das Stadtbibliothck-Gebäude.
Auf der andern Seite der großen Bleiche befand fich, an der Stelledes Hauses 0. 292. das alte Schauspielhaus mit dem großen Rcdou-tensaal. Es brannte während der Belagerung von 1793 ab. In demauf seinen Trümmern errichteten Gebäude hatte die Zentral-Untersu-chungs-Kommission (gegen demagogische Umtriebe) ihre Geschäfts-Zim-mer und hielt darin ihre Sitzungen.
Das obere Eck des folgenden Quadrats, auf der entgegengesetztenSeite, wird durch den Kommandantur-Palast gebildet. An schönenFrühlings- und Sommer-Abenden, wie an trockenen Sonntagen imHerbst und Winter, ist die große Bleiche, nebst den Thiermarkts- undLudwigs-Straßen, dem Rheingestade, :c. die Hauptpromenade derMittelklasse in Mainz.
Die 800 Schritte oder 2000 Fuß lange mittlere Bleiche, wiedie nur 30 Schritt oder 75 Fuß kürzere Hintere Bleiche, bieten we-nig bemerkenswcrthcs.
Münsterthor. Unterhalb der Johannis-Kapelle war im Mittel-alter die Münster-Pforte, am äußersten Ende der am Umbach-Platzebeginnenden Pfannenkuchen-Gasse, deren Richtung durch die heutigeGärtner-Gasse bezeichnet wird. Später wurde das Münsterthor nachder Stelle verlegt, wo es fich gegenwärtig befindet.
Thiermarkt-Straße. Die Gebäude L. 195 bis 202, zurRechten der Thiermarkt-Straße, und die in der neuen Universitäts-Straße gelegenen acht Gebäude, kl. 241 bis 249, dienen als Militär-Wohnungen. Auf der linken Seite der Thiermarkt-Straße ist dergroßherzogl. Regierungs-Palast.
Weiter gegen den Thiermarkt ist die schönborner Kaserne, L.203 bis 205.
Altmünster-Gasse. In die Thiermarkt-Straße mündet die 500Schritt oder 1250 Fuß lange Altmünster-Gasse, welche mit jener auchdurch die neue Universitäts-Straße in Verbindung steht, und durch eine
starke Krümmung bis zum Münsterplatz reicht. Das Hauptgebäude indieser Gasse ist das vormalige Altmünster-Nonnenkloster, L. 226 —228, jetzt als Militär-Lazarcth für die beiderseitige Bundes-Besatzungeingerichtet.
Thiermarkt. Dieser, ein langgedehntes unregelmäßiges Drei-eck bildende, Platz ist ein Theil des ge»til«, des öffentlichenMarkts der römischen Kriegsstadt. Derselbe hatte wahrscheinlich die Ge-stalt eines länglichen Vierecks und erstreckte fich, längs des äußernUmschlusses der alten Festung, vom Anfang des Ballplatzes bis zumEck der Altmünster-Gasse. Auf diesem Platze (der unter den erstenKurfürsten noch den Namen Tcutmarkt oder deutscher Markt hatte,welcher sich allmälig in Diet-, Diebs- und Thiermarkt veränderte, wahr-scheinlich weil in der Folge hier Strafvollstreckungen an Dieben inAusführung gebracht und später Viehmärkte gehalten wurden) hieltAdolf von Nassau, .nach seiner verrätherischen Einnahme der Stadt,ein sein Andenken befleckendes Blut- und Vcrbannungs-Gericht.
Gegenwärtig dient der Thiermarkt der kön. preuß. Bundes-Besatz-ung zur Erthcilung der Parole. Der hier befindliche Brunnen, miteiner Granit-Säule aus Karls des Großen Palast zu Nieder-Jngel-heim, gibt recht gutes Trinkwasser. Von den jetzt den Thiermarktumschließenden Gebäuden verdienen besonders der osteinsche Hof unddie bassenheimer Kaserne erwähnt zu werden.
Emmerans-Gasse. Von dem alten koi-um gingen nach
verschiedenen Richtungen 7 oder 8 Straßen fächerartig aus. Dievorzüglichste derselben war die nach der römischen Rheinbrückc führen-de, welche noch im Mittelalter die Hauptstraße der Stadt war undMarktgasse genannt wurde. Sie folgte ziemlich genau der Richtungder heutigen Emmerans-, Rechen- und Reicheklaren-Gassen, und scheintnur bis zum Mitternachts-Platze mit Häusern besetzt gewesen zu sein.
Ungefähr in Mitte der Emmerans-Gasse ist die gleichnamige sehralte Kirche gelegen. Neben derselben ist das Pfandhaus und ihrschräg gegenüber die Erpedition des Mainzer Wochenblattes, in derSeifertschen Buchdruckerei.
Gaugasse. Sie beginnt am obern Eck des osteinschen Hofs, amThiermarkt, und erstreckt sich, mit Inbegriff des kleinen gleichnamigenPlatzes, bis zum Gauthor. Sie hat noch ganz die winkelige Form,welche das Mittelalter ihr gegeben.
Ballplatz. Vorüber an der merkwürdigen Stefans-Kirchc, kehrtman durch die Stefans-Straße oder den Stefanshohl — wo, inder frühern Neustadt, das Haus des im 14. Jahrhundert erlosche-nen alten Geschlechts Frideruna gelegen haben soll, zum Thiermarktzurück.
Ludwigsstraße. Sie geht über die Stelle der ehemaligen Kir-che des Agnesen-Nonnenklosters (wovon der noch vorhandene Theil, r.330 u. 331, jetzt Militär-Gebäude ist), des Präsenzhauses und einesfrüher dahinter gelegenen unregelmäßigen Stadtviertels. Die Arbeitenzu ihrer Eröffnung wurden 1807 begonnen, doch erst nach 10 Jahrenin Ausführung gebracht.
Gutenbcrgsplatz. Vor der Belagerung von 1793 standen hierdie Domprobstei, mit ihrer schönen Kapelle und die Domdechanei, zwi-schen denen sich der länglich viereckige Domprobsteiplatz befand. Dieeben genannten Gebäude, wovon vorzüglich das erste geschmackvoll ge-baut und mit einer mit jonischen Säulen-Halle geschmückt war, wurdendurch die Beschießung in der Nacht vom 18. zum 19. Juni ein Raubder Flammen. Ihre Trümmer wurden 1807 und in den folgendenJahren beseitigt.
Es entstand nun ein 92 Schritt oder 230 Fuß langer und gleichbreiter freier Platz, worauf der Fruchtmarkt gehalten wurde, weshalbman ihn unter diesem Namen bezeichnete, obschon Napoleon am 13.October 1804 dekretirt hatte, „daß er den Namen Gutenbergs, des Er-